„Chaos Royal“ am GOP in Münster

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Skurriler Witz: Johnny Filion tritt im neuen GOP-Programm in Münster auf.

MÜNSTER - Es konnte nicht vollständig geklärt werden, wer zuerst angefangen hat, sich in Stimmung zu trinken: das Publikum oder Comedian Don Clarke, der in eine Englandfahne gehüllt, mit Pappkrönchen auf dem Schädel die Premierenstimmung für die Artisten im GOP-Theater in Münster anheizt.

Die Sommerpause wird dort mit der Show „Chaos Royal“ gefüllt. Wer sie besuchen will, muss akzeptieren, dass Clarkes Witze oft mit dem hinteren Ende des menschlichen Körpers zu tun haben, aber wer abwartet, bis Clarke sich warmgeredet hat, erlebt unterhaltsamen Klamauk, der energisch über die Rampe gebracht wird.

Die Artisten stolpern und fuchteln, denn das Chaos ist Spielelement. Requisiten fliegen über die Bühne. Reckkünstler Guga saust mit Kawumm ärschlings in die Kulisse. Der Komiker Johnny Filion entleert ein Wasserglas, das er scheinbar so gerade eben auf seiner Nase hat balancieren können, direktemang über zwei Tische.

Wer sich ungern aktiv an einer Show beteiligt, sollte definitiv keinen Tisch vor der Bühne bestellen, denn dort finden Filion und Clarke ihre Opfer. Ein Mann muss mit nach oben kommen und sich von Filion auf dem Rieseneinrad umfahren lassen, und zwar nachdem Filion alles getan hat, um sich als der ungeschickteste Künstler zu präsentieren, der je mit Hammer und Sektflasche jongliert hat.

Die Artisten können was, das geht bei dem Bühnenradau durchaus unter. Drei ukrainische Trampolinkünstler kommen herein wie zwei Blues Brothers mit einem abgebrochenen Putto im Schlepptau. Der Putto katapultiert sich in Bauchlage hoch in den Bühnenhimmel und flattert mit den Armen wie mit Engelsflügeln. Die anderen zeigen schöne Schrauben und Überschläge zu „Everybody needs somebody“ (von den „Blues Brothers“).

Ein Brüller ist die Hula-Hoop-Nummer von Craig Reid. Der um Bauch und Hüften eher weich gepolsterte Schotte schwingt zu Jodelversionen von Opernschlagern seine lederbehosten Partien ziemlich virtuos.

Zwischen-Auftritte der Artisten halten die Show zusammen. Wer gerade Pause hat, reicht den aktiven Kollegen Bier oder Accessoires. Filion setzt sich zwischendurch ans Schlagzeug. Daniel Sullivan hüpft als irische Elfe herein und steppt rasante Irish- Dance-Schritte, wirft das Bein bis zur Nase und fällt in den Spagat. Ups, was ist denn da unter dem Röckchen zu sehen, hihihi! Im Finale zeigt Sullivan Artistik am Ring als schicker Muskelmann im Golddress.

Witz und Ironie sind in „Chaos Royal“ vorhersehbar, und darum lacht man um so lauter, denn es ist grundsätzlich tröstlich, immer schon zu wissen, was kommt. „Chaos Royal“ ist wie eine Kirmes, auf der der Zuschauer Prosecco bestellen und auf Wunsch Essen mit Bedienung dazubuchen kann; ein Volksfest mit Menü und steigender Stimmung im Saal. Man kommt schnell an den Kern des puren, kindischen Vergnügens.

Edda Breski

bis 30.8., jeweils mi – so Tel. 02 51/490 90 90,

www.variete.de

Quelle: wa.de

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