„I am a Chair“: Das Kunstmuseum Ahlen zeigt originelle Stühle

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Zeitlos schick: Der Armlehnstuhl von Heinz und Bodo Rasch (um 1930) ist in der Ahlener Ausstellung zu sehen.

Von Marion Gay - AHLEN - Der Sessel wirkt wie eine Höhle, das rote Kordpolster sieht weich und einladend aus. In Eero Aarnios Designklassiker „Ball“ möchte man sich am liebsten einkuscheln. Entworfen in 1963 wurde das Fiberglasmodell drei Jahre später auf der Internationalen Möbelmesse in Köln vorgestellt und verhalf dem finnischen Designer zu weltweiter Beachtung.

Einer der Originalsessel ist in der Ausstellung „I am a chair“ im Kunstmuseum Ahlen zu sehen. Rund 80 Sitzmöbel aus der mehr als 2000 Objekte umfassenden Sammlung Löffler aus dem bayrischen Reichenschwand werden präsentiert, darunter Ikonen wie der berühmte „Rocking chair“ (1946) von Charles und Ray Eames, der Panton Chair (1960) von Verner Panton sowie Mies van der Rohes Freischwinger Modell MR20 von 1927.

Die sehenswerte Schau bietet Einblick in über 150 Jahre Stuhlgestaltung und somit in die Kulturgeschichte des Sitzens. Sie zeigt, wie gelockerte Sitzkonventionen und die Entwicklung neuer Materialien zu immer freieren, mitunter waghalsigen Entwürfen führten. So zu dem überschlanken Kunststoffstuhl „Floris“ (1967) von Günter Beltzig oder Verner Pantons gezacktem „S-Chair“ (1956).

Ursprünglich stammt der Stuhl vom Thron ab, der sich von der Antike bis ins 19. Jahrhundert vom Ehrensitz hin zum bürgerlichen Repräsentationsobjekt wandelte. So beginnt die Ausstellung mit Modellen, denen man die noble Abstammung ansieht. Da ist der hochaufragende, hölzerne „High Chair“ (1972) von Mario Ceroli neben einem an ein Modell aus Lego erinnernden „Roma du Roi“ (1986) von Marco Zanini und dem prachtvoll aus einem Baumstamm geschnitzten Schwiegermutterthron (vor 1931) aus dem Königreich Bamun (heute Kamerun).

Diese Vielseitigkeit macht den Reiz der Ausstellung aus. Dass Werner Löffler nicht nur etablierte Klassiker sammelt, sondern auch Stühle, die sich durch Qualität und Originalität auszeichnen, aber nicht unbedingt den Namen eines bekannten Designers tragen. So finden sich Hocker, Melkschemel und praktische Klappstühle. Eine schlichte „Kinderkraxe“ (um 1950) hängt an der Wand. Es gibt Sitzsäcke, Gartenstühle und medizinische Sitzkonstruktionen.

Das Bedürfnis des halb liegenden, halb sitzenden Ruhens kommt in den frühen eleganten Liegen von Patritz Huber oder Henry van de Velde zum Ausdruck. Die Aluminiumsitzplastik von Tom Dixon aus 1993 greift zwar den Schwung der Form auf, bricht aber den Anspruch der Bequemlichkeit durch die Härte und Kühle des ungepolsterten Materials.

Zu sehen sind auch Beispiele aus der Sitzkultur der Upperclass, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts beispielsweise in den englischen Clubsesseln manifestierte. Hier finden sich üppige Polster, breite Armlehnen und verstellbare Rückenteile. Varianten sind der „naturverbundene Kaminsessel“, die federnden Stahlrohrkonstruktionen der 20er Jahre sowie Lounge-Möbel etwa von Breuer oder Joe Colombo. Entzückend Hans J. Wegners berühmter „Papa Bear“ (1951), dessen überbreite Rückenlehne besondere Geborgenheit verspricht.

Ein extrem komfortables Modell ist auch der gelbe Fiberglastraum „Sunball“ (1969) von Ferdinand Ris und Herbert Selldorf. In der halbrunden, ausgepolsterten Kapsel sitzt man vollkommen abgeschirmt, gerne auch zu zweit. Der Schirm lässt sich wie ein Visier herunterklappen, es gibt eine integrierte Musikanlage und Aschenbecher.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Zeichnungen, Plakate und historische Fotografien zum Thema Sitzmöbel, außerdem sind zwei aktuelle Arbeiten der Sendenhorster Künstlerin Silke Rehberg zu sehen.

Eröffnung Samstag,16 Uhr

bis 1.5.; mi – fr 14 – 18, sa, so 11 – 18 Uhr, Tel. 02382/ 91830,

www.kunstmuseum-ahlen.de

Buch „I am a chair” 35 Euro

Quelle: wa.de

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