CD-Kritik: Robbie Robertson How To Become Clairvoyant

Von Ralf Stiftel ▪ Robbie Robertson: How To Become Clairvoyant (429 Records). Solche Töne gelingen heute kaum einen noch. Erwachsene Rockmusik, abgeklärt, geradezu weise schaut Robbie Robertson in „When The Night Was Young“ zurück, auf eine Liebe, auf ein Leben.

In „Straight Down The Line“ lässt er es krachen, mit greller Slide-Gitarre. Und im Titelsong verrät er uns, wie man hellsichtig wird, in ruhigem Tempo, aber bestimmt, mit einem packenden Piano-Intro und mehreren sich fein verzahnenden Gitarrenlinien.

Dieses Album ist mehr als nur ein Dutzend guter Rocksongs. Es ist ein Ereignis. Der Mann geht stramm auf die 70 zu, und dies ist sein erstes Album seit mehr als zehn Jahren. Er gründete die legendäre Gruppe „The Band“ mit, die vorübergehend Bob Dylan begleitete und deren Abschiedskonzert 1976 Martin Scorsese zum Film „The Last Waltz“ verarbeitete. Hier musiziert Robertson mit alten Kumpels wie Eric Clapton und Steve Winwood, und er lud junge Kollegen ein wie die Gitarristen Tom Morello (Rage Against The Machine) und Trent Reznor (Nine Inch Nails).

Und er zeigt noch einmal, wo's lang geht. „The Right Mistake“ könnte ein Rolling-Stones-Song aus den 1980er Jahren sein. In „Fear Of Falling“ singt Clapton – es ist einer dieser ruhigen, anrührenden Songs, wie man sie von dem Altmeister kennt. Da gibt es eine ruhige Gitarrenballade wie „Madame X“ und den treibenden Titel „Axman“, auf dem Morello zeigt, was die Effektgeräte seiner Gitarre so hergeben. Hier wird Rockmusik als klassische Kunstform vorgeführt von einem, der wahrlich alle Kniffe beherrscht.

Quelle: wa.de

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