WLT in Castrop-Rauxel spielt von Arne Dahl: „Sieben minus eins“

+
Ermittlungsarbeit: Desiré Rosenkvist (Svenja Marija Topler) und Sam Berger (Maximilian von Ulardt) in der Inszenierung von „Sieben minus eins“ am WLT Castrop-Rauxel.

CASTROP-RAUXEL  Eine verlassene Hütte in Nordschweden. Diesmal gibt es keine Selbstschussanlage. Nur Staub und Stille und eine Luke, die in die Tiefe führt. Die Kriminalpolizisten Sam Berger (Maximilian von Ulardt) und Desiré Rosenkvist (Svenja Marija Topler) sind auf der Suche nach einem verschwundenen Mädchen, aber hier unten ist nichts außer Blut. Sehr viel Blut.

Das spannende Kriminaltheaterstück „Sieben minus eins“ in der Inszenierung von Lothar Maninger am Landestheater Castrop-Rauxel fängt schon gleich hochdramatisch an. Berger ist überzeugt, es mit dem ersten Serienmörder Schwedens zu tun zu haben, was sein Boss (Guido Thurk) vehement bestreitet. Aber spätestens als die mysteriöse Nathalie Fredén auftaucht und Assistent Cutter (Mario Thomanek) erstaunliche Zusammenhänge aufdeckt, ist klar, dass die inzwischen sieben verschwundenen Mädchen etwas mit Berger und seiner Vergangenheit zu tun haben. Und als sich Nathalie dann auch noch als Spezialagentin Molly Blom entpuppt, beginnt ein nervenaufreibendes Katz-und Maus-Spiel zwischen dem nun zweckentstandenen Ermittlerduo Berger und Blom und dem Täter. Das Stück (Theaterfassung von Sabrina Klose) basiert auf dem gleichnamigen Krimi des in Stockholm lebenden Schriftstellers Arne Dahl, eigentlich Jan Lennart Arnald. Er arbeitet als Literaturwissenschaftler für die Schwedische Akademie, die den Nobelpreis vergibt, und ist Kritiker und Herausgeber zweier Zeitschriften.

In der schwedischen Presse wurde das Buch „Sieben minus eins“ als „der beste schwedische Kriminalroman, der je geschrieben wurde“, gefeiert.

Die Handlung greift nicht zufällig präzise wie ein Uhrwerk ineinander (immer wieder geht es um Uhrwerke), Fragmente aus der Vergangenheit vermischen sich mit der Suche nach den vermissten Mädchen und Szenen im Kriminalbüro. Man kann der literarischen Vorlage eine gewisse Sensationslüsternheit vorwerfen. Immerhin ist die im Mittelpunkt stehende Foltermethode extrem außergewöhnlich und grauenvoll, das Motiv des Täters dagegen eher zweifelhaft. Das Stück überzeugt mit seinen rasanten Szenen, dem angedeuteten Grauen und den passenden Video- und Musikeinschüben. Die Überraschungen folgen schnell aufeinander und so bleibt die Spannung über die mehr als zwei Stunden dauernde Spielzeit auf gleichbleibend hohem Niveau.

Besonders eindringlich wird es, wenn Berger und Blom vor der Videowand quer durch Schweden reisen, um etwa die demente Alicia Anger (eindrucksvoll Vesna Buljevic) in der Klinik aufzusuchen, oder zum poetisch angeleuchteten Bootshaus des Verdächtigen (Emil Schwarz) fahren. Und wenn man am Ende glaubt, der Fall wäre endgültig abgeschlossen, wirft eine weitere Überraschung neue Fragen auf.

Marion Gay

31. 10. Städt. Bühnenhaus Bocholt, 10. 11. Kurhaus Hamm, 9. 1. Theaterhaus Solingen, 21. 3. Stadthalle Unna; Tel. 02305/ 9780 20; https://westfaelisches-landestheater.de/

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare