Caligola: Neues Projekt der Mando-Diao-Macher Norénund Dixgård

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Björn Dixgård (links) und Gustaf Norén von Mando Diao betreten Neuland mit Caligola. ▪

Von Frank Osiewacz ▪ Was wäre, wenn Caligola nicht die Köpfe von Björn Dixgård und Gustaf Norén auf hätte? Wäre Caligola mit dem Album „Back to Earth“ (We love music/Universal) dann ein Top-Ten-Projekt geworden? Die Single „Forgive/Forget“ in den Top Ten? Die Diskussion ist müßig. Das Nebenprojekt der Masterminds von Mando Diao hat eingeschlagen und mit 15 Songs einen neuen Stern am Rock-Disco-Himmel verankert. Soul-Hymnen treffen auf Reggae, Dub und Disco-Kugeln.

So fremd ist das gar nicht, denn mit „Dance With Somebody“ hatten Mando Diao schließlich eine Nummer-Eins-Single in Deutschland, Österreich und der Schweiz – und für ihr bisheriges Sixties-Rock-Terrain Pioniergeist bewiesen. Und auch „Gloria“, die Nachfolge-Single, ist dem jetzigen Treiben des Schweden-Duos gar nicht fremd. Wie auch, denn mit an Bord haben sie ihre Erfolgsproduzenten, die Brüder Salla und Masse Salazar, in ihrer Heimat als „Erfinder des schwedischen HipHop“ echte Legenden.

Das Debüt-Album „Back To Earth“ von Caligola wirkt wie eine konsequente Verlängerung von „Dance With Somebody“ und „Gloria“ auf ein knappes 50-Minuten-Format. Das ist Retro-Schweden-Disco mit Rock-Faktor. Oder umgekehrt. Hinzu kommt Elektronisches und Spoken Word.

Wie passend ist es kommerziell unterm Strich, dass Mando Diao ihr „Greatest Hits Volume One“ kurz zuvor herausgebracht haben? Also jetzt ein „Greatest Hits Volume Two“? Fast. Denn beide Bands oder „Projekte“ haben bei allen (personellen) Übereinstimmungen doch klare Trennlinien.

Caligola versteht sich im Gegensatz zu den Sixties-orientierten Rockern als eine verschworene Künstlergemeinschaft und erwähnt die Stars nur am Rande. Alle Projektmitglieder gelten als gleichwertig. „Diese Zurückhaltung muss sein“, sagt Gustaf Norèn. „Dahinter steckt eine tiefere Bedeutung, das Aufheben von Unterschieden. Wir merken ja bei Mando Diao jeden Tag, wie personenbezogen alles gesehen wird. Eine ganze Menge Leute trägt ihren Teil zum Gesamtprojekt bei, aber am Ende wird alles nur demjenigen gutgeschrieben, der singt und der vorne steht. Das ist ein Problem, denn schließlich gibt es so viele Aspekte, die alle zur Popmusik gehören: Mode, Malerei, Film. Caligola hingegen ist eine Verbindung, in der jeder gleich ist. Der Fotograf, der dieses Bild macht, er gehört in dem Moment auch zu Caligola. Du auch, wenn du den Text darüber schreibst. “

Caligola versteht sich nicht als reine Band, sondern als Künstlernetzwerk rund um Stockholm. „Back To Earth“ soll neuer musikalischer Ausdruck einer erweiterten Verbindung sein. Gustaf Norén erklärt das Konzept: „Du hast einen DJ, und dann hast du einen Trompeter, der zum DJ-Set spielt. Dazu stellt ein Künstler aus, und dann sind da vielleicht ein paar Tänzer. Wie nennt man so ein Event? Jedenfalls ist es typisch für Caligola.“

Die Liste an musikalischen Gästen ist lang: Nutty Silver, Toaster. Agnes, Popsängerin. Per „Ruskträsk“ Johansson und Emil Jansson, Jazz-Saxofonist beziehungsweise Trompeter. Oskar Bonde (Johnossi), Drummer. Hansson & Karlsson, 60s-Legenden. LaGaylia Frazier, Gospel-Diva. DJ Paul van, Remixe. „Wir wollen, dass die Leute zeigen, was in ihnen steckt“, so Björn Dixgård. Der Name Caligola kommt schließlich von einem verrückten Kaiser, der sich alles rausnahm. „Aber in der Kunst – in der Kunst, da ist dein Pferd zum Senator zu ernennen, völlig machbar. Kunst kennt keine Grenzen!“

http://www.caligola.com; Live im Gloria, Köln (27.3.), im Heimathafen, Berlin Neukölln (28.3.), im Grünspan, Hamburg (29.3.)

Quelle: wa.de

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