Bruce Springsteen zeigt in Köln sein Tourprogramm: „Wrecking Ball“

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Musik ist Arbeit: Bruce Springsteen (62) auf Tournee. ▪

Von Jörn Funke ▪ KÖLN –Bruce Springsteen hat die Abrissbirne mitgebracht. „Wrecking Ball“ heißt sein neues Album, es ist eine wütende Abrechung mit dem Big Business und der amerikanischen Politik. Und es ist eine Feier amerikanischer Hoffnungen und Träume.

Jetzt tourt Springsteen mit seiner E Street Band und der „Abrissbirne“ durch Europa. Am Sonntagabend war er in Köln zu Gast. 45 000 Zuschauer sahen im Rheinenergiestadion eine begeisternde Show.

30 Songs in dreieinviertel Stunden, das ist eine stolze Bilanz für ein Rockkonzert. Auftritte dieser Art sind seit Jahrzehnten die Basis für Springsteens Ruhm, für seinen Ruf als Superstar mit Bodenhaftung. Ein Heer loyaler Fans kommt, wenn der „Boss“ ruft und singt die Songs textsicher mit. Springsteen dankt und erfüllt Wünsche aus dem Publikum. Fans halten Pappschilder mit Song-Vorschlägen hoch, die eine oder andere Anregung wird aufgenommen. Ein kleiner Junge, mit dicken Ohrenschützern lustig anzusehen, darf den Refrain von „Waitin' On A Sunny Day“ singen.

Drei Damen mit roten Patti-Scialfa-Perücken tanzen um Springsteen herum, bis der lachend die Flucht ergreift. Patti Scialfa, das ist Springsteens Ehefrau, langjähriges Bandmitglied und Mutter seiner drei Kinder. Sie sei zuhause und passe auf den Nachwuchs auf, sagt Springsteen in passablem Deutsch. Und sie lasse herzlich grüßen. Das Springsteen-Universum hat familiäre Züge, der Kern der E Street Band ist seit Jahrzehnten zusammen und den Fans wohl vertraut. Springsteen hatte die Band zwischenzeitlich aufgelöst.

Auf dem „Wrecking-Ball“-Album treten die E-Street-Helden nur in Nebenrollen auf; aber bei der Tournee stehen sie auf der Bühne: der Drummer Max Weinberg, der in der E-Street-Band-Pause in amerikanischen Late Night Shows spielte; der Bassist Gary Tallent, der als letzter von Anfang an dabei ist; der Pianist „Professor“ Bittan, der auch für David Bowie, die Dire Straits und Peter Gabriel spielte; der Gitarrist Nils Logfren, der von Neil Youngs „Crazy Horse“ zu Springsteen wechselte. Und natürlich „Little Steven“, der Gitarrist Steven van Zandt, der unter seinem Piratenkopftuch so grimmig schaut wie in der Fernsehserie „The Sopranos“. Da hat er einen Mafioso gespielt.

Eine 17-köpfige Band hat Springsteen auf der Bühne versammelt, inklusive Bläsergruppe und Chor. Alle werden ausführlich vorgestellt. Es fehle noch jemand, sagt Springsteen. Organist Danny Federici starb 2008. Doch alle denken sofort an die imponierende Gestalt des Saxophonisten Clarence Clemons, der im vergangenen Jahr starb. Er wird ausführlich gewürdigt, „Tenth Avenue Freeze-Out“, der Schlusspunkt des Konzerts, sogar für eine Gedenkminute unterbrochen.

Für Clarence spielt sein Neffe Jack Clemons. Und er macht seine Sache gut, genauso wie die Geigerin Soozie Tyrell und die Sängerin Cindy Mizelle, die Solo-Parts übernehmen. Springsteen bindet sein Ensemble weitestmöglich ein und betont damit die unterschiedlichen musikalischen Wurzeln, die in seine Musik einfließen. Die E Street Band sei keine Rock-Band, erzählt er dem erstaunten Publikum. Nein, sie sei eine Rock-und-Soul-Band. Zum Beweis gibt es eine mitreißende Version des Temptations-Hits „The Way You Do The Things You Do“ und Wilson Picketts „Baby Call On Me“.

Andere Cover-Versionen werden in Springsteen-Songs eingebaut: „Land Of Hope And Dreams“ geht passend in Curtis Mayfields „People Get Ready“ über. Natürlich gibt es auch die großen Hits: „The River“, „Hungry Heart“, „Dancing In The Dark“ und „Born To Run“ – allesamt traurige Geschichte von kleinen Leuten und Verlierern, verpackt in treibenden Rhythmen und mitreißende Melodien.

Das gilt ganz besonders für „Born In The U.S.A.“, die Nummer, die Springsteen zum Superstar machte, und mit der Ronald Reagan und das Big Business ihn vereinnahmen wollten. Es ist die Geschichte eines Vietnam-Veteranen, dem die Nation nur Arbeits- und Verständnislosigkeit zu bieten hat. In Köln schwelgt das ganze Stadion in Party-Stimmung, als das markante Riff ertönt. Kann man zu so einem Lied tanzen? Bei Bruce Springsteen geht das, ohne schlechtes Gewissen.

Die Tour

Die „Wrecking-Ball“-Tour läuft in Europa noch bis Ende Juli. Das letzte Konzert in Deutschland am 30. Mai im Berliner Olympiastadion ist ausverkauft. Für weitere Auftritte gibt es aber noch Karten. Infos unter http://www.brucespringsteen.net

Quelle: wa.de

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