Max Bronskis Politthriller „Der Tod bin ich“

Von Ralf Stiftel ▪ Max Bronski gibt es gar nicht. Das ist nur das Pseudonym eines Autors, der bisher vier feine Krimis um den Münchner Trödelhändler und Gelegenheitsdetektiv Gossec geschrieben hat. Nun ist Bronski zum Politthriller gewechselt. Es geht um Quantenphysik, eine Wissenschaft, die schon einmal die Welt erschütterte. 1945 gelang in den USA die erste nukleare Explosion. J. Robert Oppenheimer, der „Vater der Bombe“, zitierte danach die hinduistische Offenbarungsschrift Bhagavadgita: „Der Tod bin ich, Erschütterer der Welten“. Der Forscher stand da zwischen Triumph und Entsetzen.

Das gibt nicht nur den Titel des Romans ab. Auch der Fremde, der einen alten Mann mit einem Kopfschuss tötet, sagt das. Hier mordet man mit Bildung. Das Opfer, Richard Eulmann, diente als Gutsverwalter auf einem Schloss. Sein Nachfolger Tino Senoner erbt ein Paket mit Dokumenten, das Objekt der Begierde wird für drei pensionierte Agenten. Der Autor führt uns zurück in die Hochzeit des Kalten Krieges.

Auftritt für Bertold Oftenhain, einen jungen Wissenschaftler, der mit einem synästhetischen Sinn begabt ist. Zahlen hört er als Musik. Und physikalische Formeln kann er in Kompositionen übersetzen. Der Mann flüchtet aus der DDR in den Westen und gerät in die Hände der Geheimdienste. Sie fordern von ihm Zulieferdienste. Denn die Schlapphüte fürchten, „dass aus dem, was Physiker heute finden, andere morgen Waffen bauen könnten“. Also soll er dem Zürcher Nobelpreisträger, der nicht Pauli heißt wie in der Wirklichkeit, sondern Petri, die Geheimnisse der „Weltformel“ entreißen.

Das erinnert nicht von ungefähr an Dürrenmatts „Physiker“. Und es bietet alles auf, was Spionageklassiker im Repertoire haben. Duell der Spione, Wanzen, tote Briefkästen auf dem Ausflugsdampfer, die schöne Frau als Doppelagentin. Stilsicher montiert Bronski seine Geschichte aus Rückblenden in die Jahre 1957 und 1965, um wieder in die Gegenwart des Jahres 2006 zu springen. Viele zeitgeschichtliche und wissenschaftliche Details sind eingearbeitet, zum Beispiel der Hinweis auf die Rosenholz-Dateien, die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit verzeichnen und in die Hände des CIA fielen. Angesichts des großen Themas der Gesetze des Universums wundert es nicht, wenn Bronski seine Figuren philosophieren lässt. Professor Petri sagt einmal: „An göttliche Prinzipien glaube ich erst dann, wenn mich der alte Herr dazu zwingt.“ Oppenheimer lässt grüßen.

Das Erzähltempo ist eher getragen, was der Spannung keinen Abbruch tut. Zumal die Figuren mit feiner Ironie gezeichnet sind. Für einen Lacher gut sind allemal die drei Alt-Agenten, die auf den Blutdruck achten müssen, die alte Stetschkin durchladen und statt E-Mail lieber ein Fax wollen: „Auswendig lernen, kauen, gut einspeicheln und anschließend runterschlucken?“

Max Bronski: Der Tod bin ich. Verlag Antje Kunstmann, München. 398 S., 16,95 Euro

Quelle: wa.de

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