Bosse begeistert im Jovel in Münster

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Überzeugte mit einem engagierten Auftritt: Rocksänger Bosse in Münster. ▪

MÜNSTER ▪ Man möge ihm das Gekrächze nachsehen, sagt Bosse. Er habe es etwas im Hals. Der 31-Jährige nimmt einen Schluck („Warmes Wasser – schmeckt nicht, aber egal“) und macht unbeirrt weiter. „Ab jetzt kommen nur noch Tanzstücke“, ruft er nach 50 Minuten dem begeisterten Publikum im Münsteraner Jovel zu – als ob es vorher anders gewesen wäre. Axel Bosse verausgabt sich in seiner knapp eineinhalbstündigen Show völlig, tanzt den Abend durch, erzählt Geschichten und verabschiedet sich und seine vierköpfige Band schließlich in schweißgetränktem T-Shirt. Von Frank Osiewacz

Bosse hat eine seltene Gabe: Er ist der Meister der Melancholie und derjenige, der diese – im Gewand mitreißender Tanzmusik – stets mit einem Funken Hoffnung versieht. „Vielleicht sprechen mich solche Themen besonders an. Ich nehme sie auf und schreibe darüber“, sagt er nach dem Konzert. Bosse singt von Einsamkeit und Suche in der Großstadt („3 Millionen“), steigt dabei selbst ins Publikum hinab, und spätestens bei diesem dritten Song ist das Eis gebrochen. Von Einsamkeit keine Spur.

Bosse ist eine Art Animateur und das im positiven Sinne. Ein Geschichtenerzähler zwischendurch: von der Kiosk-Frau in Berlin oder vom Fischer-Opa aus Fujiyama und von Heather Nova. Man kauft ihm seine Begeisterung ab, er wirkt ehrlich. Ohne Selbstverliebtheit ist er ein Fan der eigenen Musik. Das Publikum ebenso. Am Mittwoch in Münster singen Mädchen – und diese sind klar in der Überzahl – in der ersten Reihe jedes Lied mit: Ob „Liebe ist leise“, „Roboterbeine“ oder „Wartesaal“. Und schließlich singt der ganze Saal: „Der Sommer ist noch lang“ und „Every day's like a new beginning“.

Zwar ist es die Tour zum aktuellen „Wartesaal“-Album (erreichte Platz 16 der Album-Charts), doch Bosse spielt es nicht einfach runter, sondern vertraut auf einen Mix aus alt und neu. Und dieser ist stimmig. „Die Irritierten“ steht neben „Weit weg“, dem immer wieder vom Publikum geforderten „Du federst“, „Yipi“ und dem heftig rockenden „Alter Strand“. Gewissermaßen programmatisch ist die Zeile „Ich bin froh, dass du da bist“ aus „Frankfurt/Oder“. Für Bosse und Publikum. Wenn es an diesem Abend eine Steigerung von „tanzender Saal“ gibt, dann ist es diese Zeile. Dazu bedarf es gar nicht mehr der Aufforderung „Tanz mit mir“, einem weiteren Stück aus dem „Taxi“-Album.

Mit „Gegen Murphy“ beendet Bosse den Abend. Und da ist er wieder, dieser Moment von Melancholie und Hoffnung: „Ich glaub daran, dass Glück auf der Straße liegt und das es ewig bleibt“. Eine schöne Zeile, um das Publikum auf den Nachhauseweg zu schicken.

Nach der Show schreibt Bosse noch bereitwillig Autogramme und lässt sich mit Fans fotografieren. Ganz entspannt, so als ob keine Anstrengung gewesen wäre. „Dann muss ich es tagsüber eben etwas langsamer angehen“, sagt er. Das Tempo mache ihm nichts aus. Als schließlich das letzte Poster signiert ist, bekommt er den Hinweis, man müsse jetzt los. Sonst hätte er wahrscheinlich immer noch weiter gemacht.

Quelle: wa.de

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