„Borgia“, ZDF-Sechsteiler um italienische Familie

+
Lukrezia (Isolda Dychauk) ist Kardinal Rodrigo Borgias (John Doman) Lieblingskind. Szene aus der ZDF-Serie. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ Eine Todsünde ausgelassen zu haben, das immerhin wird Alexander VI. nicht nachgesagt: Stolz, Habgier, Völlerei, Unkeuschheit... Damit liefert der Renaissance-Papst (1492-1503) richtig guten Fernsehstoff – gleich für zwei Serien. Den Anfang macht heute das ZDF mit „Borgia“, im November folgen bei ProSieben „Die Borgias“.

Das ZDF musste sich die sechs 100-minütigen Folgen erst einmal passend machen. Denn sie sorgen nicht nur für Verschiebungen im Mainzer Sendeschema; auch Gewaltszenen wurden her-ausgeschnitten, um das teure Stück zur Hauptsendezeit ausstrahlen zu können und nicht erst nach 22 Uhr. Vier Millionen Euro hat das ZDF beigesteuert; mit Gesamtkosten von 25 Millionen Euro ist es die bislang aufwändigste europäische TV-Produktion.

„Borgia“ wühlt im skandalösen Halbdunkel und strebt nach den Quotenerfolgen, die andere Historienstoffe erreichten: Die Cäsar-Serie „Rom“ (2007 bei RTL 2, im Sommer bei Arte) und vor allem „Die Tudors“ über die Regentschaft Heinrichs VIII. mit fünf Ehefrauen in mittlerweile vier Staffeln (ab 2008 bei ProSieben, kürzlich ebenfalls bei Arte). „Borgia“ bleibt hinter diesen Vorbildern allerdings zurück.

Sex and Crime bietet die Sippe zwar in Fülle. Rodrigo Borgia kaufte sich 1492 das Papstamt, hielt sich Mätressen, verheiratete mehrfach seine Tochter Lukrezia, die Söhne beseitigten Rivalen des Vaters und töteten sich später gegenseitig. All das verhalf den Borgias zu finsterem Nachruhm. Doch verzettelt sich Drehbuchautor Tom Fontana in dem Bemühen, der Familie historische Genauigkeit widerfahren zu lassen. Er will möglichst viele zeitgenössischen Aussagen berücksichtigen und gleichzeitig relativieren – schließlich stammt die üble Nachrede vor allem von Alexanders Nachfolger und Intimfeind Papst Julius II.. Der ließ eine haarsträubende Skandalchronik verfassen, um zu verhindern, dass je wieder ein Borgia den Papstthron erklomm.

Heraus kommt eine krasse, aber trotzdem blasse Geschichte. In den ersten zwei Folgen müht sich Regisseur Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) mit verzwickten Beziehungsgeflechten, unübersichtlichem Personal und holprig synchronisierten Mauscheleien. Die Machenschaften der Borgias bleiben blutleer, auch wenn sich Cesare (Mark Ryder) ständig den nackten Rücken geißelt und sich sogar einen Eisennagel durch die Hand hämmert, um inbrünstige Religiösität zu demonstrieren. Ähnlich leblos wirken die Fleischeslust und Machtgier des Kirchenoberhaupts Alexander VI. alias Rodrigo Borgia (John Doman).

Der Sechsteiler blendet die Psychologie der Figuren ebenso aus wie die Ambivalenzen der Epoche zwischen Mittelalter und Neuzeit – ihre Aufbrüche im Denken und in der Kunst, päpstliche Machtgier und aufkeimende Reformation. „Borgia“ ist – bei aller prächtigen Ausstattung – über weite Strecken belanglos.

Das Konkurrenzprodukt „Die Borgias“ macht das mit Mut zur historischen Unschärfe und zupackender Dramaturgie viel besser.

ZDF, heute, mi + do, 20.15 Uhr.

„Die Borgias“ ab 7. November bei ProSieben

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare