Bochums Schauspiel erfreut mit einem Eduardo-de-Filippo-Stück und Pasta

Der Ehestreit mitten in der Tafelrunde: Szene aus „Samstag, Sonntag, Montag“ in Bochum mit Michael Lippold und Svetlana Belesova. Fotos: Martin Steffen

Bochum – Manche Theaterideen klingen sofort nach Selbstläufer. Essen und Kunstgucken als Gesamtevent zum Beispiel. Das macht man jetzt auch am Schauspiel Bochum, wo Intendant Johan Simons das Stück „Samstag, Sonntag, Montag“ des italienischen Dramatikers Eduardo de Filippo inszeniert. Das Konzept ist in etwa „Theater meets Krimidinner“: lecker schmausen, gucken, sich ein bisschen einbinden lassen. Das Menü liefert ein italienisches Restaurant aus Bochum. Es geht um Italien und ums Essen zugleich, das geht ja kaum passender. Soweit, so vorhersehbar? Ja und nein.

Zwischen drei Gänge wird die Geschichte eines Ehekrachs gepackt. „Mamma“ Rosa Priore und ihr Don Peppino sind nicht mehr glücklich miteinander. Auch mit den Kindern Giulianella (Anne Rietmeijer) und Rocco (Dominik Dos-Reis) gibt es Streit. Das alles wird zunächst verpackt in hektische Betriebsamkeit, man eilt, um das Essen auf den Tisch zu bringen. Das Paar (Svetlana Belesova, Michael Lippold) zankt über den Antipasti, die die Zuschauer gerade genießen. Alles schön theatralisch.

Spielort ist die Außenstelle Zeche Eins, wo Platz ist für eine hufeisenförmige Tafel und eine Bar für Selbstbediener. Die Schauspieler platzen förmlich in die Tafelrunde durch Flatterbänder hindurch, die ein bisschen nach Fliegenvorhang aussehen, ein bisschen nach Zirkusportal (Bühne: Nadja Sofie Eller). Es gibt noch eine Waschmaschine, die als Hutdepot fungiert, und sonst eben die Tafel mit Blumen und Serviertellern.

Die Schauspieler tragen das Essen herbei, italienische Schlager trällernd, und inszenieren mediterrane Hektik. Zum Essen trillert es aus der Konserve „Bella notte“ und „O sole mio“. So plätschert das Spiel zwischen eingelegten Pilzen, vegetarischen Spinat-Ricotta-Canneloni und Panna Cotta mit Himbeeren hin. Soweit das Vorhersehbare.

Die Schauspieler fallen aus ihren Rollen und erklären, wenn einer plötzlich als eine andere Figur auftaucht („Ihr wisst doch, er spielt eigentlich meinen Sohn Rocco“). Dominik Dos-Reis wird als „Luigi“ angesprochen und hetzt raus, um ein Jackett überzuwerfen, die Haare zurückzustreichen und von Rocco zum Nachbarn Luigi Ianiello zu wandeln, mit dem Rosa angeblich eine Affäre hat. Als er einmal im „falschen“ Kostüm dasteht, wird er vorwurfsvoll gefragt: „Was hast du denn da an?“

Lukas von der Lühn spielt den tattrigen Vater Rosas, wackelt herein und späht allen ungeniert auf die Teller. Er spielt auch Peppinos Tante Mémé mit nerviger Alleswisserart. Von der Lühn bewegt sich wie ein komischer Alien durchs Spiel und erhält viel Applaus dafür. Die Rolle von Mémés Tochter Attilia dagegen ist eine grobe Karikatur und erfüllt die gleiche Funktion wie eine Type aus dem Schwank. Sie wird als mittelaltes Mamakind mit Babypuppe in der Hand und ständigem Nörgelton dargestellt. Ann Göbel spielt ähnlich übertrieben Giulianellas nur kurz auftauchenden Verlobten Federico.

Luigis Frau Elena wird von der gleichen Darstellerin verkörpert wie Tochter Giulianella. Anne Rietmeijer gibt beiden eine mit niedlicher Heiterkeit überschminkte Nervosität.

Einmal wandert Michael Lippold im gleichen Dress und Kopftuch (Kostüme: Sofia Dorazio Brockhausen, Britta Brodda) herbei wie Elena, ein lebendiges Fellini-Zitat. Wenn so mit Realitätsebenen gespielt wird, wird das Spiel unvorhersehbar und macht dann wirklich Spaß.

Aus Witzen und Anspielungen formt sich eine anrührende Szene, als Rosa und Peppino sich daran erinnern, wie sehr sie einander lieben. Rosa erscheint als Filmdiva im Negligé mit fellbesetzten Pantöffelchen. Svetlana Belesova sitzt auf einem Tisch, zeigt viel Bein und etwas Wäsche und dazu ein Lächeln wie eine zufriedene Katze, während sich Lippold an sie kuschelt. Belesova belebt die Dinner-Show, indem sie ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs agiert und doch durchblicken lässt, dass Rosa ein Herz aus Gold hat. Ein vergnüglicher Abend für 50 Gäste und ein Team, das mindestens ebensoviel Spaß hat wie seine Zuschauer.

27., 30.3., 2.4., Tel. 0234/ 3333 5555, www. schauspielhausbochum.de

Quelle: wa.de

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