Bobby McFerrin singt „SpiritYouAll“

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Begeistert auch mit zurückgenommener Vokalartistik: US-Sänger Bobby McFerrin.

Von Ralf Stiftel Dortmund - Nach einer guten Stunde schickt Bobby McFerrin seine Band von der Bühne. Dann setzt er sich auf seinen Stuhl und improvisiert. Nur Stimme, wie man es von ihm kennt, aber bei ihm ersetzt sie ein Orchester.

Er grunzt einen Basslauf, setzt dazwischen eine Art Rockriff. Er schlägt sich auf den Brustkorb, dass man an ein Schlagzeug glaubt. Dann singt er den Text des Bluesklassikers „Sweet Home Chicago“. Natürlich hat er nur eine Kehle, aber mit seinem perfekten Timing beschwört er den Eindruck einer Band.

Jeder kennt Bobby McFerrin wegen seines Welthits „Don’t Worry“, den er im Konzerthaus Dortmund nicht singt. Er hat schon so vieles ausprobiert zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik. Für „SpiritYouAll“, seine neue CD, hat er sich von einer Aufnahme seines Vaters von 1957 inspirieren lassen. Er interpretiert Spirituals und nimmt seine Vokalakrobatik dabei zurück.

Die Band um den Pianisten und Produzenten Gil Goldstein ist ungewöhnlich besetzt. Vor allem David Mansfield beschwört an Violine, Mandoline und Lap Steel Guitar die Klangwelt von Blue Grass und Hilbilly. So geerdet lässt McFerrin noch die abgespieltesten Lieder frisch klingen. „Swing Low Sweet Chariot“ bringt er wie einen Schmuseblues, wobei die farrinierten Triolen des Schlagzeugers Louis Cato die Spannung hochhalten. Cato singt auch die zweite Stimme, und er ist McFerrin ein Gegenpart auf Augenhöhe. Als es gerade zu kuschelig zu werden droht, da setzt McFerrin zu einem rauen Solo an, Scat-Phrasen wie ein Sopransax.

Man erkennt die Titel, zum Beispiel das vorwärtstreibende „Joshua fit the Battle of Jericho“, aber hier bekommen sie ein neues Kleid. Bei „Fix Me Jesus“ verschattet die Band den Sound zu einem dreckigen Bluesrock, und Mansfield setzt darauf ein bissiges Slide-Solo auf der Dobro. Der Jazz, mit einem fetten Funk-Unterfutter, wird nicht vergessen. Und dann wieder, bei Dylans „I Shall Be Released“, nimmt McFerrin seine Stimmartistik zurück, trägt das Lied schlicht vor, verlässt sich ganz auf dessen melodische Qualitäten. Und einen alten Hit wie seine Version des Beatles-Titels „Blackbird“ präsentiert er auch.

Vor allem aber verbreitet er die gute Laune eines Hausmusikabends, lacht, scherzt mit dem Publikum, nippt an seinem Tee. Freiwillige aus dem Publikum dürfen ans Mikrofon. Melanie kommt nach vorn, setzt sich auf die Bühnenkante neben ihn und beeindruckt mit „Amazing Grace“. Und bei Händels „Halleluja“ formt er das Publikum zum Chor.

Quelle: wa.de

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