Konzert-Kritik

Nach acht Jahren Pause: Black Eyed Peas liefern atemberaubende Show im Zenith

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Archivbild: Will.i.am von den Black Eyed Peas

Die Black Eyed Peas sind mit ihrem brandneuen ALbum „Masters Of The Sun Vol. 1“ auf Tour. Im Zenith schaffen sie es, ihre Fans zu begeistern.

München - Wie es aussieht, wenn sich ehemalige Superstars nach acht Jahren Pause zurückmelden, war am Samstagabend im Zenith zu erleben. Die sechsfachen „Grammy”-Gewinner „Black Eyed Peas”, deren Songs hauptsächlich in den 2000ern die Charts dominierten, sind mit ihrem brandneuen Album „Masters Of The Sun, Vol. 1” auf Europatour. Wie sich darauf schon andeutet, geht es für William Adams alias „will.i.am”, Allan Pineda Lindo alias „apl.de.ap” und Jaime Luis Gomez alias „Taboo” tendenziell zurück zu den Anfängen als Conscious-Hip-Hop-Trio, das sich seit jeher auf eine knackige Live-Band anstatt auf einen DJ verlässt. Und es ist kaum zu glauben: Zum wiederholten Mal in ihrer Karriere gelingt es der Multikulti-Truppe aus Los Angeles, sich neu zu erfinden.

Weltklasse-Show trotz teilweise abgehängter Halle

Dass stetige Veränderung so ziemlich die einzige Konstante in 20 Jahren „Black Eyed Peas” ist, ist eine von vielen Erkenntnissen nach gut eineinhalb Stunden Weltklasse-Show in der ehemaligen Werkshalle. Eine andere ist, dass sich auch Stadion-erprobte Künstler, die in ihrer Karriere schon über 76 Millionen Alben verkauft haben, nach mehrjähriger Auszeit durchaus in einer sogar zum Drittel abgehängten Halle wiederfinden können. Dass sie solche Details sportlich nehmen und trotzdem eine Show abfeuern, die sich auch im Staples Center gut machen würde, nimmt man ebenso überrascht zur Kenntnis. Auf einem pyramidenförmigen Konstrukt, das auf drei Ebenen nicht nur Platz für eine schlagkräftige Band, sondern auch genug (Tanz-)Fläche für die drei Rapper plus Gastsängerin Jessica Reynoso bietet, verschwimmen Bühnenbau und Projektionsfläche für atemberaubende Licht- und Video-Effekte zu einem großen Ganzen. Ganz großes Tennis, wie das hallenhohe Dreieck wahlweise zum leuchtblauen Aquarium, zur warmen Siebziger-Jahre-Filmkulisse oder zu einem futuristisch-grellen 3-D-Kanal wird.

Für jeden was dabei: Vielseitige Show begeistert die Fans

Zahlreiche Kostümwechsel, Zwischensequenzen, Ansagen mit gewohnt politischen und bisweilen überraschend persönlichen Inhalten trennen die verschiedenen Teile des Konzerts, das alle Fans bedient – ganz gleich, ob sie in der Oldschool-Rap-, in der Funk-Reggaeton-, in der R&B-Pop- oder erst in der späten, recht zweifelhaften Electro-Pop-Phase zur Band gefunden haben. Es ist tatsächlich so, dass sich regelrechte Feier-Felder in der Halle auftun: Die einen lassen sich von den zwingenden Nummern aus „Elephunk”-Tagen wohlig von Energie durchzucken, die anderen feiern zu den glattpolierten Electro-Pop-Konstrukten jüngeren Datums. Mastermind und Produzent „will.i.am” ist es gelungen, sämtliche Stücke so abzuschleifen, dass sie als reduzierte Song-Konzentrate gut zu den neuen Nummern passen, um die es ja hauptsächlich ging. Diese geben Hoffnung, dass die Band zu einem zeitgemäßen Sound gefunden hat, der poppig genug für den Massengeschmack ist – und gleichzeitig nicht anbiedernd flach daherkommt.

Black Eyed Peas klingen auch ohne Fergie gut

Das große Fragezeichen, nämlich wie Klassiker wie „Let’s Get It Started”, „Shut Up” oder das Pop-Friedensgebet „Where Is The Love?” ohne die ausgestiegene Fergie klingen, ist ebenfalls eindeutig beantwortet: Gut – weil man ihre distinktiven Parts entweder ganz einsparte oder der so stimmgewaltigen wie fähigen Jessica Reynoso den Raum zugestand, sie sich zu eigen zu machen.

Christoph Ulrich

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