Black Country Communion auf Bonner Museumsplatz

Von Sabine Fischer ▪ BONN–Ex-Deep-Purple-Bassist Glenn Hughes legt sein Gesicht in Falten, zieht die Mundwinkel in Ohrenhöhe und bleckt die Zähne. Er krümmt sich über sein Instrument, stellt es senkrecht, liebkost es wie eine Frau, nur um sie fallen zu lassen und mit ausgebreiteten Armen über die Bühne zu tanzen.

Hughes ist eine Urgewalt – und der gegenüber steht im Rahmen des Band-Projektes Black Country Communion, kurz BCC, mit Joe Bonamassa einer, der gegensätzlicher nicht sein könnte. Während Hughes über die Bühne am Bonner Museumsplatz wirbelt, zockt Ausnahme-Gitarrist Joe Bonamassa seinen Part fast unsichtbar. Käppi und Sonnenbrille lassen die Person hinter ihren wechselnden Instrumenten von Gibson bis hin zum selten zu hörenden Theremin zurücktreten. Virtuos handhabt er die Gitarren, lässt sie vibrieren, ohne dass es ihn anstrengt.

Die beiden Musiker, die unterschiedlicher nicht sein könnten, funktionieren und ergänzen sich wunderbar. Gegenseitiger Respekt wird spürbar, wenn Bonamassa unaufgeregt verschlungene Muster in den Klangteppich webt und Hughes ihn mit Bassspiel befeuert. Hughes gibt sich unverhohlen Bonamassas Spiel, das völlig losgelöst von seinen Blues-Aktivtäten ist und seinem eher seltener zu hörenden Gesang (so etwa The Battle for Hadrian’s Wall) hin.

Zwei Alben hat die BCC bislang vorgelegt. Das eine eher episch-druckvoll im Sound, das zweite, fast ein wenig schwächere rockt durch alte Schulen. Beide sind sie Reminiszenzen an die 70er, gehen eine Legierung mit Blues ein, ohne dabei antiquiert oder gar nicht mehr zeitgemäß zu wirken.

Auf ihrer Tour mischen BCC das vorhandene Material – ein gelungener Querschnitt ihres Schaffens, das im August 2010 begann. Black Country als Opener fehlt ebenso wenig wie One Last Soul, Save me, I can see Your Spirit, Song of Yesterday, Cold und Sista Jane, bei dem Bonamassa die Nähe zum Schlagzeug sucht, um zu rocken. Die Zugaben sind abgezählt: Wenngleich hartnäckig und lautstark mehr verlangt wird, gibt es nur Man in the Middle und den Deep-Purple-Klassiker Burn.

Letzterer dient Hughes für einen sehr persönlichen Schlusspunkt, schrill gellend, aber nie kreischend windet er seine Stimme noch einmal in schwindelerregende Höhen: „Time, time, time.“

Promoted wurden sie als „Supergroup“ – als ein Verbund der Legenden. Das sind sie sicher nicht. Bonamassa und Hughes hatten nach einem gemeinsamen Gig ihrem Produzenten zugestimmt, der meinte, das einmalige Ereignis habe Potenzial für ein Langzeit-Projekt. Quasi hinzugecastet wurden Derek Sherinian, der bereits für Dream Theatre, Yngwie Malmsteen und Alice Cooper die Tasten durchpflügte, und Jason Bonham (Virginia Wolf, UFO und Foreigner), der Sohn von Led-Zeppelin-Drummer und Hughes Freund John Bonham.

Doch es ist eine Zwei-Mann-Show, auf die sich vier Musiker einlassen. Sherinian macht aus seiner Solo-Einlage eine Art Oratorium; Bonham hält das Gerüst mit präzisen Schlägen zusammen. Beide sind zufriedene Statisten im Abenteuerland der Frontmänner.

http://www.bccommunion.com

Quelle: wa.de

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