Béjart-Ballett in Kölns Philharmonie

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Exotisch und erotisch: „Bhakti III“, eine Choreografie von Maurice Béjart, ist in Köln zu sehen.

Köln - Sie feiern die schönen Körper: die Männer mit ihren nackten, muskulösen Torsi, die sie mit vorgereckten Armen in Szene setzen; die schmalen Frauen, die geheimnisvoll lächelnd im Rund tanzen, als sei ihr Tanz das Leben selbst und ihr Körper sein schönstes Zeugnis.

Maurice Béjarts „7 danses grècques“ (1997) sollen abstrakt wirken, sprechen aber durch ihre eingängige, im Grunde pop-hafte Ästhetik direkt zum Publikum.

Starke Männer, zarte Frauen versetzen ihre Körper in Wellenbewegungen, kleine Gesten und Posituren spielen auf das ewige Auf und Ab von Meereswellen an. Béjart fusionierte einen archaischen Formalismus – manchmal wirken die Posen wie antike Vasenmalerei – mit Ballett-Etüden und Anspielungen an Volkstanz.

Die Anspielungen sind gerade subtil genug, um nicht simpel zu wirken, aber nicht so komplex, das sie einem vergnüglichen Zuschauen Hindernisse böten. Die „griechischen Tänze“ zu Mikis Theodorakis’ „Thalassa – Mare nostrum“ erzählen von Meer und Sonne, von ungezügelter Freude.

Sie sind derzeit im Sommerprogramm der Philharmonie Köln zu sehen, wo das Béjart-Ballett Lausanne noch bis Sonntag gastiert. Die Compagnie hütet seit dem Tode Béjarts 2007 sein Werk und seine Ästhetik. Das trifft auch auf die Arbeiten des derzeitigen künstlerischen Leiters der Truppe zu, Gil Roman, lange einer von Béjarts Startänzern. Auch eine neue Choreografie Romans steht auf dem Programm. „Impromptu pour Peralda“bietet modernere Tanztechnik.

Das Kurzballettprogramm bietet einen wirklich kurzweiligen Abend. Das liegt auch an der griffigen Ästhetik, für die Béjart zeitlebens auch immer wieder gescholten worden ist. Kritiker nannten seine Ballette „hippiehaft“, und das lässt sich nachvollziehen am esoterischen Synkretismus von „Bhakti III“. Das Stück ist in den 60ern entstanden und bringt zu indischer Raga-Musik zwei Solisten als Verkörperungen der Gottheiten Shiva und Shakti auf die Bühne. Shiva, Gott der Zerstörung, fordert Fabrice Gallarrague hektische jetés und temps levés ab, kontrastiert durch Marsha Rodriguez’ kaltes Feuer. Ihre Shakti ist das weibliche Prinzip, beide bilden einen Zirkel von Zerstören und Erschaffen. „Bhakti III“ verbindet wirkungsvoll Ritual und Erotik (auch wegen des effektiven Einsatzes des Spitzentanzes). Es bleibt aber ein Spiel: Aufbau und Bewegungsvokabular sind klassisch, der Tanz ist ein Orientalismus, eine Übertragung in neoklassische Ästhetik.

In „Étude pour une dame aux camélias“ (2001) wirft sich Elisabeth Ros in ihre grand jetés wie in einen letzten Flug und welkt anmutig zu einer Arie aus der Oper „Adriana Lecouvreur“ von Franseco Cilea dahin. Die „Étude“ hat in ihrer Theatralik etwas Zirzensisches, wie ein Clown vor seinem letzten Vorhang. Die Direktheit von Béjarts Bildästhetik wird hier sichtbar. Neben dem Ballett empfand er den Film als Schlüsselkunstform des 20. Jahrhunderts.

Formen und das Formelhafte hat Béjart ebenfalls beschäftigt, als er 1997 „Suite barocco“ choreografierte. Das Stück gewinnt seine Spannung durch den Solopart eines Mannes im Trenchcoat. Er erschießt sich; damit beginnt ein Reigen bunter Geister, der Auftritt strahlend lächelnder Männer und Frauen in kräftig gelben, roten und lila Farben. Sie feiern das Leben und den Tanz mit Bezug auf den Formalismus des klassischen Balletts. Der Mann, getanzt von Julien Favreau, kann keinen Kontakt finden. Er bewegt sich zu Händels Arie „Lascia ch’io pianga“ in langsamen, sehnsüchtigen Diagonalen. Favreau erfüllt jede arabesque mit einem todessüchtigen Glamour, einer lebensfernen Heiterkeit. Am Ende erschießt er sich noch einmal. Was war Traum, was Jenseitsphantasie? Das kümmert nicht. Es kümmert der Tanz.

Edda Breski

Bis 9.8., Tel. 0221/280 280, www.koelner-philharmonie.de

Quelle: wa.de

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