Bildvisionen: Videogeschichte im Museum Folkwang

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Füße über Staniolpapier: Birgit Hammanns Video „Tanz der zwei bunten Füße“ (1981), zu sehen in Essen. ▪

Von Achim Lettmann ▪ ESSEN_Das Knistern von Staniolpapier ist zu hören. So ein helles Knacken und Knarzen, das auf dem Video „Tanz für zwei bunte Füße“ festgehalten ist. Barbara Hammann nahm Bilder und Geräusche vor 31 Jahren auf. Heute spricht man vor allem von Alufolie, wenn etwas metallisch glänzt. Das Video von 1981 (u-matic-Band, 2:35 Min.) ist auch das Zeitdokument einer Kunstform, die immer selbstverständlicher wurde und schon bald als Ausdrucksmittel in der Kunst ganz selbstverständlich war. In der Ausstellung „Video Vision“ im Museum Folkwang in Essen wird diese Emanzipationsstory einer Kunstform mitgeliefert, obwohl es vor allem um das Museum selbst geht.

Denn in Essen gründete Paul Vogt 1968/69 das Video Studio als ein modernes Instrument für Museumspädagogik. Der Direktor des Museum Folkwang wollte seinerzeit nach außen wirken, die Arbeit seines Hauses publik machen. In den 70er Jahren nutzten dann Videokünstler die Einrichtung, drehten ihre Clips und produzierten im Museum. In der Arbeit „Videostudio“ (1975) kommt Paul Vogt zu Wort. Es wird eine Kamera der Firma Akai gezeigt und anderes technisches Gerät. Nun konnten auch Performances aufgenommen werden. Es gab kein zweites Museum in Deutschland, das die neue Kunstform so unterstützte wie Essen.

Die Ausstellung „Video Visionen“ zeigt nun sechs restaurierte Videoarbeiten, die in Essen entstanden sind. Die Bilder wurden vom U-matic-Material aufgenommen und 2009 digitalisiert. Den Charme der frühen Jahre haben sie nicht verloren. Ulrich Rückriem ist im Video „Kreise“ (1971) zu sehen, das er mit Gerry Schum produzierte. Der Bildhauer und spätere Kunstprofessor zeichnet Kreise mit Kreide, hakt sie mit einer Hacke und schiebt Heu beiseite, um eine Kreisform freizulegen. Diese körperbetonte Arbeit erinnert an die Performances jener Zeit, von denen Videokünstler beeinflusst wurden, sagt Marcel Schumacher, Kurator der Schau. Erst in den 80er Jahren sollte das Video erzählerischer werden und die Bildqualität besser – filmischer.

Jochen Gerz beschäftigt sich im „Video Opernhaus“ 1982 mit dem Scheitern. Text und Bild passen eigentlich nicht zusammen, sagte Gerz. Zu dem Bild einer Mütze spricht er im Off „Ich denke, ich bin ein Hund, trinke aus der größten Tasse.“ Dass der Betrachter dennoch Bild und Text kombiniert, liegt im Wesen des Films, der immer auch ein erzählerisches Potenzial hat, wenn er geschnitten und betrachtet wird.

Neben der Grundlagenforschung amüsiert die Medienkritik seinerzeit. Wenn Volker Anding seine „TV-Trilogie“ (1987) laufen lässt. Der Künstler kommt nach Hause, um zu essen, zu telefonieren und „Denver“ zu schauen. Die US-Serie bietet eine Liebesszene mit Linda Evans. Dann ruft Patrick Duffy aus „Dallas“ an, J.R. (Larry Hagman) aus der gleichen Serie ist an der Strippe, bis Anding die Eiswürfel über den Couchtisch wirft, die seine TV-Vorbilder so lässig ins Whiskeyglas befördern. Leben und Fernsehen gehen in einander über.

Hunderte von Videos sind im Video Studio (1968 bis 1994) entstanden. Mit der Digitalisierung in den 90er Jahren wurde die Einrichtung geschlossen. Die neue Technik war einfacher und Kosten günstiger. Die Künstler konnten auf institutionelle Hilfe verzichten.

Bis 7. April; di-so 10 bis 18 Uhr, fr bis 22.30 Uhr; Tel. 0201 / 8845 000; http://www.museum-

folkwang.de

Quelle: wa.de

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