Bilder von Wolfgang Hambrecht in Beckum

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Hier landet man nach der Vertreibung aus dem Paradies: Wolfgang Hambrechts „Adam and Eve“, zu sehen in Beckum.

Von Marion Gay BECKUM - Die Villa hat schon bessere Tage gesehen. Das Mauerwerk bröckelt, das Dach ist schief, jeden Moment könnte alles einstürzen. Trotzdem scheint das Haus bewohnt, Licht schimmert hinter den Fenstern. Das Gemälde „Adam and Eve“ (2013) erzählt eine Geschichte vom Zerfall Detroits und von Bewohnern, die den Widrigkeiten trotzen. Es ist eins von rund 30 Bildern des in Düsseldorf lebenden Malers Wolfgang Hambrecht, präsentiert im Stadtmuseum Beckum unter dem Titel „Auf freiem Feld“.

Ein Auto parkt im Dschungel, kein Pfad ist zu sehen, keine Spur vom Fahrer – eine andere Geschichte, angedeutet im Bild „Palenque-Ruinas“ (2010). Es könnte etwas Mysteriöses vorgefallen sein, wahrscheinlich ist es aber völlig banal. Wie „Farahon“ (2010), gemalt nach einem Schnappschuss auf einer mexikanischen Straße. Zu sehen sind eine unspektakuläre Häuserecke und zwei Autos, nur angeschnitten. Auffällig sind die Linien der Stromleitungen und die Stangen der Autospiegel, die Linien von Dach und Fenstern der Häuser. Die fast grafische Konstruktion des Motivs.

Vor allem faszinieren die Bilder des 1957 in Freiburg geborenen Hambrecht durch ihre sommerlich-leichte Atmosphäre, wobei das Licht nicht strahlend ist, der Himmel immer ein bisschen bleiern, schwül tropisch. Immer geht es um Situationen, die sich im Wandel befinden. Man fragt sich, was als nächstes passiert: Etwa beim Bild „Rewe City“ (2012). Noch sind Bauarbeiter mit den Materialien beschäftigt. Die Straße flimmert in Grau und Gelbbraun, die Fassaden der Häuser verwittern. Hambrechts Pinselstriche sind frei und gestisch, manchmal lösen sich Himmel und Bäume in Spiralen und Streifen auf wie vom Wind zerzaust.

Neben den illusionistischen Bildgeschichten finden sich farbintensive Porträts junger Kunststudentinnen, die konzentriert und ernsthaft dem Betrachter entgegen blicken, außerdem wenige kleinformatige abstrakte Gemälde. Hier dominieren die ausufernden Pinselschwünge, ohne dass sich der Gegenstand auch nur erahnen lässt. Bis etwa 2007 malte Hambrecht, der seit 2012 eine Professur an der Kunstakademie Münster hat, ausschließlich abstrakt. Ihm geht es um die „Abgleichung der Malerei mit dem, was in der Welt vor sich geht“, wie er sagt. Seine oft großformatigen Bilder entstehen nach Urlaubsfotografien, oder er nutzt Bilder, die er in Medien findet. Häufig stehen Behausungen im Mittelpunkt, Unterschlüpfe, oft provisorische Hütten oder heruntergekommene Schiffe. Die „Heritage Cruze 2“ ist so ein abgetakeltes Boot mit palmengedecktem Dach und US-amerikanischer Flagge, mit Plastikgartenstühlen und Hinweisschildern wie „Go Slow“. Jemand hat sich hier für eine Übergangszeit eingerichtet, wie der Schwiegervater gegen den Willen von Familie und Stadtverwaltung im Bild „Das Haus des Anarchisten“ (2010). Wind und andere Kräfte haben bereits gewütet, man weiß, die Hütte wird nicht lange bleiben.

Bis 4.5., di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr

Tel. 02521/ 29264

www.beckum.de

Quelle: wa.de

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