Bilder von Markus Lüpertz im Hagener Osthaus-Museum

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Verfremdete Figuren: Markus Lüpertz‘ Bild „Mittag“ (2007), zu sehen in Hagen ▪

Von Marion Gay ▪ HAGEN–Die Statue des Jünglings wacht am Fuß des Hügels. Ein gewundener Weg führt hoch zum Dorf. „Der Wächter“ (2011) ist eins der aktuellsten Bilder von Markus Lüpertz, zu sehen in der Ausstellung „Der gemalte Horizont“ im Hagener Osthaus Museum. Präsentiert werden rund 100 seiner Werke, vor allem Malereien und Zeichnungen, aber auch zehn Plastiken. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Galerie Michael Werner, Märkisch Wilmersdorf, und der Galerie Geuer und Breckner, Düsseldorf.

Lüpertz, der oft als Malerfürst tituliert wird und gern auch selbst so auftritt, zählt zu den international bedeutendsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten der Gegenwart. Die Schau ist keine Retrospektive. Zwar sind Arbeiten aus den sechziger Jahren bis hin zu den frühen Neunzigern zu sehen, der Schwerpunkt liegt jedoch auf den aktuellen Werken.

Die Ausstellung beginnt mit frühen Gemälden, den sogenannten „Dithyramben“, eine Serie großformatiger Gemälde, die verformte Baumstämme oder Dachschindeln zeigen. Die farbintensive Serie „Babylon-dithyrambisch“ (1975) spielt mit den Elementen der Architektur, eingebettet in organische, an Baumstämme erinnernde Formen.

Häufig kreisen die ausdrucksstarken, mit gestischer Wucht gemalten Werke um das Thema „Natur und Mensch“. Die Landschaftsmalereien aus den achtziger Jahren zeigen menschliche Wesen, allein in oft öder Landschaft. Dabei greift Lüpertz gern Motive aus der Kunstgeschichte auf und verfremdet sie, wie etwa „Hagar in der Wüste (nach Corot)“ (1985/86), wo ein Engel über der grünen Felslandschaft schwebt. Auch das Bild „Kindermord (nach Poussin)“ (1989) ist so ein Verweis auf die Kunstgeschichte. Das Kind liegt am Boden, vom Mörder ist nur ein Bein und ein Arm zu sehen.

Mythologische Themen spielen im Werk des 1941 im böhmischen Liberec geborenen Lüpertz eine große Rolle. So zeigen zahlreiche Kohlezeichnungen Kopf und Beine des „Herkules“ (2010), der seit Dezember 2010 als viel diskutierte Plastik vom Turm der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen ins Ruhrgebiet blickt.

Auch die Plastiken stellen Figuren aus der Mythologie dar. „Jason“ (2006) und „Athene“ (2010) sind bunt bemalte, deformierte Bronzeköpfe mit schrägen blauen Augen und knallroten Mündern.

Lüpertz, der sich selbst als „Genie“ bezeichnet, provoziert gern. Seine Aussage von 1982 wird in der Ausstellung erneut zitiert: „(…) Was neu ist an mir, ist, daß es mich gibt. Die Malerei ist alt. Aber ich beschäftige mich mit ihr, mache Äußerungen zu und über die Malerei. Und das ist es, weshalb ich nirgendwo herkomme. Ich komme von allen Malern (…)“.

Provokation hin oder her, der Faszination des vierteiligen, insgesamt 2,70 Meter hohen und fast acht Meter langen Gemäldes „Das Urteil des Paris“ (2010) kann man sich schwer entziehen. Die braunen, affenartigen Körper agieren in bunter Landschaft, umgeben von Symbolen wie Fische, Boote und Totenschädel. Stiller und geheimnisvoll dagegen die Bilder der Serie „Charon“ (2010). Das Boot ist in der Schneelandschaft gestrandet, die Fachwerkhäuser im Birkenwald wirken seltsam zeitentrückt.

bis 29.7., di – fr 10 – 17, do 13 – 20, sa, so 11 – 18 Uhr, Tel. 02331/ 2073138,

http://www.osthausmuseum.de

Quelle: wa.de

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