Beyoncé in Köln mit „The Mrs. Carter Show“

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Das Bad in der Menge: Beyoncé singt in der Kölner Lanxess-Arena.

KÖLN - Schon die Wartezeit auf das erste von zwei ausverkauften Konzerten von R&B-Diva Beyoncé in der Kölner Lanxess-Arena machen die Fans zu einer Show. Rund drei Stunden harren sie nach Einlass aus und bejubeln jeden Einspieler auf den Leinwänden kreischend.

Von Tim Griese 

Als das übergroße Banner, auf dem Beyoncés Name abgedruckt ist, von der Hallendecke herabgelassen wird, sind die Anhänger schließlich außer Rand und Band. Handys werden in Scharen gezückt, um ein Foto von dem Schriftzug zu machen und es ins Internet zu stellen.

Kurzum: Beyoncés Status in der Musikszene wird schon deutlich, da hat sie noch keinen einzigen Ton abgegeben an diesem Abend. Als der Vorhang fällt, ist der Gesang erst einmal enttäuschend, was an der Abmischung liegt. Bei der völlig überzogenen Lautstärke, die da aus den Boxen dröhnt, klingt die 32-Jährige matschig und unverständlich. Zum Ende hin, wenn die fetten Beats, der Elektrofirlefanz und allgemein das gesamte Tempo rausgenommen werden, ist sie schließlich da, die atemberaubende Röhre der geborenen Texanerin.

Zuvor ist die Show mit monumentalen Klängen und einem von vielen teuer produzierten Einspielern losgegangen. Darin steht Beyoncés Krönung an. In weiße Haute Couture gekleidete Models schreiten voran, Beyoncé wie aus dem 17. Jahrhundert entsprungen, sitzt weiß gepudert und mit rosa Wangen und ernstem Blick da. Dann stolzieren die Frauen tatsächlich über die Bühne, ein wenig Pyroshow, flackerndes Stroboskop-Licht, ein Knall hier, ein Bums da – und Beyoncé Knowles steht knapp bekleidet im Glitzerbody an der Bühnenspitze.

Die Marschrichtung auf der „The Mrs. Carter Show“-Welttournee ist klar: Hier geht es nicht nur um Songs und Gesang, hier steht die Show als Gesamtkunstwerk im Vordergrund. Und so durchleben die mit dem Kollaps ringenden ekstatischen Fans einen rund 100-minütigen Effektmarathon, laut und bunt, bombardiert von flimmernden Lichtern, donnernden Klängen und wilden Tanzeinlagen – Flammen, Feuerwerk und Lamettaregen inklusive.

Oberstes Gebot dabei: Sex sells. Da mutet es schon ein wenig befremdlich an, wenn Beyoncé zwischendurch die starke und emanzipierte Frau propagiert, und nur einen Atemzug später sich wild die Popos kreisen, sich die Tänzerinnen an Stangen räkeln und Beyoncé auf einem Stuhl laszive Turnübungen vollführt, für die es in entsprechenden Etablissements wohl ordentlich Trinkgeld geben würde.

Die Männer im Publikum – zwar vorhanden, aber insgesamt doch deutlich in der Minderheit – haben ihren Spaß, und auch die Damenwelt bekommt etwas zu sehen: zwei Waschbrettbäuche, immerhin. Die sieben Tänzerinnen, ihre beiden männlichen Kollegen und Beyoncé legen dabei eine starke Choreografie hin, durchgestylt und mit vollem Körpereinsatz – mal als Flashdance-Trainingsgruppe, als Riverdance-Verschnitt oder als Bademode-Models, die vom Schönheitswettbewerb kommen. Musikalisch zeichnet Beyoncé, die immer von einem lauen Lüftchen umgeben wird, in dem ihre Mähne herumtänzelt, ein abwechslungsreiches Bild von sich. Begleitet von elf Musikern, allesamt Damen, die aufgereiht auf einer Empore ihr Handwerk mit Stil verrichten, stellt sie das aktuelle selbstbetitelte Album in den Vordergrund. „Blow“ ist treibender Lounge-House, die Ballade „Haunted“ fährt auf der Ethno-Schiene, das inbrünstige „Drunk in Love“ singt sie im hautfarbenen Catsuit breitbeinig auf einem Stuhl sitzend.

Dancehall ist in „Run the World (Girls)“ von der Vorgängerplatte angesagt. Auf Retro gebürsteter Soul findet sich in „Why Don’t You Love Me“, schwere Hip-Hop-Beats in „Diva“. „Crazy in Love“ und „Halo“, zwei ihrer wohl bekanntesten Stücke gibt es leider nur in abgespeckter Form. Dafür hätte sich die Sängerin gerne mehr Zeit nehmen und ein wenig vom großen Drumherum sparen können. Denn gerade bei letzterem und der Kurzversion von Dolly Partons „I Will Always Love You“ kommt die stimmliche Stärke Beyoncés besonders zur Geltung. Mehr davon beim nächsten Mal, bitte.

Quelle: wa.de

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