Berna Ernste: Der gute Geist der Kupferhammer-Konzerte

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Berna Ernste, die Frau hinter den Warsteiner Kupferhammerkonzerten, im Konzertsaal ▪

Von Ingrid Schmallenberg ▪ WARSTEIN–Eventmanagerin, Intendantin, Künstlerbetreuerin, Trendforscherin, Agentin, Catering-Fachfrau, Buchhalterin, Marketing-Expertin – die Liste der Berufsbezeichnungen für Berna Enste ließe sich beliebig erweitern. Weil es unmöglich scheint, zu benennen, was die 79-jährige Warsteinerin seit 50 Jahren leistet, hat sich landläufig ein Titel durchgesetzt, der zwar unprofessionell klingt, treffender aber kaum sein könnte: „Der gute Geist der Kupferhammer-Konzerte“.

Wer sonst als ein „guter Geist“ wäre in der Lage, ein halbes Jahrhundert lang das kulturelle Leben einer Stadt derart zu beflügeln, dass eine ganze Region aufhorcht, wenn das neue Programm vorgestellt wird mit Künstlern, die sonst auf den großen Bühnen im In- und Ausland auftreten? Vom ersten Tag an liegt die Organisation der Konzertreihe in den Händen der ehemaligen Standesbeamtin.

Dabei war sie der eigenen Einschätzung zufolge nur „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“. Großindustriellen-Witwe Ottilie Bergenthal hatte der Stadt Warstein nach ihrem Tod 1951 ihre Villa aus dem 18. Jahrhundert vermacht. Die Spenderin hatte sich eine kulturelle Nutzung gewünscht. Der Rat entschied, ein Museum einzurichten. Dies erfolgte mit Beteiligung des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe.

Dann schlug die Stunde der Musikliebhaberin Berna Enste. Ein Denkmalpfleger befand, der große Saal im Obergeschoss sei wie geschaffen für die Aufführung von Kammerkonzerten. Auch wenn die Reaktion der Ratsherren zunächst verhalten ausfiel, wurde das Projekt doch umgesetzt.

„Ich bin da nur so reingerutscht“, beschreibt Berna Enste ihre Anfänge als Organisatorin der Musikreihe. „Einer musste es ja machen“. Auf ihrem Schreibtisch im Büro des Bürgermeisters liefen an alle Fäden zusammen.

Am 20. Januar 1962 hob sich der Premieren-Vorhang. Zum  klassisch-romantischen Abend mit dem Berliner Kammer-Trio begrüßte Berna Enste ganze 26 Zuhörer. Der Eintrittspreis betrug vier D-Mark. Der Flügel musste noch mit dem Lieferwagen aus dem Gymnasium der Stadt herangekarrt werden.

Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf in 311 Konzerten. Immer wieder gelingt es Berna Enste durch hervorragenden Kontakte zu den Agenturen Newcomer in der klassischen Konzertszene nach Warstein zu holen wie in der laufenden Jubiläumssaison den Pianisten Kit Armstrong. mit Solisten wie den Pianisten Tzimon Barto und Bernd Glemser, dem Geiger Christian Tetzlaff, dem Cellisten David Geringas und vielen anderen begeisterten ein stetig wachsendes Publikum. Die Stars der Kammermusik schätzen an Warstein die persönliche Atmosphäre, die Nähe zum Publikum und die Herzlichkeit von Berna Enste. Nur bei Lang Lang kam sie zu spät, als ihr sein Name genannt wurde, war er schon zu teuer für ihr Budget.

Die Rolle der Organisatorin beschreibt der Berliner Musikwissenschaftler Matthias Kornemann. „Hat sie sich jemals bei der Wahl eines Künstlers vergriffen? Je ein billiges Zugeständnis gemacht, das ihrer Konzertreihe unwürdig gewesen wäre?“ Seine Antwort in der Festschrift: „Nein“.

Auf das Lob reagiert Berna Enste bescheiden. Ohne ihre vielen Helfer hätte sie das arbeitsintensive Ehrenamt nicht schultern können, und für sie selbst sei die Beschäftigung mit der Musik ein großes Geschenk. Auf die Frage, ob sie denn irgendwann mal ans Aufhören gedacht habe, antwortet sie lachend: „Ich hatte eher Angst, nicht weitermachen zu dürfen.“   

In der laufenden Saison dürfen sich Musikfreunde noch auf ein glanzvolles Programm freuen.

Das traditionelle Neujahrskonzert mit der Camerata Europeana am 22.1. in der Theateraula Belecke ist ausverkauft.

4.2.: Kristóf Baráti (Violine) und Gábor Farkas (Klavier);

2.3. Pavel Haas Quartett;

23.2. Cameron Carpenter – der Popstar unter den klassischen Organisten gastiert nicht im Haus Kupferhammer, sondern in der Pankratius-Kirche;

28.4. Bernd Glemser, Klavier

Tel. 02902/810

http://www.warstein.de/?id=559

Quelle: wa.de

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