Benedikt Stampa wagt Ungewohntes am Konzerthaus Dortmund

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Dirigiert einen Prokofjew-Marathon: Waleri Gergiev

Von Edda Breski DORTMUND - Selbstbewusst hat sich der Intendant des Konzerthauses Dortmund, Benedikt Stampa, schon immer verkauft. Bei der Programmvorstellung für die Saison 2014/15 erweitert er dieses Selbstbewusstsein auf sein Publikum: „Wir können die Leute mehr fordern“, sagte er.

Die Kampagne des Konzerthauses für die nächste Spielzeit steht unter dem Motto „Stell dich der Klassik“. Was damit gemeint ist, erklärte er so: „Wir schenken den Leuten reinen Wein ein. Wir wollen ihnen nicht erzählen, dass Klassik einfach ist. Klassik ist komplex, aber sie ist auch emotional und sinnlich.“ Es reiche, wenn sich die Menschen einfach auf Werke einließen, man könne und müsse nicht alles sofort heraushören.

Diese Programmatik zeigt sich bereits am Eröffnungsabend der Saison, am 10. September. Es kommt die Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann, doch nicht nur der große Name soll locken, sondern auch das Programm: Mit Bruckners 9. Sinfonie wird das zweite Violinkonzert der zeitgenössischen Komponistin Sofia Gubaidulina gekoppelt. Sie bezieht sich auf Inspirationsquellen wie Ligeti und Stockhausen, in dem Konzert mit dem Titel „In tempus praesens“ spiegelt sie Werke der Romantik. Eine interessante, aber eher sperrige Wahl. Solist ist Gidon Kremer.

Stampa hat außerdem eine neue Veranstaltungsreihe angekündigt. „Musik für Freaks“ soll Künstler vorstellen, die in etablierten Reihen meist nicht berücksichtigt werden, weil man die Abonnementhörer nicht verschrecken will. Michael Barenboim macht einen Boulez/Bach-Abend. Der israelische Pianist David Greilsammer koppelt Sonaten von Scarlatti und Cage, und es gibt einen Abend mit Stücken für Pianola, etwa von Conlon Nancarrow, der mächtige Klangcluster für mechanische Klaviere verfasste.

Wer damit weniger anfangen kann, wird sich an einer Reihe von Stars erfreuen können: Anne-Sophie Mutter mit dem Concertgebouw, Lang Lang, Philippe Jaroussky, Jonas Kaufmann. Die Sopranistin Edita Gruberova erhält den Preis der Kulturstiftung Dortmund und gibt einen Arienabend. Andris Nelsons führt mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra und Klaus Florian Vogt Wagner-Szenen auf. Starbassist René Pape bewegt sich mit Liedern von Dvorak und Roger Quilter ein wenig vom Mainstream weg. Im Programm ist viel Spätromantik zu finden, etwas Barock, aber auch Modernes von Messiaen bis Heinz Holliger. Interessant ist auch die Aufführung einer Kammerfassung von Leonard Bernsteins später Oper „A quiet place“, ausgeführt vom Ensemble modern unter Kent Nagano.

Glanzvoll und fordernd verspricht besonders das Programm der ersten „Zeitinsel“ der neuen Saison zu werden. Valery Gergiev und das Mariinsky-Orchester widmen sich Sergej Prokofjew. Zum Auftakt gibt es die volle Dröhnung: alle fünf Klavierkonzerte an einem Abend. Auf dem Programm auch das selten zu hörende Oratorium „Iwan der Schreckliche“.

Eine zweite Zeitinsel ist dem Jazzer Nils Landgren gewidmet. Er spielt mit BigBand und Sinfonieorchester. In einem Kinderkonzert interpretiert er Melodien aus Kinderfilmen wie Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga, und er gibt eine Meisterklasse. Es gibt aber noch mehr Jazz im Programm: Der Saxophonist Branford Marsalis, der als Begleiter von Sting auch beim Pop-Publikum populär wurde, gastiert mit der hr-Bigband.

Mit dem Philadelphia Orchestra gibt eines der Big Five sein Dortmund-Debüt. Yannick Nézet-Séguin dirigiert unter anderem Tschaikowskys 5. Sinfonie. Sie ist ebenfalls mit dem Orchestre de Paris unter Paavo Järvi zu hören. „Wir wollen dem Publikum die Möglichkeit bieten, beide Interpretationen zu erleben“, sagte Stampa. Er glaubt: „Wir müssen in die Tiefe gehen, um den Menschen Neues zu bieten.“

Mit einem eigenen Stück, „Gezi Park 2“, kommt Fazil Say. Der politisch engagierte türkische Pianist und frühere Residenzkünstler in Dortmund kommentiert damit die Demonstrationen in Istanbul. Herbert Blomstedt dirigiert das Deutsche Requiem von Brahms. Die Pop-, Chanson- und Kabarett-Reihen werden fortgeführt, unter anderem mit Mnozil Brass und Jasmin Tabatabai. Und Jazz-Schlager-Spezialist Götz Alsmann, Stammgast in Dortmund, spielt die Premiere seines neuen Programms, das dem Broadway gewidmet ist.

Tel. 0231/ 22 696 200, www.konzerthaus-dortmund.de

Quelle: wa.de

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