Beckum zeigt Christiane Schlieker-Erdmann

+
Fragile Objekte zeigt Christiane Schlieker-Erdmann in Beckum, hier eine Arbeit aus der Serie „Keine Angst vor Blumen“.

Von Marion Gay BECKUM - Das blütenartige Gebilde an der Wand wirkt unauffällig. Die grauen Blätter sind leicht geöffnet, schwach schimmert darin helles Rosa. Das Papierobjekt aus der Serie „Keine Angst vor Blumen“ (2012) kommt zaghaft daher, fast scheu.

Unter dem Titel „Was die Seele betrifft – 7 Räume“ präsentiert das Stadtmuseum Beckum rund 150 Zeichnungen, Objekte und Installationen von Christiane Schlieker-Erdmann. Die in Witten lebende Künstlerin widmet sich seit 1993 vor allem Papier- und Kartonobjekten. Die zurückhaltenden, poetischen Arbeiten sollen Lebensvorgänge verbildlichen.

„Grundlage meiner Arbeit ist eine Vertiefung in die Natur mit ihren Verwandlungsprozessen, als deren Teil ich mich selbst erlebe. Das eigene Entdecken innerer Prozesse in der Bearbeitung des Materials Papier führt zu immer neuen Gestaltungen des Entstehens und Vergehens, des Zerstörens, Umwandelns und Neuschöpfens“, erklärt Schlieker-Erdmann.

So finden sich auf den zart mit Bleistift oder Tusche hingehauchten Zeichnungen der Serie „77 mal danke“ (2011– 2014) kleine nachdenkliche Betrachtungen wie „den Arm führen/ schlackern lassen/ da hängt ein Pinsel dran“ oder „den Kopf hängen lassen. Eine gute Variante“. Die Linienzeichnung zu Letzterem erinnert an die Umrisse eines Maikäfers. Die Tuschezeichnungen dagegen wirken wie Blütendarstellungen, luftig skizzierte Blattformen in Rosa und Grau. Häufig verwendet die 1955 in Dülmen geborene Künstlerin Transparentpapier wie auch bei der aus 40 Einzelblättern bestehenden Serie „bei mir“ (2008–2013). Zu sehen sind weibliche Nackte und Blüten, manchmal miteinander vermischt, fragil und zerbrechlich auf dem dünnen Papier, das die Wand durchschimmern lässt. Andere Blüten sind gleich ganz auf die Wand gemalt. Hier wuchern die hellrosa und grauen Blütenblätter wie Ausblühungen, wirken wie Alterungsspuren in Baumaterialien.

Das Prinzip der Vergänglichkeit findet sich in fast allen Arbeiten. So umgibt die Künstlerin die beiden zum Museum gehörenden steinernen Wandfiguren mit Papierschnipseln, die sich bis zum Fußboden hin ausbreiten. Als hätte der Zahn der Zeit an den Figuren genagt. Dagegen hat sich das blütenartige Objekt „schau mich an“ (2012) hübsch gemacht, indem es roten Lippenstift auf den Blattspitzen trägt. Und die Objekte der Serie „wir leben“ (2009 – 2014) haben sogar kräftiges Rot auf den Rückseiten ihrer Blätter, das an manchen Stellen hervorblitzt.

Sehr poetisch auch die großformatigen Arbeiten auf transparentem Architektenpapier (ohne Titel, 2007–2013). Mit Pinsel und Nagel zeichnet und ritzt die Künstlerin bauschige Liniengebilde ins Schwarz, die an Haare oder Gräser erinnern.

Bis 6.7., di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr, Tel. 02521/ 29264, www.beckum.de,

Katalog in Vorbereitung

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare