Der Becher-Schüler Bernhard Fuchs stellt in Bottrop seine Serie „Waldungen“ vor

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„Unterriedl, Winter 2014“

Von Achim Lettmann BOTTROP - Bernhard Fuchs hat eine große Empathie für den Wald. Der Fotograf kommt aus dem oberösterreichischen Helfenberg. Seine Heimat liegt 40 Kilometer von Linz im Mühlviertel. Fünf bis sechs Mal im Jahr verbringt er zwei bis drei Wochen in dieser Gegend, die ihn immer wieder zu Wanderungen mit seiner Mittelformatkamera lockt.

Der 42-Jährige vergewissert sich dabei einer Landschaft, die er seit seiner Kindheit kennt. Er spürt ganz unaufgeregt einem Zeitgefühl nach, dass einen die Wiederkehr und den Wandel als etwas Körperhaftes in der Natur erfahren lässt. Es sind die „Waldungen“, die Bernhard Fuchs fotografiert hat. Im Bottroper Josef-Albers-Museum werden erstmals 42 Bilder der Serie von 50 Aufnahmen unter diesem Titel ausgestellt.

Die Fotografie „Köckendorf, Sommer 2011“ ist so ein gelassener Blick von Bernhard Fuchs auf den Wald, der sich über die geschwungenen Hügel formt. Im Vordergrund vervielfältigt eine saftige Wiese das Spektrum der Grüntöne im Bild und signalisiert: Sommerzeit. Die menschenleeren Bilder haben nur wenige dramaturgische Akzente: ein vielleicht dünner Pfosten in der Bildmitte, eine Grasschnittkante zum Waldrand hin und eine Tiefenstaffelung der Berge. Der Horizont ist grau und wolkenarm, kein Lüftchen regt sich, möchte man meinen. Gern lässt Bernhard Fuchs „oben links“ einen Eindruck „für Weite“ zu, wenn er die kompositorische Entscheidung fällt, welcher Ausschnitt aus der Natur zur Fotografie wird. In Bottrop spricht der ehemalige Schüler von Bernd und Hilla Becher, der 1993 nach Düsseldorf kam und nach wie vor am Rhein wohnt, von der „verinnerlichten Gegend“ und von „Alltäglichkeiten“. Fuchs dokumentiert nicht das Mühlviertel. „Dort stehen mehr Häuser“, sagt Fuchs. Er macht sich mit einer Empfindung auf den Weg, die er seit seiner Kindheit trägt. Er reflektiert seine Vertrautheit im Laufe der Jahreszeiten, die er kursorisch auf seinen Wanderungen erlebt. Nebel schiebt sich in dem Bild „Unterriedl, Winter 2014“ vor die Waldung. Fünf, sechs Bäume stehen mit einigen Sträuchern in der Senke zweier Hänge, Reste von Schnee machen auf die stark strukturierte Wiese aufmerksam. Hier verändert sich etwas, das Wetter, die Jahreszeit, das Leben.

Solche Gedanken werden aufgerufen, weil die Bildkomposition eine ganz eigene Kraft entwickelt. Der Kurator und Direktor des Albers-Museums in Bottrop, Heinz Liesbrock, sagt: „Die Fotografien sind formal geklärt.“ Liesbrock schätzt die kontrollierte Emotionalität in Fuchsens Werk, die Konsequenz in der Arbeitsweise und die Ruhe des Bildmotivs. Vor zwei Jahre hatte er mit dem Künstler die Ausstellung in Bottrop verabredet. Unter den Becher-Schülern zählt Fuchs zur jungen Generation. Die Ausstellung im Josef-Albers-Museum soll helfen, die Reputation des Künstlers zu profilieren. Unterstützt auch vom Fotografen Robert Adams, habe Fuchs in letzter Zeit „hohe Anerkennung gefunden“, sagt Liesbrock. 1995 stellte er bereits Fuchs-Fotografien im Kunstverein Münster aus, 2009 waren es „Straßen und Wege“ in Bottrop. Fuchsens Werk zeigt vor allem die Landschaften des Mühlviertels. Außerdem gibt es von ihm Menschenporträts aus seiner Heimat.

Das Licht in den Fotografien ist dosiert. Selten schaut die Sonne über den Gebirgsgrat wie in „Hinterweißenbach, Sommer 2013“. Dann werden die Baumgruppen von Strahlen leicht konturiert, eine Hügelkette wolkig verklärt, und das Licht scheint das Gras im Vordergrund geradezu herauszulocken. Hier wird die Natur von der Sonne modelliert, jeden Tag, jedes Jahr, auf alle Zeit. Die menschlichen Spuren in der Kulturlandschaft nehmen an diesem Schauspiel teil. Zwei graue Hütten sind zu erkennen, ein schmales Band trennt Wiesen voneinander, ohne eine Grenze zu ziehen. Am Hang auf der Fotografie „Untereben, Sommer 2012“ spannt sich ein Kabel über einen Mast durchs Bild. Sessellifte und Hüttengaudi sind nicht zu finden. Die Spuren des Menschen wie Straßen („Haslach, Sommer 2012“) und Wege („Mühlholz, Winter 2012“), die in den Fotografien zu erkennen sind, werden bei Fuchs immer auch kompositorische Elemente und damit in die Natur geordnet. Die Bilder in Bottrop machen einen still, aufmerksam und bringen einem das Atmosphärische in der Landschaft näher; der eigene Blick wird introspektiv.

Bernhard Fuchs sagt: „Es ist eine Erzählung über die Gegend.“ Seinem Vokabular und seiner Akkuratesse kann man folgen, dann wird „Waldungen“ eine kleine Offenbarung: „Oft verwandelt sich ein schwer anzunehmender Alltag in eine sich frei auftuende tröstende Weite“, schreibt Fuchs im Katalog. Die Fotografie „Guglwald, Frühjahr 2012“ ist so eine. Jeder kann seinen Blick dazu bei Bernhard Fuchs finden.

Waldungen im Josef-Albers-Museum Bottrop. Bis 10. August, di-sa 11 bis 17 Uhr, so 10 bis 17 Uhr, Katalog im Pomp-Verlag erschienen 48 Euro; Tel. 02041/29716; www.quadrat-bottrop.de

Quelle: wa.de

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