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Moderne Architektur Teheran und Tel Aviv thematisiert das Baukunstarchiv NRW mit Andreas Rost und Irmel Kamp

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Von: Achim Lettmann

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Das Mehrfamilienhaus in Teheran (um 1937) fotografierte Andreas Rost 2018.
Das Mehrfamilienhaus in Teheran (um 1937) fotografierte Andreas Rost 2018. Zu sehen im Baukunstarchiv NRW in Dortmund. © Andreas Rost

Eine Ausstellung in Dortmund belegt, dass im Iran ganze Wohnquartiere ab 1930 im „International Style“ gebaut wurden. Fotografien von Andreas Rost und Irmel Kamp für Tel Aviv zeigen Baugeschichte.

Dortmund – Auf einem Spaziergang durch Teheran 2017 fielen Christian Welzbacher moderne Gebäude im Stadtbild auf. Der Kunsthistoriker erkannte, dass ganze Quartiere der iranischen Hauptstadt im Stil der Zeit um 1930/40 gebaut sind. Als ein Jahr später der Fotograf Andreas Rost (Berlin) Gebäude mit Kubus, Flachdach und Fensterreihen aufnahm, wurde die Suche nach der verlorenen Moderne in Teheran dokumentiert. Nun sind 26 seiner Fotografien im Baukunstarchiv NRW in Dortmund zu sehen.

Daneben zeigt Kurator Welzbacher 26 Fotografien von Irmel Kamp, die ein ähnliches Entdeckungserlebnis Ende der 1980er Jahre in Tel Aviv hatte. Die Fotografin aus Aachen war mit einem zweijährigen Auftrag der Deutschen Forschungsgesellschaft ausgestattet. Sie recherchierte, spürte moderne Architektur auf und fotografierte in der israelischen Hafenstadt. So besteht die Ausstellung in Dortmund aus zwei Fotokonvoluten, die sich wechselseitig ergänzen: „Teheran – Tel Aviv: Andreas Rost – Irmel Kamp. Experimente International Style 1930 – 1940“.

1932 präsentierte das Museum of Modern Art in New York die Ausstellung „International Style“. Mit der Architekturschau war ein Architekturmythos geboren, der heute noch Wirkung zeigt. Zu Baumeistern wie Walter Gropius, Le Corbusier und der russischen Avantgarde zählte auch Gabriel Guevrekian aus Persien. Er hatte in Paris studiert und war von der Regierung der Monarchie gebeten worden, in der Heimat zu bauen. Der Schah und eine Oberschicht favorisierten den westlichen Lebensstil. Ab den 1930er Jahren wurden in Teheran alle Bautypen im „International Style“ realisiert. Welzbacher überraschte die große Anzahl moderner Gebäude. Ministerien, Gerichte, Schulen, Geschäftshäuser, die Uni, Villen, Apartments, Wohn- und Ferienhäuser sind zu finden. Im Gegensatz zu Tel Aviv, wo sich die Moderne auf Wohnhäuser, Schulen und Garagen beschränkte. Während allerdings die „White City“ als „Bauhaus-Tel-Aviv“ weltweit vermarktet wird, verfällt das Moderne Erbe des Irans bislang unbemerkt. Im islamischen Staat gelten diese Gebäude der Pahlavi-Zeit seit 1979 als politisch.

In Dortmund sind die Fotografien in ihrer Verwandschaft mithilfe eines kompakten Schaugerüstes (Christos Stemmenos) präsentiert. Hier liegt die Moderne in zwei Zeitschienen auf.

Bis 9.10.; di-so 14 – 17 Uhr; Tel. 0231/222 501 50;

Katalog 34 Euro;

www.baukunstarchiv.nrw

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