Axel Scheffler und Grüffelo in Münster

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Der Grüffelo ist in Axel Schefflers gleichnamigen Buch ein Schreckgespenst, das von der Maus (links) besiegt wird.

Von Elisabeth Elling - Münster Diese Augen haben sie alle: die Schnecken, Pilze, Schlangen, die vielen Eichhörnchen, und der Grüffelo auch. Die Bilderbuch-Wesen von Axel Scheffler blicken aus weißen, manchmal gelben Kreisen mit schwarzem Rand und kleinem Pupillenpunkt. Oft sehen sie ihre Betrachter an. Im Museum für Kunst und Kultur hängen „Grüffelo & Co.“ auf Augenhöhe mit der Zielgruppe, (Kindergarten- und Grundschulgröße), die Älteren müssen sich runterbeugen.

Rund 150 Zeichnungen Schefflers, vor allem großartige Original-Illustrationen für Bilderbücher, werden in Münster ausgestellt.

Der Titel der Schau, „Sag, was ist das für ein Tier?“, zitiert eine Formel aus dem erfolgreichsten Buch von Axel Scheffler und der britischen Autorin Julia Donaldson, dem „Grüffelo“, ein internationaler Bestseller und übersetzt in 59 Sprachen. Es erzählt von der Maus, die drei Fressfeinde (Eule, Schlange, Fuchs) austrickst, indem sie sich ein Monster ausdenkt. Plötzlich steht dieser Grüffelo leibhaftig vor ihr – mit allen schrecklichen Details: Warzen, Stacheln und Klauen („um Tiere zu kauen“) –, und sie schlägt auch ihn noch in die Flucht.

Diese Heldin ist typisch für Schefflers Persönlichkeiten: klein, aber nicht niedlich, sondern pfiffig. Zwischendurch erschrocken oder ängstlich, aber stets unverdrossen. Ganz viele Gefühlsfacetten sind in ihrem Kulleraugen-Gesicht zu lesen, auch die Treuherzigkeit, mit der sie schwindelt. Der Grüffelo wiederum ist zwar unansehnlich, aber vor allem dusselig.

Scheffler, 1957 in Hamburg geboren und seit 30 Jahren in London zu Hause, arbeitet seit 1993 mit Julia Donaldson zusammen. Der Verlag stiftete den Kontakt, „Mein Haus ist zu eng und zu klein“ über die nörgelnde Oma Agathe war die erste Koproduktion. Immer noch arbeiten sie auf Entfernung miteinander: Er zeichnet in London, sie textet in Glasgow. Donaldson hatte sich den Grüffelo beispielsweise als Außerirdischen vorgestellt, Scheffler assoziierte einen Büffel („buffalo“) mit Fell und Schwanz. Die Maus war in seinen ersten Entwürfen angezogen, was hingegen der Verlag nicht wollte, und Scheffler kam dem nach. Er verstehe sich als Auftragsarbeiter, meint die Münsteraner Museumspädagogin Maralena Schmidt, und sei sehr entspannt in seiner Arbeit.

Das gilt auch für die pädagogische und politische Haltung seiner Bücher. Von Tomi Ungerer, einem seiner Vorbilder und mit einem halben Dutzend Zeichnungen in Münster vertreten, hat er sich die Kulleraugen abgeguckt. Nicht aber die subversiven und antiautoritären Impulse aus dessen 60er-Jahre-Büchern wie „Die drei Räuber“ oder „Zeraldas Riese“.

Scheffler spiegelt mit Figuren wie dem Hasen Duda aus seinem ersten Buch (1992), dem Drachen Zogg oder dem Stockmann mit aufmerksamem Ernst die Lebenswelt kleiner Kinder. Und er stupst ihre Fantasie an, indem er diese mit Fantasiegestalten bevölkert.

Ein anderes Vorbild Schefflers ist in Münster zu entdecken: Shrek-Erfinder William Steig (1907–2003), dessen originaler grüner Oger ganz anders ist als die tapsige Animationsfigur aus Hollywood: pickeliger, schäbbiger, gemeiner. So sah auch der Grüffelo in Schefflers ersten Entwürfen aus. Im Vergleich mit Steigs kunstvoll groben Blättern fällt bei seinen Bildern ihre vorbehaltlose Freundlichkeit auf. Sie wollen einfach angeschaut werden. Und sie verblüffen mit einer kleinteiligen Farbigkeit, die der Buchdruck nicht annähernd wiedergeben kann.

Bis 9. August; di-so 10 bis 18 Uhr;

Begleit-Broschüre 5 Euro

www.lwl-museum-kunst- kultur.de

Scheffler arbeitet mit einer Mischtechnik aus Wasserfarben und Buntstiften und konturiert schließlich mit Tuschestift nach. Die Unterwasserwelt aus dem „Flunkerfisch“ (2007) mit ihren skurrilen Fischenkindern gewinnt so ihre Räumlichkeit aus dem Schwarzblaudunkel. Die blauen Sternenhimmel oder all die grünen Blätter, Gräser und Halme in Wald und Wiesen: Scheffler lehrt das Schauen.

Quelle: wa.de

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