Autorin Andrea Reichart im Interview über die Liebesromantage in Iserlohn

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Autorin Andrea Reichart organisiert die Liebesromantage in Iserlohn. Die Buchhändlerin und Germanistin bezeichnet Schreiben als ihre große Leidenschaft. 2012 war ihr Roman „Nenn mich Norbert“ für den DeLiA-Literaturpreis nominiert. Ihr neues Werk heißt „Safranträume“.

Iserlohn - Liebesromane haben ein Forum. Und das tagt ab heute in Iserlohn. Der Verband deutschsprachiger Liebesroman-Autoren und -Autorinnen (DeLiA) trifft sich, um den Preis für den besten Liebesroman zu vergeben und zehnjähriges Bestehen zu feiern. Parallel finden die Liebesromantage mit Lesungen und Workshops statt. Organisatorin der Veranstaltung ist die Autorin und ehemalige Buchhändlerin Andrea Reichart. Im Literaturhotel Franzosenhohl in Iserlohn, dessen literarisches Konzept sie ebenfalls entworfen hat, sprach sie mit Alexandra Helms über den Verband und den Liebesroman heute.

Wie kam es dazu, dass sich Liebesromanautoren im Verband DeLiA zusammengeschlossen haben?

Reichart: Im Jahr 2003 haben sich zwölf Autorinnen zusammengetan, um einen Verband zu gründen, der sich um die Autoren dieses Genres kümmert. Ziel war es, sowohl den Liebesroman als auch literarische Talente zu fördern. Jährlich wird dazu der DeLiA-Literaturpreis ausgelobt und an den Autor des besten deutschsprachigen Liebesromans vergeben. Mittlerweile ist der Preis ein Prädikat, mit dem auch Verlage ihre Bücher gerne schmücken.

Wer sind die Mitglieder?

Reichart: Bei uns ist eine vielfältige Mischung vertreten. Es gibt Autoren, die ausschließlich Liebesromane schreiben, die schon durch ihre romantische Covergestaltung auffallen, aber auch viele, die etwa die „Chick Lit“ genannte Frauenliteratur, historische Romane oder Fantasys verfassen. Die Liebe als Thema ist übergreifend, denn selbst dort, wo die Liebe fehlt, ist sie eins.

Wie wird man als Autor Mitglied?

Reichart: Man muss eine eigenständige Romanveröffentlichung in einem renommierten Verlag vorweisen. Dabei zählen keine Werke, die selbst veröffentlicht wurden oder von einem Verlag publiziert wurden, der Druckkostenzuschüsse nimmt.

Ist das eine Form der Qualitätssicherung?

Reichart: Ja, natürlich. Es gibt sehr viele Autoren, die sich selbst verlegen und das ist einfach nicht dasselbe. Es gibt allerdings auch DeLiAs, die vorwiegend Heftchenromane schreiben. Um diese Autoren kümmert sich der Verband ebenfalls. Der größte Teil der Autoren veröffentlicht aber in renommierten Verlagen und viele auch in hoher Auflage. Die Gesamtauflage aller DeLiA-Autoren liegt mittlerweile bei über 20 Millionen Exemplaren.

Ist es ein Vorteil, als Verband aufzutreten?

Reichart: Auf jeden Fall. Ich bin erst seit einem Jahr dabei, aber so wie ich den DeLiA-Verband erlebe, hat er inzwischen ein gewichtige Stimme auf dem Buchmarkt. Der Verband kümmert sich bei Problemen und kämpft für die Interessen seiner Autoren. Auch die intensive Beratung untereinander gehört dazu. So können die Autoren in einem geschlossenen Internetforum miteinander in Kontakt treten. Dort werden Erfahrungen ausgetauscht, Fragen beantwortet, Recherchehilfen gegeben.

Haben Autoren von Liebesromanen gegen Vorurteile zu kämpfen?

Reichart: Ja, manchmal schon. Eine wesentliche Aufgabe von DeLiA ist es, mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass Liebesromane zwangsläufig kitschig sein müssen. Das ist auch ein Grund, warum es den DeLiA-Literaturpreis gibt. Eine Fachjury sucht jedes Jahr den besten deutschsprachigen Liebesroman aus. Alle Bücher, in denen eine schöne Liebesgeschichte vorkommt, werden daraufhin analysiert, ob sie sprachlich anspruchsvoll und gut recherchiert sind und über interessante Figuren verfügen. Alle Ansprüche, die man als Leser an ein gutes Buch hat, müssen erfüllt sein.

Wer bestimmt den Preisträger?

Reichart: Ein Jury wählt aus den Nominierten drei Preisträger aus. In diesem Jahr sind die Juroren Petra Schier, Katryn Berlinger, Kerstin Gier, Britt Reissmann und Eva Völler. Eva Völler und Kerstin Gier schreiben witzige Frauenromane sowie Fantasy-Romane, Britt Reißmann ist mit Krimis bekannt geworden, und Katryn Berlinger und Petra Schier schreiben historische Romane.

Wie ist das Verhältnis zur Hochliteratur?

Reichart: Die Grenze ist fließend. Im ersten Moment denken vielleicht einige, Liebesromane sind Trivialliteratur, aber der Erfolg dieses Genres lässt sich nicht wegdiskutieren. Bei DeLiA sind viele bekannte Autoren, wie Iny Lorentz, Kerstin Gier, Eva Völler, Micaela Jary, Petra Schier oder Rebecca Michéle organisiert.

Gibt es Trends oder Moden bei Liebesromanen?

Reichart: Diese Frage kann ich weniger als DeLiA-Mitglied, sondern eher als Buchhändlerin beantworten, die schon seit vielen Jahren aktiv ist. Die Trends werden von den Verlagen gemacht. Was sich gut verkauft, wird eine ganze Weile fortgesetzt. Ich erinnere an die Harry-Potter-Geschichten. Danach kamen viele Fantasy-Romane heraus. Nach der Twilight-Saga waren es Vampirgeschichten und zur Zeit ist es die Richtung von „Shades of Grey“. Parallel liefen die so genannten Love- and-Landscape-Romane gut, also Liebesgeschichten, die vor exotischer Kulisse stattfinden. Sehr gut im Rennen sind Themen, die vor und nach dem zweiten Weltkrieg spielen.

Wie geht es dem Liebesroman heute?

Reichart: Ich glaube, es geht ihm hervorragend. Ich bin sicher, es wird nicht aufhören, dass Menschen sich nach einer Welt sehnen, die ein bisschen heiler ist, als ihre Wirklichkeit. Liebesromane haben in der Regel ein Happy End und es gefällt den Lesern, wenn ihre Lieblingsfigur am Ende noch lebt und ihr Glück bekommt. Das ist im Alltag nicht immer gegeben und es tut gut, wenn mal alles positiv ausgeht. Liebesromane erfüllen in diesem Sinne eine große Aufgabe. Sie stärken den Optimismus, machen Mut und befriedigen die Sehnsucht.

Gibt es Bücher, die Sie als zu schnulzig bezeichnen würden?

Reichart: Das ist Geschmackssache, aber Hedwig Courths-Mahler ist für mich Schnulze. Auch Rosamunde Pilcher finde ich grenzwertig. Alle Geschichten, die zu absehbar angelegt sind und Klischees bedienen. Ich selbst habe die größte Freude an Büchern, die gut recherchiert sind, eine anspruchsvollere Sprachgestaltung haben und in der die Probleme, mit denen die Protagonisten konfrontiert werden, natürlich wirken und nicht gekünstelt. Die Bücher müssen das Leben abbilden. Wenn die Figuren so sprechen, wie sonst niemand spricht und Liebesbeteuerungen vor Rührung triefen, dann kann ich es nicht gut lesen.

Wie sehen sich die DeLiA-Autoren? Gibt es eine Definition?

Reichart: Ich weiß von keiner. Aber alle sagen gern von sich „Ich bin Autor und ich bin bei DeLiA.“ Das ist eine Identität, die trägt. Die Mitglieder sprechen von sich als DeLiAs. Ein Verband steht und fällt mit den Menschen, die sich darin engagieren und hier funktioniert das tadellos. Jetzt freuen sich die Mitglieder aber erstmal darüber, ihr 10-Jähriges hier in Iserlohn in einem würdigen Rahmen zu feiern. Dass die Liebesromantage so guten Zuspruch finden und nahezu ausverkauft sind, ist außerdem ein schönes Lob für alle Autoren und natürlich für unser Organisatoren-Team.

Die Liebesromantage werden heute mit einer Lesung in der Stadtbücherei Iserlohn eröffnet (19.30 Uhr). Morgen wird bei einer Gala der DeLiA-Literaturpreis verliehen. Die meisten Veranstaltungen sind ausverkauft. Samstag Signierstunde (11 Uhr) in den Buchhandlungen Alpha, Buch im Bahnhof, Erlesen und Thalia. Sonntag läuft die Romanverfilmung „Rubinrot“ von Kerstin Gier im Cinestar (11 Uhr). Tel. 02371 /820 720 (Literaturhotel); www.delia-liebesromantage.de , www.lovelybooks.de

Quelle: wa.de

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