Ausstellungsort Cappenberg in Gefahr

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Das kulturelle Aushängeschild des Kreises Unna ist bedroht: Schloss Cappenberg.

Von Ralf Stiftel SELM - Es kann durchaus sein, dass Ende 2015 Schluss ist mit den großen Ausstellungen auf Schloss Cappenberg, die bislang 60 000 bis 80 000 Besucher im Jahr anlocken. Aber es liegt nicht unbedingt daran, dass es dem Kreis Unna gerade finanziell richtig schlecht geht. Die Gründe für das drohende Aus sind nicht ganz neu und sind etwas komplizierter.

Das Schloss ist Privateigentum des Grafen von Kanitz. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat zwei Flügel des Gebäudes für museale Zwecke gemietet, und der Kreis Unna ist sozusagen Untermieter. Ende 2015 läuft der langfristige Mietvertrag aus. Wenn bis dahin nichts geschieht, ist Schluss. Die Verwaltung in Münster sah darin eine Chance, den ebenfalls finanziell klammen Landschaftsverband zu entlasten. Allerdings sah das die Politik anders, ebenso wie die Verantwortlichen beim Kreis Unna. Der Publikumsmagnet Schloss Cappenberg soll erhalten bleiben. Allerdings nicht um jeden Preis, wie Kreisdirektor Thomas Wilk erläutert.

Hintergrund ist der Mietvertrag von 1985, der LWL und Kreis einige Lasten auflegt, die sogenannte „Unterhaltung an Dach und Fach“. Die Miete beträgt 153 000 Euro jährlich, durch die Nebenkosten für die denkmalgeschützte Immobilie steigt der Betrag auf 425 000 Euro. Und es bestehen unterschiedliche Auffassungen darüber, was „dem Range des Denkmals“ entspricht. Gehört dazu zum Beispiel auch der Einbau eines Aufzugs, was allein 300 000 Euro kosten würde? Insgesamt geht es darum, die Mietbedingungen für LWL und Kreis günstiger zu gestalten. Wobei der Kreis durchaus eine maßvolle Mieterhöhung akzeptieren würde, wie Kreisdirektor Wilk ausführt. Alle juristischen und architektonischen Fragen sind inzwischen geklärt. Jetzt verhandeln Graf und Mieter, und die Vorstellungen liegen noch weit auseinander, sagt Wilk. Der Kreis Unna will eine Entscheidung bis zum Januar. Denn für die weiteren Planungen braucht es mindestens ein Jahr Vorlauf.

Aber einige Einsparungen treffen die Kultur im Kreis sicher. So wird es weniger Ausstellungen in Cappenberg und auch auf Haus Opherdicke in Holzwickede geben. Noch werden jeweils vier Ausstellungen pro Jahr ausgerichtet, künftig sollen es höchstens drei sein.

Auf Eis gelegt ist ein weiteres Projekt, die Gründung einer Stiftung Brabant. Der Sammler Frank Brabant und der Kreis gaben 2008 bekannt, dass seine hochkarätige Sammlung mit Werken der klassischen Moderne dauerhaft im Kreis unterkommen soll. Mittlerweile sind die entsprechenden Verträge unterschriftsreif. Aber der Sammler zaudert. Das sei eine sehr emotionale Situation, erklärt Kreisdirektor Wilk. Man könne Brabant noch so oft darlegen, dass er weiter mit seinen Bildern leben könne. Bei allem Verständnis aber könne der Kreis nicht weiter Arbeitskraft auf das Projekt verwenden. Ganz damit abgeschlossen habe man aber nicht. Falls Brabant zum letzten Schritt bereit sei, werde die Situation neu bewertet.

Allerdings, betont Wilk, sei die Stiftung nicht zum Nulltarif zu haben. Auch wenn der Sammler die Bilder bereit stelle, entstünden Kosten. Zum Beispiel für ein Depot, eine Klimatechnik, Sicherheitsvorkehrungen und eine restauratorische Betreuung.

Quelle: wa.de

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