Ausstellung „Whistleblower & Vigilanten“ im Dortmunder U

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Der Humor von Hackern: Die Fotowand „I did it for teh lulz“ (2016) der Gruppe LULZ ist im Dortmunder U zu sehen.

Von Marion Gay DORTMUND - Eine Katze ist wie Jesus ans Kreuz geschlagen und wird von Schwarzafrikanern herumgetragen. Daneben ein Foto des Terroristen Breivik mit dem Spruch „I fucking hate campers“. Ein anderes Bild zeigt Trumps halbdavonfliegende Frisur. Die Fotowand „I did it for teh (sic!) lulz“ (2016) der Hackergruppe LULZ provoziert mit rassistischen, homophoben oder einfach nur geschmacklosen Bildern und Texten, die ins Internet geschleust werden, um Foren und Communities zu stören.

Die Arbeit gehört zur Ausstellung „Whistleblower & Vigilanten – Figuren des Digitalen Widerstands“ im Hartware Medienkunstverein HMKV im Dortmunder U. Gezeigt werden Positionen und Figuren, die gegen staatliche, technische oder wirtschaftliche Überwachung ankämpfen. Zu sehen sind Filme, Fotografien, Tondokumente, Computerequipments und Installationen von Künstlern wie Lutz Dammbeck, Milo Rau oder der Mediengruppe Bitnik zusammen mit rein politischen Positionen.

So widmet sich ein Bereich, von Kuratorin Inke Arns „der gleißend helle Raum der Aufklärung“ genannt, der Person Edward Snowden. Das Ausstellungsplakat zeigt ihn wie auf einem Terroristen-Fahndungsplakat mit der Menschenrechtsaktivistin Jesselyn Radack, dem Attentäter Ted Kaczynski und Julian Assange. Leicht werden Hacker, Whistleblower und Vigilanten (Menschen, die das Recht in die eigenen Hände nehmen) zusammengefasst, obwohl sie nicht mehr gemeinsam haben als die Tatsache, dass sie gegen etwas sind und meist von Justizbehörden verfolgt werden.

Die informative Schau zeigt die Unterschiede der jeweiligen Personen des digitalen Widerstands und dokumentiert Geschichten wie die des „Unabomber“ genannten Kaczynskis. Der ehemalige Mathematikprofessor versendete zwischen 1978 und 1995 in den USA 16 Briefbomben, durch die drei Menschen starben. Im Juni 1995 schickte er sein Hunderte von Seiten umfassendes Manifest „Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft“ an die New York Times, mit dem Angebot, bei Abdruck mit den Anschlägen aufzuhören. Die Veröffentlichung führte zu seiner Verhaftung, da ihn sein Bruder anhand von Äußerungen identifizierte. In der Ausstellung hängen die handschriftlichen Seiten, außerdem ist der Film „Letter to me“ (2003) von Lutz Dammbeck über Kaczynski zu sehen.

Im Video „5000 feet is the best“ (2011) von Omer Fast berichtet ein ehemaliger US-Drohnenpilot von seinen Einsätzen in Afghanistan und Pakistan. Interviews und Spielfilmsequenzen vermischen sich, die Geschichte wird in drei verschiedenen Versionen erzählt, Realität und Fiktion geraten durcheinander.

Über einem roten Sofa liegt die bedruckte Decke „Chelsea Manning“ (2016) von DIS, einem New Yorker Designkollektiv. Die Arbeit verweist auf die Whistleblowerin, die, damals noch als Mann, im Irak stationiert war und die Erschießung zweier Reuters-Journalisten durch die US-Armee filmte. Manning überließ das Beweismaterial der Website WikiLeaks, wurde 2012 der Spionage angeklagt und zu 35 Jahren Haft verurteilt. Das Foto auf der Decke ist ein Selfie, das Manning stark geschminkt und mit Perücke zeigt und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Inzwischen, nach ihrem Coming-Out, entspricht es ihrer Selbstwahrnehmung.

Eröffnung heute, 19 Uhr

Bis 14.08., di – so 11 -18, do, fr 11 – 20 Uhr,

Tel. 0231/ 496642-0

www.hmkv.de

Quelle: wa.de

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