Ausstellung über die Heiligen Drei Könige im Kölner Museum Schnütgen

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Könige beugen die Knie vor dem Herrscher der Welt. Die Dreikönigsszene aus dem Diptychon eines franko-flämischen Meisters (um 1360) kommt aus dem Museo del Bargello, Florenz, in die Kölner Ausstellung zu den Heiligen Drei Königen.

Von Ralf Stiftel KÖLN - Voller Demut kniet der älteste König vor dem Christuskind. Gleich wird er dessen Fuß küssen. Die anderen beiden nehmen ihre Kronen ab, ebenfalls eine Repektsbezeugung. Der Stern wirft einen breiten Lichtschein auf das Kind, das auf dem Schoß seiner Mutter thront – nackt und doch souveränes Zentrum der Szene.

Ein unbekannter frankoflämischer Meister malte um 1355/60 die prachtvolle Szene vom Besuch der drei Könige im Stall von Bethlehem. Es ist ein Meisterwerk der Erzählkunst voller Details. Man achte nur auf die aufgeregten Reiter und Pferde links oben. Oder auf Joseph, der sich die Füße über heißem Wasser wärmte und sich nun überrascht umwendet.

Zu sehen ist das Werk in der Ausstellung „Die Heiligen Drei Könige – Mythos, Kunst und Kult“ im Kölner Museum Schnütgen. Mit rund 130 Exponaten zeichnet die Schau das Bild der biblischen Figuren von der Spätantike bis zum Übergang vom Mittelalter zur Renaissance nach. Die drei Könige werden in Buchminiaturen und großen Altargemälden dargestellt, auf sakralen Gewändern und in der Krümme eines Bischofsstabs, in Elfenbeinschnitzereien und großen Steinskulpturen. Leihgaben kommen aus den großen Museen der Welt wie dem Pariser Louvre, dem Vatikan, dem Metropolitan Museum in New York. Und auch der Kölner Dom ist, sozusagen als Außenstation, in die Schau einbezogen, hier sieht man den Dreikönigenschrein, eine prachtvolle Goldschmiedearbeit, die um 1200 geschaffen wurde, die Dreikönigsschranke und Stefan Lochners Altar der Stadtpatrone.

Dabei kennt die Bibel keine drei Könige. Im Matthäus-Evangelium ist bekanntlich von „Weisen aus dem Morgenland“ die Rede, eine Zahl wird nicht genannt. Auf der Marmorplatte des Severa-Epitaphs (2. Hälfte 3. – Anfang 4. Jh.) sieht man denn auch drei Männer mit wehenden Mänteln herbeieilen. Keine Kronen, keine Pferde, Kamele, Diener. Die Platte verschloss ein Katakombengrab in Rom. Auch die Elfenbein-Pyxis (6. Jh.) zeigt die Szene so. Da tragen die Weisen neben den wehenden Umhängen noch Zipfelmützen, sogenannte phrygische Mützen. Am Anfang sollte mit der Geschichte vor allem verdeutlicht werden, dass auch die Heiden, Menschen ferner Länder, vom Heilsgeschehen betroffen waren und den Erlöser erkannten.

Wie kam es dann zur Aufwertung der Besucher Christi zu Herrschern? Da bezogen die Kirchenlehrer sich auf einzelne Stellen im Alten Testament, vor allem einen Psalm Davids, in dem es heißt: „Und alle Könige sollen vor ihm niederfallen, alle Nationen ihm dienen.“ Das Christentum beanspruchte die Weltherrschaft. Und dazu passte es vorzüglich, wenn sich schon vor dem Christuskind die Könige das Knie beugten. Diese gleichsam politische Umdeutung schlug sich an der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert auch in den Darstellungen nieder, zur Regierungszeit Ottos des Großen und seines Sohnes Otto II. Eine der ältesten entsprechenden Darstellungen findet man in der Schau im Benediktionale des Hl. Aethelwold (Winchester, 963–984). In der aufwendig gestalteten Miniatur beugen die Könige, nun an den Kronen leicht zu erkennen, die Knie vor Christus auf dem Schoß der Maria, die wiederum auf einem prunkvollen Thron sitzt. Vieles, was man heute in solchen Bildern erwartet, fehlt: Der Stall, Ochs und Esel, Joseph. In der Miniatur geht es vor allem darum, die Hierarchie ins Bild zu setzen. Christus, der erwachsen aussieht und bekleidet ist, achtet konsequenterweise nicht auf die königlichen Gaben, sondern weist mit der Hand in einer Segnungsgeste zu den Königen.

Immer ausgefeilter werden die Darstellungen, immer mehr Details werden ins Bild gerückt. Und die Geschichte hat ja ihre eigene Dramatik, speziell durch die Heimtücke des Herodes, der die Besucher nutzen will, Christus zu finden und zu ermorden. So wird auch das Bild der Könige, die unter einer Decke schlafen und denen im Traum der warnende Engel erscheint, zum beliebten Motiv, zum Beispiel im Freiburger Psalter (um 1200).

Am Ende stehen Darstellungen, die das Geschehen in der damaligen Lebenswelt verorten. Eine Tafel aus der Werkstatt Pieter Brueghel d. J. (1606–1637/38) rückt die Szene an den Rand. Den größten Teil des Bildes nimmt das winterlich verschneite flämische Dorf ein. Obwohl die Karawane mit prächtig geschmückten Kamelen auffallen müsste, gehen die meisten Bewohner einfach ihren normalen Tätigkeiten nach, schöpfen Wasser aus dem Fluss oder schneiden Äste von einer gefällten Weide.

Die Ausstellung erinnert an die Ankunft der Reliquien der Könige vor 850 Jahren. Es handelt sich um Kriegsbeute. Ursprünglich wurden sie in Mailand verwahrt. Nach der Eroberung der Stadt schenkte Kaiser Barbarossa sie seinem Kanzler, dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel. Damit wurde ein politisches Zeichen gesetzt, indem sich der Kaiser die heiligen Objekte in seinen Machtbereich holte. Aber es schuf auch einen enorme wirtschaftlichen Vorteil. Die Stadt am Rhein wurde durch die Reliquien zu einem der bedeutendsten Pilgerziele der Christenheit. Die Ausstellung spannt hier den Bogen fort bis in die Neuzeit, mit Darstellungen von Prozessionen aus dem 19. Jahrhundert, aber auch mit eindringlichen Fotos vom zerbombten Köln der Nachkriegsjahre.

Die Heiligen Drei Könige – Mythos, Kunst und Kult im Museum Schnütgen in Köln.

Bis 25.1.; di – so 10 – 19, do bis 20 Uhr, Tel. 0221/ 221 31 355, www.museum-schnuetgen.de

Katalog, Hirmer Verlag, München, 39 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro

Quelle: wa.de

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