Ausstellung „MannsBilder“ auf Haus Opherdicke

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Ungeschönt malte Conrad Felixmüller 1923 Hermann Kühn ▪

Von Ralf Stiftel ▪ HOLZWICKEDE–In schweren Pinselstrichen hat Conrad Felixmüller 1923 das Gesicht Hermann Kühns modelliert. Nichts beschönigte der Künstler, unterschlug keine Falte, nicht das hängende Augenlid und den Tränensack. Der Mann hat einiges erreicht, sagt dieses Gemälde, aber er hat auch einiges durchgemacht.

Das Bild ist in der Ausstellung „MannsBilder“ zu sehen, die am Sonntag auf Haus Opherdicke eröffnet wird. Es ist eine weitere thematische Auswahl aus der Sammlung von Frank Brabant, die der Kreis Unna hier dauerhaft ansiedeln möchte. Nachdem 2011 die Frau als „Mutter, Muse, Femme Fatale“ beleuchtet wurde, steht nun der Mann im Mittelpunkt. Rund 100 Werke sind ausgestellt, von einem Blatt Henri de Toulouse-Lautrecs (1893) bis zu einem Gemälde von Mark Kostabi spannt sich die Schau. Der Schwerpunkt liegt auf der Kunst der 1920er und 1930er Jahre, auf Expressionismus und Neuer Sachlichkeit.

Dabei gibt es einige schöne Strecken mit mehreren Werken namhafter Künstler. Von Felixmüller ist neben dem Gemälde noch ein gezeichnetes Porträt des Cellisten Bernhard Günther (1926) zu sehen sowie mehrere Grafikblätter, darunter ein wunderbar kerniger „Fischer vor Helgoland“ (1924). Vier Gemälde aus allen Schaffensphasen von Karl Hofer sind zu sehen. Im Selbstporträt von 1928 stellt er sich als nachdenklichen, durchaus selbstbewussten Handwerker mit aufgekrempelten Hemdsärmeln dar. Im „Liebespaar“ von 1954 sind die Figuren abstrahiert, und doch spürt man die Spannung zwischen männlichem Begehren und weiblicher Distanzierung. Zwei Gemälde und vier Radierungen von Alexej von Jawlensky führen vor, wie der Künstler das Gesicht immer mehr reduziert, bis hin zur abstrakten „Meditation Winter“ von 1935. Wobei sich die Frage stellt, ob in „Die Heilige Stunde – Letztes Schauen“ (1919) nicht doch eher eine Frau dargestellt ist.

Ein Leitmotiv ist trotz des markigen Titels, dass in der Ausstellung der Mann gerade nicht heroisch und dominant auftritt. Ludwig Meidner bietet sich in seinem intensiven Selbstporträt (1920) dem Betrachter in Untersicht dar. Aber er betont auch seine Augen, die unbeirrbar den Betrachter fixieren. Eberhard Viegener zeigt einen schlafenden Jungen, einmal als Zeichnung, einmal als ausgeführtes Gemälde (1939), und diese demonstrative Passivität unterläuft die Mobilmachung, die in der offiziellen Kunst der NS-Zeit gefordert war.

Brabant sammelt vorzugsweise auch Werke der „verlorenen Generation“, jener Künstler, die während der Nazi-Diktatur nicht malen oder ausstellen konnten und so nicht die Beachtung erhielten, die sie verdient hätten. Immanuel Knayer malt 1925 den „Arbeiter in der Frühstückspause“, und man sieht dem Mann mit der geflickten Hose, den großen Händen, dem müden Blick gleich an, dass sein Leben kein durchgehendes Vergnügen ist. Erich Borchert blickt von oben auf den „Hausbesitzer“, den dicken Mann mit Zigarre, den ein Mieter nicht so gern kommen sieht.

Der Mann tritt in vielen Rollen auf in dieser Schau. Fernand Leger zeigt ihn als Arbeiter im Kreis einer bunten Familie (1950). Der niederländische Expressionist Armand Bouten zeigt 1923 zwei schwarze Matrosen als Kunden in „Bordell am Hafen“. In Richard Seewalds „Positano“ (1924) wiederum lehnt sich ein cooler Typ mit großem Hut, gelbem Sakko und Sandalen locker an ein Geländer, im Hintergrund Palmwedel und das Meer. Wer möchte da nicht tauschen?

MannsBilder  auf Haus Opherdicke, Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr. Bis 25.11., di – so 10.30 – 17.30 Uhr,

Tel. 02301/ 918 39 72, http://www.kulturkreis-unna.de

Katalog 24 Euro

Quelle: wa.de

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