Ausstellung „Liebe zu den Dingen“ in Münster

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Die „Emotional Machine“ (2000–2004, 2013) des thailändischen Künstlers Surasi Kusolwong ist in Münster zu sehen.

Von Marion Gay MÜNSTER - Der Kleiderschrank platzt aus allen Nähten, in der Vitrine stapelt sich Nippes, und erst der Schuhschrank …! Statistisch gesehen besitzt jeder Mensch der westlichen Welt rund 10 000 Dinge. Was Minimalisten und Konsumkritikern ein Gräuel, sehen andere durchaus positiv. So der britische Anthropologe Daniel Miller, der in seinem Buch „The Comfort of Things“ (2008) die positiven Effekte der Habseligkeiten auf das Leben beschreibt. Der „Liebe zu den Dingen“ widmen sich auch zwölf Installationen in der Kunsthalle Münster. Die interessante Ausstellung wird vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW und dem OCA (Office for Contemporary Art Norway) gefördert.

Die Arbeit „Dallas True Religion“ (2012) der Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury präsentiert in einem Plexiglaskasten eine Sammlung von Einkaufstaschen und Kartons aus Edelboutiquen. In dezenten Farben, mit Schleifen und ästhetischen Aufdrucken werden die banalen Verpackungen zu begehrenswerten Objekten und lassen Konsumkritik für einen Moment vergessen.

Streng geordnet dokumentiert der Berliner Künstler Florian Slotawa in seiner Dia-Show „Besitzarbeit“ (1995 – 2013) den Bestand seiner Socken, T-Shirts, Unterhosen usw. Die Kleidungsstücke werden getragen und eines Tages ausrangiert, auf den Fotos aber existieren sie weiter. So lässt sich die Arbeit als eine Auseinandersetzung mit Verlusten und Erinnerungen deuten.

Nostalgische Erinnerungen weckt auch die Installation „aus manchen Fehlern sollte man nie lernen“ (2013) der in Münster lebenden Künstlerin Wiebke Bartsch. Anstelle der üblichen Püppchen und Porzellanfiguren belebt sie einen Vitrinen-Schrank vom Flohmarkt mit skurril befüllten Einmachgläsern und rätselhaften Stoffpuppen, aus der Rückwand wachsen textile Brüste. Daneben die Bäume aus Stoff und die kindergroße Textilpuppe lassen den Schrank wie ein Hexenhaus aus dem Märchen wirken.

Surasi Kusolwong aus Thailand funktioniert in seiner Installation „Emotional Machine“ (2000–2004, 2013) einen VW-Käfer in eine Schaukel um. Umgeben von Reifen und Technik baumelt er von der Decke. Man kann sich einkuscheln und dabei ein Video von einem Sonnenuntergang sehen.

Der Frage „Wie sehr wir unseren Kühlschrank lieben?“ geht der in New York lebende Erwin Wurm in seiner Arbeit „Keep a Cool Head“ (2003/ 2013) nach. Wer mutig genug ist, kann hier Kopf und Hände in den Kühlschrank stecken.

Ähnlich bedrohlich der Kugeln-von-sich-schleudernde Tannenbaum in der Installation „Zimmer mit Weihnachtsbaum“ (2010) des Schweizer Künstlers Roman Signer. Explosiv entledigt sich der zunächst innig geliebte, spätestens im Januar verhasste Weihnachtsbaum seiner Rolle als Deko-Objekt.

Beunruhigend minimalistisch zwischen all den üppigen Installationen wirkt die Arbeit „Late but never“ (2013) von Kristina Braein. Die Norwegerin hat einen kleinen Bodenbereich mit Klebebändern abgetrennt, dazu ein Stück Wand inklusive Steckdosen. In einer Ecke liegen ein paar Holzlatten, ansonsten ist der abgegrenzte Raum leer. Beiläufig ist ein provisorisches Feld entstanden, in dem man sich einrichten kann oder auch nicht. Hier kann man ohne Ablenkung der Frage nachgehen, ob man wirklich alle seine Zehntausend Dinge braucht.

Bis 30.3.2014, di – fr 14 – 19, sa, so 12 – 18 Uhr,

Tel. 0251/ 4924191

www.kunsthalle.muenster.de

Quelle: wa.de

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