Ausstellung zu Nam June Paik in Düsseldorf

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Kontemplation im Medienzeitalter: Nam June Paik schuf seinen „Buddha“ 1989, das Werk ist in der Düsseldorfer Werkschau zu sehen. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ DÜSSELDORF–Auch hier ist Beuys präsent: Mit Nam June Paik spielt er Klavier im Gedenkkonzert für ihrer beider Mentor George Maciunas, 1978. Beuys und Paik waren befreundet, arbeiteten immer wieder zusammen und waren beide Lehrer an der Kunstakademie. Das erinnert an einen wichtigen Ausgangspunkt für Fluxus, Beuys und Paik: die Musik. Der koreanische Videokünstler (1932– 2006) begann als Musiker mit schrägen Konzerten. Das zeigt auch die eindrucksvolle Retrospektive im Düsseldorfer musuem kunst palast, die mit der Tate Modern in London erarbeitet wurde.

Mehr als 30 große Installationen sind zu sehen: Wände aus Bildschirmen. Eine Suite aus Bildschirmen, über die grelle Filme flackern, davor Aquarien, in denen völlig desinteressierte Fische schwimmen. Roboter, die aus Bildschirmen konstruiert wurden. Ensembles aus Buddhas mit Bildschirmen, die entweder eine einmontierte Kerze betrachten, oder den Film einer Kerze, oder sich selbst, gefilmt von einer installierten Kamera. Da wird Zen auf dem technischen Weg verwirklicht. „Moon is the oldest TV“ behauptete Paik 1965 – und führte das ausgerechnet mit Fernsehgeräten vor. Hinzu kommt Dokumente, Fotos, Filmen, die den Aberwitz der Fluxus-Bewegung vermitteln.

Die Ausstellung prunkt mit Größe, zum Beispiel dem „Laser Cone“, einem mächtigen Zelt, unter das Leute sich legen, um die Projektionen auf der Leinwand zu betrachten. Und sie führt zu den Anfängen Paiks zurück, zur Urmusik (1961), zum „Schallplattenschaschlik“ (1963). Und sie dokumentiert ausführlich die Rolle der Cellistin Charlotte Moorman, die vorzugsweise nackt seine Partituren an seinen speziell gebauten Video-Celli aufführte.

Die Geräte wirken heute archaisch, all die flimmernden Röhren haben im Zeitalter der Flachbildschirme einen eigenen Charme. Vor allem aber sind Paiks Inszenierungen immer noch frisch.

11.9.–21.11., di – so 11 – 18, do bis 21 Uhr, Tel. 0211/ 899 02 00, http://www.smkp.de, Katalog, Verlag Hatje Cantz, Ostfildern, 38 Euro

Quelle: wa.de

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