Ausstellung „High Sixties Fashion“ in Dortmund

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Groß inszeniert: Den Partyanzug an Uli Richter fotografierte Regi Relang 1965 – zu sehen ist die Aufnahme im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. ▪

Von Marion Gay ▪ DORTMUND–Verhüllt von Straußenfedern posiert die Frau in einer Gondel vor Venedigs Palästen. Die Modefotografie von 1966 wirkt wie eine Szene aus einem Spielfilm. Das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Dortmund präsentiert rund 200 Modefotografien und -illustrationen aus den 60er-Jahren. Die Bilder stammen überwiegend aus der Sammlung Modebild-Lipperheidesche Kostümbibliothek der Kunstbibliothek Berlin. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den in den „High Sixties“ (1964 bis 1969) entstandenen Modebildern aus London, Paris und Berlin, den USA und Italien.

Während die Mode der 50er Jahre mit Rock und Kostümjacke auf damenhaften Chic setzte, änderte das Aufkommen der Jugendkulturen Anfang der 60er den Bekleidungsstil. Mods und Hippies, die Beatles und Rollings Stones, Massenproteste gegen den Vietnamkrieg und Studentenunruhen brachten eine lässigere und jugendlichere Mode auf die Straße. Eine Mode, die noch heute unser Stadtbild prägt: Das Modell von 1964 trägt Jeans, Pullover und Chelsea-Boots und wirkt ebenso aktuell wie ihre Kollegin „Phyllis aus Paris“ (1966) im Rippenstrickrolli.

Das 20. Jahrhundert gilt als das erste und vielleicht letzte Jahrhundert, das sich nach Dekaden sortierte. Wir sprechen von den „roaring twenties“ und den „biederen Fünfzigern“, die sich in ihren Moden klar voneinander abgrenzen lassen. Seit Beginn des neuen Jahrtausends jedoch vermischen sich die Stile, und so erscheinen viele der Fotografien, die ursprünglich als Pressebilder für Zeitschriften wie Brigitte, Constanze oder Vogue entstanden, gerade wieder zeitgemäß: Schlangenprint, psychedelische Muster und Capes erleben ein modisches Revival. Die Ausstellung zeigt, wie viel wir den 60ern modisch verdanken.

Zum Beispiel die Erfindung des Minirocks, die mit der Erfindung der Strumpfhose einhergeht. Als Mary Quant 1964 den Mini vorstellte, brachte sie gleichzeitig ein neues, jugendliches Frauenbild in Mode. Bis dahin waren Hängekleidchen, Spangenschuhe und Bubiköpfe den Kleinkindern vorbehalten. Twiggy, Prototyp der zerbrechlichen und zugleich frechen Kindfrau, ist zu sehen auf dem Cover der französischen Vogue von Mai 1967.

Filme wie „Barbarella“ (Roger Vadim, 1968) oder „2001: Odyssee im Weltraum“ (Stanley Kubrick, 1968) gaben der Mode futuristische Impulse, genauso wie die Mondlandung 1969. Zu sehen sind Modelle in Kleidern aus Metallplättchen oder Regenmänteln aus Vinyl. Mit der Entwicklung elastischer Chemiefasern wie Perlon oder Lycra waren erstmals Kleidungsstücke möglich, in denen es sich trotz extremer Körpernähe tanzen ließ. Der Strumpfhersteller Falke lässt seine gemusterten Bodysuit-Modelle 1966 in sportlichen Verrenkungen fotografieren. Kleidung aus Synthetik war außerdem kostengünstiger, sodass sich auch sehr junge Frauen die neuen Outfits leisten konnten. Erstmals richteten sich die Modemärkte vor allem an junge Konsumenten. Was sie trugen, wollten plötzlich auch die Älteren.

Die meisten Fotografien stammen von kaum bekannten Pressefotografen, Ausnahmen sind die drei Bilder von Helmut Newton. Sein Foto, 1967 für die englische Vogue entstanden, gehört zu den ausdrucksstärksten der Ausstellung. Es zitiert den Hitchcock-Film „Der unsichtbare Dritte“ (1959): Auf der Flucht vor einem Propeller-Flugzeug wirft sich das Modell im Pelzmantel in akrobatischer Pose auf die Wiese. Auch die Fotografie der Frau im Op-Art Badeanzug vor grafischer Architektur (1966) von F.C. Gundlach hebt sich durch die spannungsvolle Komposition von den meist eher konventionell arrangierten Motiven ab.

Parallel gibt es eine kleine Ausstellung mit „Lieblingsstücken“ aus der Zeit von 1957 bis 1976 von Dortmunder Bürgern, vor allem Kleider, Elektrogeräte und nostalgische Urlaubssouvenirs.

Bis 18.9., di - so 10 – 17, do 10 – 20, sa 12 – 17 Uhr,

Tel. 0231/ 5025522

http://www.museendortmund.de

Katalog 12,80 Euro

Quelle: wa.de

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