Ausstellung Zvi Goldstein in der Kunstsammlung K20

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Behältnisse aus aller Welt sind in einem Regal in der Kunstsammlung K20 in Düsseldorf zu sehen. Zvi Goldstein hat sie ausgesucht. ▪

Von Achim Lettmann ▪ DÜSSELDORF–Die großen Kunsthallen unserer Zeit zeigen ihre Bilder aus der klassischen Moderne oder der amerikanischen Popart gern in hohen lichten Räumen: klar, weitläufig und hell. So wird heute Kunst inszeniert. Auch das K20 in Düsseldorf präsentiert vor allem die Kunst des 20. Jahrhunderts auf diese Weise. Allerdings ist in Zusammenarbeit mit dem Israel Museum Jerusalem derzeit eine Ausstellung zu erleben, die ihre Objekte ganz anders zur Schau stellt.

Der Titel: „Zvi Goldstein. Haunted by Objects. Weltreisen im Inneren meines Kopfes“. Es geht um ein sehr persönliches Konzept des Bildhauers und Autors Zvi Goldstein. Aus seinem Buch „Room 205“ sind 62 Textpassagen ausgehängt, die Bewusstseinsmomente bezeugen, in denen Goldstein über Leben, Sein und Welt nachgedacht hat. Nicht strukturiert und sortiert, sondern kurz nach dem Aufwachen in einem Augenblick aus Halluzination und Tagtraum. Schwarz hat eine mysteriöse Materialdichte, Rot erzählt von einem malerischen Konzept, Blau steht für unerfüllte Hoffnungen und lässt einen in die gelbe Substanz meiner Gedichte tauchen. Zvi Goldstein schreibt seine Gedichte auf Englisch, so dass das eine oder andere Interpretation bleibt. Wie die Bedeutung der Objekte, die Goldstein zu seinen Textauszügen gruppiert hat.

Es sind Objekte, Exotica, Möbel, Gebrauchsgegenstände, Bilder, Waffen, Fotos, Kleidung, technische Apparaturen, elektrische Geräte... ein Sammelsurium aus den Beständen des Israel Museum Jerusalem. Goldstein zeigt kleinformatige Drucke zu Praktiken der Inquisition, einen Stein mit Hieroglyphen, ein Bücherbrett aus dem Yemen, ein Etui für Stifte (Iran oder Indien), eine Papierschere (Türkei, 19. Jahrhundert) und darunter Möbel von LeCorbusier (LC2), Alvar Aalto (Tisch Paimio) und Norman Foster (Tisch Nomos). Wie gehört das zusammen?

Der Museumsraum ist voll davon, wandbreit- und -hoch, im Halbdunkel. So bietet die Schau auch ein Kabinett des Kuriosen, in dem man sich verlieren kann, losgelöst von Goldsteins Textzeilen. Die Sägen und Meißel aus der Museumswerkstatt erinnern an Baumarktwerbung, Krüge und Becher aus Deutschland und Böhmen sind in einem Regal aufgestellt, Vasen aus Frankreich, Brillen aus Großbritanien und darüber Leuchtstoffröhren aus Nordafrika. Geht es um das Thema Glas?

Verblüffend ist, dass die Lösung zweitrangig wird, denn die Fundstücke haben ihre eigene Kraft und Faszination. Assoziationen zu den Dingen werden stärker als die Frage, was Goldstein damit sagen will. Ihm gelingen famose Verbindungen, wenn Waffen, Jagdbeute und Jagddarstellungen aus verschiedenen Kulturen eben dieses Thema zu einem zentralen Aspekt der Zivilisation machen – und des Museums. Goldstein fordert einen anderen Blick. Nicht separieren oder nationalisieren, sondern verbinden und vereinen, könnte eine Erkenntnis sein. Er sagt, dass die über 800 Objekte eine „Skulptur“ geworden sind. Und wer sich in dem Raum des K20 bewegt, wird spüren, was damit gemeint ist. Man wird zum Entdecker einer globalen Welt, die uns immer wieder herausfordert, den eigenen Platz zu suchen, sich seiner selbst bewusst zu werden. Es ist eine Reise.

Bis 26.2.; di – fr 10 – 18, sa,so 11 – 18 Uhr; Katalog 13 Euro,

Tel. 0211/ 83 881 204,

http://www.kunstsammlung.de

Quelle: wa.de

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