Ausstellung der Fotolehrer am Museum Folkwang

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Die Fotografie „Bungee 24_25“ (1998-2003) von Gisela Bullacher, zu sehen im Museum Folkwang Essen. ▪

Von Achim Lettmann ▪ ESSEN–Johannes Schwartz gibt den Besuchern des Museums Folkwang gern etwas mit nach Hause. Es ist seine künstlerische Arbeit, die jeder abgreifen kann, der die Ausstellung „Teaching Photography“ besucht.

Schwartz ist Hochschullehrer an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. Er hat seine Kollegen besucht und die Büroräume der Hochschullehrer fotografiert. Daraus ist eine mehrseitige Zeitung in Schwarzweiß geworden, die die Interieurs der Büros als Spiegelung verdoppelt abbildet. Man sollte keine Zeit verschwenden und „High Reflex“ an Ort und Stelle betrachten, sondern lieber zuhause. Einmal ist das im Sinne von Johannes Schwartz, der das Museum nicht als einzigen Platz für gute Kunst einstuft. Und zum anderen gibt es noch fünf weitere fotografische Positionen im grafischen Bereich der Erweiterung des Museum Folkwang in Essen zu sehen.

Ute Eskildsen, Leiterin der Fotografischen Sammlung, rückt in diesem Jahr das Thema fotografische Ausbildung auf die Tagesordnung. „Es gibt viele Studentenausstellungen, aber man weiß nicht, was die Lehrenden machen“, sagt Ute Eskildsen bei der Präsentation der Ausstellung „Teaching Photography“ in Essen. Außerdem wird nach dem Sinn eines fotografischen Studiums gefragt, wenn überall Computer in die Bildverfahren eingreifen. Weil der Einfluss der künstlerischen Fotografie bei der Hochschulausbildung von Fotografen nachlässt, wird in Essen an die Grundlagenforschung erinnert. Johannes Schwartz zum Beispiel erkennt, dass die Fotografie ein „schwaches Medium“ ist, weil sie in unserer Medienwelt allgegenwärtig geworden ist und deshalb ihr Bild gebendes Verfahren so durchschaubar wirkt. Das ist für Schwartz paradox, weil die Fotografie eine Dingwelt ins Verhältnis setzt und Wertigkeit schafft. In einem weiteren Schritt rückt Schwartz allerdings vom fotografischen Verfahren etwas ab, und stellt die Frage nach unserem Verhältnis zu den Dingen, die durch Fotografie sichtbar werden: „Glauben wir an die Welt?“ Und an welche?

Die Dingwelt der Gisela Bullacher, Folkwang Universität Essen, wird durch minimalistische Verfahren ermittelt („In Form bringen“). Einen Bungee-Sprung isoliert sie, so dass nur die Schlaufenbewegung des Seils und die Person am Seilende zu sehen sind. Diese Reduktion sorgt dafür, dass der Formcharakter der Aktion sichtbar wird: „Bungee 24_25“ (1998-2003). Eine grundsätzliche Leistung der Fotografie, kaum Wahrnehmbares festzuhalten.

Susanne Brügger von der Fachhochschule Dortmund zeigt die fotografische Aussicht einer Wohnhaussiedlung: nüchterne Farbigkeit mit schwankendem Schärfebereich aus der Werkreihe „Untitled disaster“ (2008). Räumlichkeiten sind hier zu sehen. Brügger fragt nach dem Zusammenspiel von Fotografie und Kartografie. Daneben sind runde Fototafeln (Tondi) ausgestellt, die Ausschnitte aus einer Fotografie wie mit einer Lupe sichtbar machen. Welche Bedeutung wird durch die Form (rund) und die Präsentationsform (Reihung) inszeniert?

Außerdem sind die bewegten Bilder von Koka Ramishvili aus Tiflis (Georgien) zu sehen, die allegorischen Tierbilder von Olivier Richon aus London (Royal College of Art) und die großen Formate von Paul Seawright aus Belfast (University of Ulster), der soziale Wirklichkeiten beschreiben will. Zu den Positionen der Lehrenden werden Arbeitsbeispiele ihrer Studenten gezeigt und als Videoprojektionen vorgeführt.

Auch die Fotografische Sammlung ist ein Ort der Ausbildung. Jährlich werden vier Foto-Stipendien vermittelt. An der Ausstellung „Teaching Photography“ hat die Kuratorenstipendiatin Sandra Starke gearbeitet.

Bis 13. Juni; di – so 10 – 18, fr bis 22.30 Uhr; Tel. 0201 /

Katalog 8 Euro;

http://www.museum-folkwang.de

Quelle: wa.de

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