Im Auftrag der Fifa: 15 Lieder zur Fußball-WM auf „One Love, One Rhythm“

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Jennifer Lopez, Pitbull und Claudia Leitte (von links) singen „We Are One (Ole Ola)“.

Von Ralf Stiftel Früher komponierte Jack White den Schlager „Fußball ist unser Leben“, und die Kicker mussten vors Mikrofon. Längst ist auch die Musik bei einer Weltmeisterschaft eine Angelegenheit für Profis. Schließlich geht es um höhere Werte, um höchste Werte, um jede Menge Profit für die Fifa. Darum gibt es nicht etwa nur ein offizielles Lied zur WM in Brasilien. Sondern eine ganze CD voll, „One Love One Rhythm“ (Sony), 15 Lieder plus zwei Remixe als Bonus-Track. Damit der Real richtig rollt.

Heute gibt es Töne zu jedem Anlass, den „Official 2014 Fifa World Cup Song“, die Official 2014 Fifa World Cup Anthem“, den „Official 2014 Fifa World Cup Mascot Song“, also das Lied zum Maskottchen, und selbst die Brauer der braunen Brause, die das Event sponsern, heuern Aloe Blacc und David Correy an für eine weitere „World Cup Anthem“.

Und weil das alles nicht genügt, richtete die Fifa noch einen Fancontest aus, bei dem ein weiterer Song ermittelt wurde, gesungen von Ricky Martin. Wir warten nun noch auf den offiziellen Pausensong, die offizielle Torfanfare, die offizielle Hymne zum Elfmeterschießen und den offiziellen Pfiff zur Roten Karte. Man sieht, die Kassierer der Fifa haben noch längst nicht alle Geldquellen ausgeschöpft.

Die Musik folgt den Gesetzen des Marktes, und da gilt eine Regel: Mehr ist mehr. Wenn sie den Rapper Pitbull für den offiziellen Song „We Are One (Ole Ola)“ von der Leine lassen, müssen unbedingt noch Jennifer Lopez und Claudia Leitte ein Zeilchen mitträllern. Nicht dass man da irgendeinen Unterschied zu Lieschen Müller hörte, zumal JeLo noch mit mächtig Autotune eingestimmt wird. Aus den Boxen dröhnt ein überproduzierter Schwabbelsound, der nach ersten zarten Gitarrenakkorden von dröhnendem Viererbeat und wuchtigen Stadionchören gebildet wird. Klar, muss sich ja irgendwie nach vielen Fans anhören. Und wer da falsch mitsingt, fällt nicht auf.

Und wenn dann Wyclef Jean feat. Avicii & Alexandre Pires (rein zufällig werden die brasilianischen Interpreten immer zuletzt genannt) „Dar um jeito“ schmettern, sind das zwar ganz andere Noten. Aber es hört sich genauso an. Abgesehen davon, dass zwischendurch Carlos Santana irgendwelche Töne auf der Gitarre spielt, die vor allem nach Santana klingen müssen, damit jeder hört, dass hier Santana mitspielt.

Hier kommt es erstens, zweitens, drittens auf Image an. Darum greift bei Bebel Gilbertos durchaus munterer Version des alten Schlagers „Tico Tico“ auch Lang Lang in die Tasten für irgendein belangloses Geklimper, das jeder halbwegs nüchterne Barpianist ebenso zustande gebracht hätte. Brasilien spielt hier musikalisch gerade so viel mit, dass es den Umsatz nicht weiter drückt. Darum trommelt auf dem Remix von „We Are One (Ole Ola)“ zwar die großartige Sambaschule von Olodum mit, aber aus dem Rechner wird das mit Digital-Percussion planiert, dass das fast nicht auffällt.

Nicht alles ist pompöser Quatsch, die Hymne fürs Maskottchen, „Tatu Bom de Bola“ von Arlindo Cruz zum Beispiel klingt nett. Und „It’s Your Thing“ von den Isley Brothers kommt im Sambagewand überraschend frisch daher. Von dieser eleganten Fusion aus Soul und Samba hätte man gern mehr gehört. Vor allem aber authentische Musik brasilianischer Künstler – Musiker wie Jorge Benjor zum Beispiel haben bereits eine Menge Lieder zum Thema geschrieben. Nichts davon ist hier zu hören. Stattdessen fräst sich wieder so eine Techno-Tussi durch ein schlecht recyceltes „Nananana Hey Hey Goodbye“ (Adelén: „Olé“), und Shakira hat wohl in „La La La“ den Text vergessen.

Quelle: wa.de

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