„Arctic Perspectives“ in der Phönix-Halle Dortmund

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Leichte Unterkunft für den Sommer in der Arktis: Zelt in der Dortmunder Ausstellung „Arctic Perspectives“. ▪

Von Marion Gay ▪ DORTMUND–So sieht man die Welt selten: Die Landkarte zeigt Australien klein und verdreht, auch Europa und die USA sind kaum wiederzuerkennen. Was groß und wild zerklüftet im Mittelpunkt steht, ist die Arktis, vor allem Nunavut, ein Territorium im Norden Kanadas, sechsmal so groß wie Deutschland. Das Land der Inuit.

Der HartwareMedienKunstVerein (HMKV) präsentiert als „Internationale Medienkunstkooperation“ in der Dortmunder Phönix-Halle die Ausstellung „Arctic Perspective“ über aktuelle Entwicklungen in der Arktis. Mit Unterstützung der Europäischen Kommission wollen der HMKV arbeiten Partnerorganisationen aus Slowenien, Großbritannien, Kanada und Island Bewusstsein für die ökologischen und kulturellen Veränderungen in der Polarregion schaffen. Wie Inke Arns, Leiterin des HMKV, erklärt, bietet sich Dortmund als Ausstellungsort an, da von hier aus die Industrialisierung mit ausging.

Seit 2006 betreiben der slowenische Künstler Marko Peljhan, Teilnehmer der documenta 1997, und der kanadische Künstler Matthew Biederman arktische Feldforschung. In mehreren Expeditionen reisten sie durch Nunavut, das aufgrund seiner Rohstoffreserven zum Schauplatz internationaler Machtkämpfe geworden ist. Die Ausstellung verweist auf die Veränderungen etwa durch Klimawandel, neue Technologien und Ökonomie. So wird z. B. ein modernes Kallitaq vorgestellt, ein mit GPS ausgestattetes Schneemobil, mit dem die Inuit zur Jagd aufbrechen und gleichzeitig Informationen über schwindendes Eis an Forschungszentren übermitteln können. Längst haben sich in der Arktis Firmen mit modernster Technologie angesiedelt, wie Fotos zeigen. Zum Alltag gehören unbemannte militärische Flugobjekte, die aus der Luft Daten sammeln. So hängt unter der Decke ein Flugzeugmodell, das mit einer Kamera Bilder aufnimmt, die auf Monitoren zu sehen sind.

Dokumentiert wird auch die Entwicklung einer mobilen Wohn- und Arbeitsstation. Zu diesem Zweck schrieb die API 2009 einen internationalen Architekturwettbewerb aus. Zu sehen sind die drei prämierten Modelle sowie eine Auswahl von Entwürfen. Die Häuser sollten den Ansprüchen moderner Nomaden gerecht werden, also schnell auf- und abzubauen sein, ausgestattet mit umweltfreundlicher Stromversorgung und möglichst gleichzeitig als Fahrzeug dienen.

Ein Problem, mit dem die Bewohner der Arktis konfrontiert sind, ist die Versorgung mit Lebensmitteln. Dadurch, dass nahezu alles eingeflogen wird, sind die Preise hoch, die Nahrung enthält durch die Konservierung wenig Nährstoffe. Hier könnte der Hydrokulturgarten der Firma „GrowNRW“ aus Lünen helfen: Das wandgroße Regalsystem aus Pflanzmodulen ist mobil, spezielle Lampen sorgen für Licht und Wärme, so dass unproblematisch vor Ort Obst und Gemüse angebaut werden kann.

Zum einen zeigt die Ausstellung Perspektiven, zum anderen gibt sie Einblicke in die aktuelle und traditionelle Lebenswelt der Inuit. So ist ein arktisches Sommerzelt aufgebaut, in dem man über Lautsprecher Inuit-Gesängen und landestypischen Geräuschen, wie etwa dem Rauschen eines Bootes über Wasser, lauschen kann. Zu sehen sind Grafiken von Inuit-Künstlern aus den letzten 50 Jahren und in einem kleinen Kinosaal laufen Spielfilme in Inuit-Sprache.

Bis 10. Oktober

mi – fr 15 – 20 Uhr, sa, so 11 – 20 Uhr, Tel. 0231/ 823106,

http://www.hmkv.de. Im Hatje Cantz Verlag erscheinen vier Publikationen zum Thema, Band 1: „Arctic Perspective Cahier No 1: Architecture“ (in engl. Sprache)

Quelle: wa.de

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