Die Arctic Monkeys im Kölner E-Werk

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Alex Turner von den Arctic Monkeys. ▪

Von Frank Zöllner ▪ KÖLN–Am vergangenen Wochenende noch vor mehreren 10 000 Zuschauern beim Hurricane-Festival in Scheeßel und Southside in Neuhause ob Eck als Headliner aufgetreten, war das Konzert der Arctic Monkeys im ausverkauften Kölner E-Werk eher so etwas wie ein Konzert in der Besenkammer.

Dies allerdings in einer Lautstärke, die vermutlich auch für Open-Air-Dimensionen angebracht gewesen wäre. Die Intimität eines Klubkonzertes steht der Band um Sänger und Texter Alex Turner aber ausgezeichnet.

Es wird ein gelungener, 80-minütiger Auftritt mit hoher Intensität. Kunstpausen zwischen den Songs, langatmige oder launige Ansagen: Fehlanzeige. Der kraftvolle Sound ist auch angebracht für den krachenden Opener „Library Pictures“ vom gerade erschienen vierten Album „Suck It And See“ und das mit einem Gitarren-Gewitter aufs Publikum einstürzende „Brianstorm“.

Seinen hohen Grad an Coolness beweist der Pilzkopf Alex Turner bei der deutschen Ansage der aktuellen Single „Don‘t Sit Down ‘Cause I‘ve Moved Your Chair“: „Nicht hinsetzen, denn ich bewege den Stuhl.“ Auf diese Idee wäre sowieso keiner der Anwesenden gekommen. Mit den Liedern vom neuen Album hat die Band aus Sheffield eine weitere Klangfarbe dazu bekommen: vom sommerlichen Kalifornien inspirierte, luftigere Lieder.

Live klingen diese dennoch nach stickigem englischen Jugendklub und dem was junge Leute einer eher tristen Umgebung entgegensetzen: große Energie, ungezügelte Wut und eine Vorliebe für eine Wand aus Krach – und das „Brick By Brick“.

Der hagere Alex Turner in enger Jeans und schwarzen T-Shirt mit einem Hank Williams-Konterfei wirbelt wild herum, schüttelt seine Mähne und Fender Bronco. Ruhende Pole an den Seiten sind Jamie Cooks mit seinen mächtigen, Richtungs- und Tempowechsel einleitenden kunstfertigen Riffs sowie Nick O‘Malleys als Stoiker am Bass. Matt Helders drischt dahinter knallig auf die Drums ein.

„I wanna Rock‘n‘Roll“ singt Turner mehrfach mit seiner tiefer gewordenen Stimme. Und die Arctic Monkey haben jetzt die Möglichkeit, Tempo herauszunehmen – mit „Reckless Serenade“ und „Cornerstone“ befinden sich unverschämt melodiöse 60er-Jahre-Beat-Nummern im Programm. Mit der Stonerrock-Nummer „Pretty Visitors“ entwickelt das schlichte Bühnenbild nur mit einem Vorhang und dann in Orange getaucht zusammen mit den Schattenbildern der Musiker eine räumliche Tiefe, die an die kalifornische Wüste erinnert. Das Konzert ist eine Fahrt durch alle vier Alben der Band seit 2006 – inklusive aller Stiländerungen vom Verarbeiten der eigenen Jugenderlebnisse hin zur Weltgewandheit.

Die Menge nimmt das gerne auf und hüpft entfesselt mit bei „I Bet You Look Good On The Dancefloor“. Auch die Zugaben mit „The Hellcat Spangled Shalala“ und das tolle „Fluorescent Adolescent“ erhöhen noch einmal den Druck in einem Konzert, auf das sich sowohl Fans der Sex Pistols als auch welche von Queen Of The Stone Age einigen können.

Quelle: wa.de

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