Arcadi Volodos eröffnet das Klavierfestival Ruhr

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Ein Festival-Veteran: Arcadi Volodos.

MÜLHEIM - Arcadi Volodos hat die Bedeutung, die das Klavierfestival Ruhr für ihn hat, zur Eröffnung in der Stadthalle in Mülheim in einen Satz gefasst: Seine Karriere umspanne, erklärte er dem Publikum, 20 Jahre, davon sei er über 15 Jahre zum Klavierfestival Ruhr gekommen. Intendant Franz Xaver Ohnesorg überreichte dem 44-jährigen Russen den Preis des Festivals. Mit der Ehrung verbunden ist das Recht, einen Stipendiaten vorzuschlagen.

Für die Auszeichnung bedankte sich Volodos mit einem fast zweistündigen reinen Brahms-Programm. Brahms ist einer der Schwerpunktkomponisten des diesjährigen Festivals, neben Max Reger und Feruccio Busoni. Volodos’ Eröffnung war kein Ohrenschmeichler mit Glanzeffekten zum Einstieg, sondern er sprang direkt in die Materie, legte die Musik dar als Mittel zur Seelen-Erforschung. Derzeit bearbeitet Volodos Brahms in seinen Recitals intensiv, ein Programm mit Thema und Variationen und den Acht Klavierstücken spielte er Anfang Februar im Konzerthaus Dortmund.

Die Acht Klavierstücke opus 76 fächern seinen Brahms-Zugang auf: tastenprankig, wenn nötig, klar in der Linienführung und beinahe karg im Anschlag. Das h-moll-Capriccio gestaltet er, indem er einen strengen Tanzrhythmus markiert. Der Tanz wird unstet, denn Volodos baut kleine dynamische Verschiebungen ein: Krach, da bekommt der Tanz eins mit der Pranke drauf, dann bewegt sich Volodos in wölkchenweiche Pianopassagen. Dabei behält er stets eine Richtung, einen roten Faden. Das ist spannend zu hören. Strenge und Zartheit fasst er in eine Klammer. So bietet er einen hochsubjektiven Brahms an, dessen Strenge gezähmt wird durch geschmeidige Empfindsamkeit. Das gelingt ihm berührend besonders im Mittelteil des A-Dur-Intermezzos. Andere Stücke, etwa das As-Dur-Intermezzo, klingen wie weltabgewandt.

Mitunter verliert er sich in der Seelengründelei, der Klang umwölkt sich, die Linien verlieren Klarheit. Zu hören ist das im Finale der Klavierfassung von Brahms’ Thema und Variationen opus 18. Zu Beginn meißelt er das Thema mit gezähmter Pranke in den Raum, die sanfteren Passagen dienen als Rückbesinnungsort. Im Finale allerdings gibt er die strenge Linie auf zugunsten einem Gründeln im Piano, der Klang wölkt sich ein, er baut einen poetischen Rückzugsraum, gerät dabei aber in Untiefen des ausufernden Pianos, der aufgeweichten Linien.

Man kann Volodos bei seiner Brahms-Bearbeitung bis zu überraschenden Momenten folgen. So spielt er das erste der Drei Intermezzi opus 117, mit seinem Thema wie ein Schlaflied, ins Zwielichtgrau hinein. Zum Schluss gerät ihm eine Figur so markant, das er selbst überrascht scheint und danach besonders sensibel weiterspielt. Dann aber driftet wieder der Klang weg.

Vor allem in den abschließenden Sechs Klavierstücken opus 118, sie spielte er auch beim letztjährigen Klavierfestival, fächert Volodos die Bandbreite seines Könnens auf, zeigt eine Anschlagskultur, die Nuancen zwischen kristallin und unstet, markant und hauchzart aufruft. Besonders die Sechs Stücke sind subjektives Spiel, eigensinnige Miniaturen, denen aber die umfassende Klammer abgeht. Das letzte Intermezzo beginnt mit Tönen, als werfe er Steine in einen Teich. Das Aufbäumen im Mittelteil führt in die Resignation, als er die Akkorde wie Monolithen, vereinzelt im Raum, stehen lässt.

Quelle: wa.de

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