Arbeiten von Yuji Takeoka im Quadrat Bottrop

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Kunst ohne Objekt: Yuji Takeoka zelebriert mit „Trance“ (2010, Kunststein hochpoliert, rot) das Thema Podest in derKunst als Wandobjekt, zu sehen in Bottrop. ▪

Von Achim Lettmann ▪ BOTTROP–Irgendetwas fehlt. Nichts erhebt sich, nichts stellt sich in den Weg, nichts dominiert eine Ausstellungswand im Museum Quadrat. Es schimmert golden hier, rot und schwarz dort. Flache eckige Formen sind auf dem Boden zu sehen, aber es bleibt darüber eine Leere, ein Vakuum im Raum. Warum?

In Bottrop werden 26 Objekte, Skulpturen und Raum-Installationen des japanischen Künstlers Yuji Takeoka präsentiert. „Museo“ heißt die Ausstellung, die ein Thema der modernen Kunst präsentiert: das Podest. Früher brauchte die Skulptur einen Sockel, das Bild einen Rahmen. Heute – seit der Moderne – hat sich das Kunstwerk vom Grenzstein und von der Bordüre befreit. Heinz Liesbrock, Direktor des Museum Quadrat, erinnert an Auguste Rodins Skulptur „Die Bürger von Calais“ (1895). Die Figuren stehen nicht erhaben, der Betrachter begegnet ihnen eher auf Augenhöhe. 1967 legte der US-Künstler Carl Andre flache Metallplatten in einer Galerie aus, und der Betrachter trat sozusagen auf den Sockel einer Skulptur, die mit dem Ort eins geworden war oder unsichtbar.

In dieser Zeit absolvierte Yuji Takeoka ein klassisches Kunststudium in Japan. Nachdem er Werke von Joseph Beuys und Gerhard Richer in Tokio gesehen hatte, die amerikanische Minimal Art und Konzeptkunst kennengelernt hatte, ging er nach Düsseldorf und studierte bei Erwin Heerich und Jürgen Klauke an der Akademie (1973–79). Sein Thema sollte die Autonomie des Sockels werden. „Das ist meine Position“, sagte Takeoka in Bottrop. In Deutschland habe er neu angefangen und eine eigene Position entwickelt. Er macht den Moment des Ausstellens spürbar, weil nichts zu sehen ist. „Shell No. 12“ (2004) ist ein weißer Rahmen mit gleichfarbigen Bildgrund aus Kunststein: edel, offen, schlicht. Daneben ist die „Icebox“ (2007, vergoldetes Messing, hochpoliert) ein Podest an der Wand, in dem sich der Betrachter spiegeln kann. So gegensätzlich sind die Kunstwerke, die Takeoka als klassische Orte für Kunst erkennbar macht. Gearbeitet werden die Oberflächen in Kioto, wo Takeoka geboren ist, und wo die Lackkunst gepflegt wird, glatte Oberflächen in Perfektion zu schaffen, wie bei dem Exponat „Trance“ (2010, Kunststein, hochpoliert). Das ist die japanische Seite im Werk Takeokas. Dabei zählt im fernen Osten diese Technik zur angewandten Kunst, als Teil des Alltags. Takeoka belässt den Sockel in seiner dienenden Funktion, erhebt ihn allerdings als eigene Form mit Hilfe einer Materialbearbeitung, die historisch aus einem anderen Kulturraum stammt.

In Bottrop finden sich fünf Werke Takeokas bei Papierarbeiten von Albers, der seine Farbstudien immer wieder auf das Quadrat bezog. Takeokas „Tenmi“ (1988) weist auf das Ausstellen an sich hin, indem eine quadratische Platte aus Blattgold unter einer Glasvitrine liegt und anstelle des Kunstobjekts selbst aufgrund seines Glanzes zum Schaustück geworden ist. Dass der Freiraum in dieser Arbeit so zurückhaltend, aber werthaltig inszeniert ist, erinnert an den Titel der Schau „Museo“. Takeokas Werk verweist auf das Museum als Ort des Ausstellens und seine 26 Exponate demonstrieren stilvoll und formreich, wie wichtig der Umgang mit dem Kunstvollen ist.

In der heutigen Ausstellungslandschaft tut eine ruhige und gefasste Präsentation gut, die substanzielle Aufgaben des Museums bewusst macht. Am Ort des Ausstellens, werden indirekt und ohne Worte die Kriterien des Auswählens berührt, die sich verändern – gerade in unserer Zeit.

Bis 11.9.; di-sa 11 – 17, so 10 – 17 Uhr; Tel. 02041/29 716, http://www.bottrop.de/mq, Katalog in Vorbereitung

Quelle: wa.de

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