Arbeiten von Olaf Nicolai in der Kunsthalle Münster

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Dekorative Wissenskunst: Blick in Olaf Nicolais Ausstellung „The Pecock with his long train“ in Münster ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–Ein weicher grauer Teppich dämpft die Schritte, riesige graue Stoffbahnen teilen die Ausstellungshalle in lauschige Nischen. Olaf Nicolais großräumige Installation „The peacock with his long train appears more like a dandy than a warrior, but he sometimes engages in fierce contests“ verwandelt die Kunsthalle Münster in einen heimeligen Raum, der an ein Möbelhaus erinnert. Der Titel ist ein Zitat von Charles Darwin, entnommen aus seinem Buch „The Descent of Man and Selection in Relation to Sex“ von 1871.

Nicolai, der 1962 in Halle an der Saale geboren wurde und seit 2011 Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München ist, untersucht in seinen Arbeiten die sinnliche Wahrnehmung. Wie beeinflussen alltägliche Dinge wie Teppiche und Vorhänge unser Empfinden? Was macht Farbe mit uns? Dabei bezieht sich der Künstler unter anderem auf Goethe, der in seinem Werk „Zur Farbenlehre“ Farbphänomene untersuchte.

Seine Installation entlarvt das Trügerische der Farbenpracht der Pfauenfedern. Denn tatsächlich sind die Federn solange grau, bis sie vom Licht getroffen werden. Natürlich brauchen sie einen Betrachter, dessen Augen das Farbenspiel wahrnehmen. Die sieben jeweils acht Meter langen und drei Meter hohen Seidenvorhänge „Yeux de Paon“ (2008) tragen das wunderschöne, sich rhythmisch wiederholende Pfauenaugen-Muster, allerdings ohne die typischen Farben, lediglich in Grauschattierungen. Mit dem Teppich „Baku“ (2012) schaffen sie in der für gewöhnlich kargen, industriellen Ausstellungshalle eine wohnliche Atmosphäre. Zusätzlich finden sich in den neu entstandenen Séparées niedrige Tische voller Bücherstapel. Die 400 Bücher changieren in den Farbtönen zwischen Gelb, Grün und Blau. Die Farben der Pfauenfedern.

Warum hat der Pfau überhaupt diese schönen Farben? Selbst Darwin fand dafür keine wirkliche Erklärung. Um Aufmerksamkeit zu bekommen? Um das andere Geschlecht zu beeindrucken? Damit unterstellen wir den Tiere ästhetische Wahrnehmung, einen angeborenen Sinn für Schönheit.

Grell weiße Neonbuchstaben reflektieren den Titel der Ausstellung und führen in einen vollkommen dunklen Raum. Hier flimmert der Film „À la cantonade“ (2012), der eigentlich kein Film ist, da Nicolai sämtliche Bilder getilgt hat. Ursprünglich war es ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 1969, in dem eine Gruppe Studenten die ungarische Revolution von 1918 thematisiert. Jetzt ist nur eine schwarze Leinwand zu sehen, auf der englische Untertitel eingeblendet werden. Stimmen sind zu hören, Geräusche von Schritten und Schüssen. Dazu gibt eine ruhige Stimme Regieanweisungen in der Art von: Jemand überquert die Straße, der Wind bewegt seinen Mantel. Und schon sind die Bilder wieder da. Nicht sichtbar. Aber im Kopf des Zuhörers. Unweigerlich und absolut subjektiv. Eben sinnliche Wahrnehmung.

Bis 30.9.,; di – fr 14 – 19, sa, so 12 – 18 Uhr,

Tel. 0251/ 49 24 100

http://www.muenster.de/stadt/ausstellungshalle

Quelle: wa.de

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