Arbeiten der japanischen Textilkünstlerin Aiko Tezuka im Kunstverein Dortmund

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Textilien entfalten einen Rhythmus, wenn Aiko Tezuka sie bearbeitet. Diese Arbeiten sind in Dortmund zu sehen.

Von Marion Gay DORTMUND - Auf der einen Seite ist es ein transparenter, heller Vorhang. Filigrane Motive sind rot darin eingestickt. Knoten und Blumen, Menschen, Häuser und Landschaften. Spannender allerdings ist die Rückseite: Hunderte roter Fäden führen von den Stickereien zur Decke, bündeln sich dort zu einem Strang und laufen zurück zum Boden, münden in eine Art See aus Fadenresten.

Das luftige Gebilde wirkt wie ein feingesponnenes Zelt. Die raumgreifende Installation „Thin Membrane, Pictures Come Down” (2009) von Aiko Tezuka ist erstmals in Deutschland zu sehen. Präsentiert wird sie vom Dortmunder Kunstverein in den neuen Räumen am Dortmunder U. Außerdem sind fünf aktuelle Arbeiten der japanischen Künstlerin zu sehen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW e.V., die sich für Opfer aus Fukushima einsetzt. Der Erlös der eigens für die Hilfsorganisation angefertigten Fotodrucke geht zu 30 Prozent an Feriencamps für strahlenbelastete auf der Insel Okinawa.

Die Arbeiten der 1976 in Tokio geborenen, in Berlin lebenden Künstlerin widmen sich der Kunst- und Textilgeschichte. Sie stickt Motive auf gekaufte Textilien oder trennt in Handarbeit industriell gefertigte oder auch von ihr selbst designte Stoffe in einzelne Fäden auf. So zum Beispiel die beiden buntgemusterten Schals, die nebeneinander an der Wand wie geöffnete Fenster wirken. Tezuka kaufte sie bei H&M und löste auf der einen Seite die roten Fäden, auf der anderen die blauen Fäden aus dem Material heraus. Der Stoff wird dadurch fadenscheiniger, verletzlicher.

Eine kleinformatige Textilarbeit zeigt ein eingesticktes Bild von einer Operation. Hände sind zu sehen und eine lange Nadel, angedeutet mit Bleistiftlinien ein zartes Geflecht wie von Adern. Tezuka vergleicht ihre Technik der Dekonstruktion und Rekonstruktion von Stoffen mit Operationen. Behutsam seziert sie das Material auf der Suche nach seinen Geheimnissen. So klaffen in den drei gewebten Arbeiten von 2014 Stellen auf, an denen die Fäden herausgelöst dicht nebeneinander offenliegen. Das sieht aus wie eine Wunde inmitten der blauen oder roten Ornamente, die auf den ersten Blick wie traditionelle Blumenmuster wirken. Erst auf dem zweiten Blick erkennt man etwa das Recycling-Symbol, das @-Zeichen oder den Visa-Schriftzug. Die Stoffe designte Tezuka am Computer, gewebt wurden sie in der Werkstatt des Textilmuseums Tilburg in den Niederlanden.

Eröffnung heute 19 Uhr

Bis 9.11., di – fr 15 – 18, sa, so 11 – 16 Uhr; Tel. 0231/ 578736;

www.dortmunder-kunstverein.de

Quelle: wa.de

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