Arbeiten von Horst Becking im Fritz-Winter-Haus

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Leuchtende Landschaften: Horst Beckings Keramik „Sonnenland“ ist in Ahlen zu sehen.

Von Marion Gay AHLEN - Das Blau rinnt von der Spitze des Berges, verliert sich im Gelb. Den Himmel begrenzt eine Linie aus Blau, Gelb und Orange. Das Bild von 2013 (ohne Titel) zeigt kaum mehr als Farbe und die angedeutete Form eines Berges und doch erzählt es von sommerlichen Landschaften.

Unter dem Titel „Eine Reise ohne sich fortzubewegen“ präsentiert das Fritz-Winter-Haus Ahlen rund 80 aktuelle Gemälde, Grafiken und drei keramische Arbeiten von Horst Becking. Nach 2000 und 2003 ist es bereits die dritte Einzelausstellung des Hagener Künstlers in diesem Forum.

Besonders fällt das Gelb auf: Eine orange-gelbe Sonne, ein zitronengelber Busch, ein eidottergelber Berg. Oft setzt Becking ein kräftiges Blau dagegen, etwa als Nachthimmel oder Gewässer. Dabei sind seine Landschaften formal auf das Äußerste reduziert. Alles scheint südlich und sommerlich. Mallorca, Kreta, Griechenland? Die Berge und Hügelketten lassen sich nicht näher lokalisieren.

Becking reist viel und schöpft aus seinen Reiseerinnerungen. Die kleinformatigen Landschaften wirken wie Tagebuchaufzeichnungen, man meint, denselben Berg zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterverhältnissen wiederzuerkennen. Das Motiv ist fast identisch, die Stimmung immer ein bisschen anders.

Der 1937 geborene Künstler benutzt gern gefundene Materialien als Malgründe wie etwa die sogenannten „Baschen“. Das sind grobe Leinenplanen, die Spuren ihrer früheren Verwendung als LKW- oder Marktstandplane zeigen, Flickstellen, Nähte oder Lochungen haben. Auch antiquarische Handschriften und Notenblätter inspirieren ihn. „Blumen blühen und (…) Melodien tönen …“ ist etwa in gestochen scharfen Buchstaben auf einer alten Handschrift zu lesen, über die Becking einen knallorangenen Berg mit orangener Wolke gemalt hat (ohne Titel, 2010). Wie Erinnerungen sich mit der Zeit überlagern und von neuen Eindrücken überdeckt werden, fügt der Künstler den alten Aufzeichnungen frische Bilder hinzu. Im Landschaftsgemälde von 2012 ist die Sepiaschrift unter der weißen Farbe zwar sichtbar, aber nicht mehr lesbar. Das wirkt geheimnisvoll, man versucht zu entziffern, schnappt nur Fragmente auf.

Dagegen strotzen die Keramikarbeiten nur so vor Lebenslust und Energie. Die Arbeit „Sonnenland“ etwa zeigt ein weißes Segel oder einen spitzen Berg auf einem rot-orangenen Ozean voll mit weiß-gelben Sprenkeln. Die Ferienstimmung ist nahezu greifbar.

Becking, der an der Kunstakademie Düsseldorf unter anderem bei Joseph Beuys studierte, widmet sich auch der Gestaltung von Büchern und hat bisher zehn Künstlerbücher geschaffen, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind. Sie sind voll von poetischen Landschaften, die immer eine spielerische Leichtigkeit ausstrahlen.

Bis 31.8., di, mi, sa 15 – 18, so 11 – 18 Uhr

Tel. 02382/ 61582,

www.fritz-winter-haus.de

Quelle: wa.de

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