Arbeiten von Heide Weidele im Kunstverein Lippstadt

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Farbenfroh blüht das Plastik: Eine „Seerose“ von Heide Weidele, zu sehen im Kunstverein Lippstadt. ▪

Von Andreas Balzer ▪ LIPPSTADT–Von Müll spricht man nicht mehr so gerne. Lieber von „Wertstoffen“, die man nur dem Produktionsprozess wieder zuführen muss, um neue hochwertige Produkte zu gewinnen. Eine ganz andere Veredelung industrieller Überbleibsel betreibt Heide Weidele, die ihre „Lüster und Seerosen“ beim Kunstverein Lippstadt ausstellt.

Die Frankfurter Künstlerin hat vier Installationen geschaffen. Als Ausgangsmaterial dienen ihr Plastikmüll und Billigprodukte: Spülmittelflaschen, Küchensiebe, Kleiderbügel und Hula-Hoop-Reifen, aber auch Kunststoffreste aus der Scheinwerferproduktion des Lippstädter Automobilzulieferers Hella.

Diese „armen“ Materialien vereint Weidele zu überbordenden, wild wuchernden Kunstwerken. Zwei gewaltige kronleuchterähnliche Objekte hängen von der Decke, das Gegenstück bilden zwei Arbeiten mit sich auf dem Boden ausbreitenden „Seerosen“. Das Licht spielt dabei eine zentrale Rolle. Es durchdringt die transparenten Materialien, spiegelt und fängt sich in ihnen. In einen „Lüster“ sind Leuchtelemente auch direkt integriert.

Ganz neu ist die Idee sicherlich nicht. Seit Marcel Duchamp sind vorgefundene Alltagsgegenstände aus der Kunst nicht mehr wegzudenken. Doch bei Weidele erstrahlt das Billige, Profane und Schäbige in neuem Glanz. Ihre Kunst ist weniger subversiv als spielerisch und schwelgt in den Möglichkeiten, die der Raum und das Material zu bieten haben. Eine andere Tonart schlägt die Außenarbeit „vis-à-vis“ an, die Weidele im Rahmen des vom Kultursekretariats NRW Gütersloh initiierten Kunstprojekts „Blickwechsel“ realisiert hat. Die Aufgabe war es, durch kleine Eingriffe im öffentlichen Raum den Blick auf eine scheinbar vertraute Umgebung zu verändern.

Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein (aber unabhängig von der Galerie-Ausstellung) rückt Weidele eine unscheinbare Hauswand gegenüber der Stiftsruine in den Blickpunkt. Selbst die meisten Lippstädter dürften nicht mehr wissen, dass es sich um die Westwand der ehemaligen Synagoge handelt, die in der Pogromnacht des 9. Novembers 1938 niedergebrannt wurde. Die Künstlerin hat die Mauer großflächig mit weißer Farbe bestrichen. Das eigentliche Bild entsteht durch die Aussparungen, die die Form einer Menora (siebenarmiger Leuchter) und einer Mandelblüte haben.

Weideles Arbeit erinnert daran, dass diese eher trostlosen Stelle einst ein festlicher, spiritueller Ort war.

Eröffnung so, 11.30 Uhr, bis 7.11., di, do, fr 16 – 19, mi 16 – 21, sa, so 11 – 13 Uhr,

Tel. 0 29 41 / 7 87 13,

http://www.kunstverein-lippstadt.de

Quelle: wa.de

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