Anbau für das Ikonen-Museum Recklinghausen

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Blickfang: Das goldglänzende neue Treppenhaus am Ikonen-Museum in Recklinghausen ▪

Von Ralf Stiftel ▪ RECKLINGHAUSEN–Drei Stockwerke hoch strahlt der Beschlag aus einer Kupferlegierung an dem Haus am Rande der Fußgängerzone von Recklinghausen, gegenüber der Propsteikirche St. Peter. Der goldene Glanz soll locken: ins Ikonen-Museum. Selbst viele Bewohner der Stadt kennen den einzigartigen Schatz nicht, der hier verwahrt wird. Das größte Museum für ostkirchliche Kunst außerhalb der orthodoxen Länder liegt im Ruhrgebiet. Anderthalb Jahre lang war es geschlossen, weil es einen Anbau erhielt. Der ist nun fertig, die Goldkiste hinter dem ursprünglichen Gebäude.

Dringend notwendig sei die Maßnahme gewesen, erläutert Ferdinand Ulrich, Direktor der städtischen Museen. Mit 770 000 Euro, vor allem aus dem Konjunkturpaket des Bundes, wurde im Anbau ein neues Treppenhaus geschaffen. Nun gibt es einen Aufzug, das Museum ist jetzt barrierefrei. Besonders für die Zielgruppe ist das wichtig, viele ältere Leute interessieren sich für Ikonen. So verschwanden auch die Treppenstufen am Haupteingang, die den Besuch für Rollstuhlfahrer früher unmöglich machten.

Natürlich ist der Anbau, geplant von Detlef Wiegand, auch ein Hingucker, der Neugier wecken soll. Der Architekt hat sich dabei den Oklad als Anregung genommen, eine durchbrochene Platte aus Silber oder Messing, die oft Ikonen als Schutz verhüllt. Innen sind die Wände aus Sichtbeton, ihre horizontale Struktur nimmt die Formsprache von Ostkirchen auf. Schöner Nebeneffekt: Die Treppe im eigentlichen Museum wurde überflüssig, so dass zwei zusätzliche Räume für Wechselausstellungen entstanden.

Die erste entstand in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Byzantinistik der Universität Münster: „Gold und Blei“. Michael Grünbart und seine Studenten untersuchten byzantinische Objekte aus dem Archäologischen Museum in Münster und aus Privatsammlungen, Pilgerampullen aus Blei, goldene Münzen, Siegel und Kreuze.

Eva Haustein-Bartsch, Kustodin des Ikonen-Museums, hofft auf steigende Besucherzahlen. Bislang besuchen Fachleute und Kenner aus aller Welt das Haus, nur in der Region ist es wenig bekannt. Das Museum entstand 1956, nachdem der damalige Leiter der Kunsthalle, Thomas Grochowiak, nach einer Ikonen-Ausstellung spontan zwei Privatsammlungen kaufte, die ihm angeboten wurden. Er legte den Grundstein für das heute im Westen einmalige Institut. Ein Glücksfall, dass zu der Zeit gerade die ehemalige Turmschule leer stand, ein klassizistischer Bau aus dem Jahr 1795. Seinerzeit waren die Preise für Ikonen auf dem Kunstmarkt niedrig. Heute wächst die Sammlung eher durch Schenkungen und Vermächtnisse. Immerhin 3000 Stücke verwahrt das Haus, nicht nur Ikonen, sondern auch andere Sakralobjekte wie eine prächtige geschnitzte Wand aus einer griechischen Kapelle, entstanden im 18. Jahrhundert, ein Templon, dazu Kerzenleuchter, sakrale Gewänder, Holz- und Metallarbeiten. Einzigartig ist auch, dass in Recklinghausen Ikonen aller Schulen gezeigt werden, während andere Häuser stets entweder russische oder griechische präsentieren. Hinzu kommt eine Auswahl an koptischen Objekten, Zeugnissen des frühen Christentums aus Ägypten.

Die Sammlung wird neu präsentiert. Rund 300 Exponate sind ausgestellt, nicht nach Schulen oder chronologisch sortiert, sondern nach Themenkreisen, zum Beispiel Festtagsikonen oder Ikonen von bestimmten Heiligen. Zu den kostbarsten Stücken zählen das „Entschlafen der Gottesmutter“, eine ukrainische Ikone aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert, und eine „Hadesfahrt Christi“ aus dem 16. Jahrhundert. Ganz selten kann man den Maler einer Ikone nennen. Eine „Muttergottes der Passion“ aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert wird dem kretischen Meister Andreas Ritzos zugeschrieben.

di – so 11 – 18 Uhr, Tel. 02361 / 50 19 41, http://www.kunst-re.de,

Ausstellung Gold und Blei bis 21.10., Katalog 19 Euro

Quelle: wa.de

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