Alvin Ailey American Dance Theater in Kölner Philharmonie

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Eleganz und Anmut: Der Pas de deux „Fix Me, Jesus“ aus „Revelations“, hier mit Linda und Glenn Sims, wird vom Alvin Ailey American Dance Theater in Köln gezeigt. ▪

Von Achim Lettmann ▪ KÖLN–Wenn das Alvin Ailey American Dance Theater auf Tour geht, halten Fans kurz den Atem an. Kraftvoller, perfekter und eleganter wird zeitgenössischer Tanz von keiner Formation verkörpert. Die Company demonstriert, wie die Kultur des schwarzen Amerikas mit dem Modern Dance verbunden ist. Neben dem Kernstück Alvin Aileys, den „Revelations“ (1960), werden aber auch immer neue Choreografien präsentiert.

Es geht um Tänze, um kleine Szenen, um Tanzbilder und Soli, die zeitweise ins Repertoire des Alvin Ailey American Dance Theater (AAADT) aufgenommen werden. In der Kölner Philharmonie beginnen die mehrteiligen „Lovestories“ mit einem Prolog. Ein Solist im grauen Sweatshirt zeigt, wie sehr eine tänzerische Bewegung, eine Figur aus der Tiefe einer inneren Stimmung herrührt. Ganz profan wird der Tanz als Ausdruckmittel des eigenen Ichs entdeckt. Das wirkt leicht und ungezwungen, obwohl der Auftakt zum dreiteiligen Abend auch programmatisch von den Motiven des US-Choreografen Alvin Ailey (1931-89) erzählt. Momente des Alltags zählen dazu, wenn junge Menschen sich begegnen und ihren Übermut rauslassen: feistes Imponiergehabe, kesse Umdrehungen und fesche Pärchenbildungen schnell und heiß, wie auf dem Asphalt; das ist Tanz, der von der Straße kommt – aus dem Leben.

Aus der schwarzen Community. Und auf dem schlichten Bühnenkarree in der Kölner Philharmonie werden zur Musik Stevie Wonders afro-amerikanische Gesellschaftstänze skizziert. Elektronische Rhythmen zwingen die Tänzer zu Körper(teil)verschiebungen, die an Roboter erinnern. Sie arbeiten mit Bewegungsmodulen, stakkatoartig, aber sie imitieren keine Maschinen.

Wie reagieren Tänzer auf Veränderungen? Mit dem Choreografen Rennie Harris hat das AAADT einen Spezialisten für HipHop engagiert. Die Musik- und Tanzsprache einer jüngeren Generation schwarzer Amerikaner wird hier mit dem Modern Dance verbunden. Es gibt keine krassen Drehungen, keine Loops oder Breakdance-Nummern. Aber der HipHop ist zur Alltagskultur geworden. Mit schnellen, kurzen Bewegungen, die in Freizeitschuhen und von den Tänzerinnen in weißen, orangenen und gelben Tops präsentiert werden, schafft dieser Tanz mit Tap-Schritten und viel Individualität ein quirliges Gesellschaftsbild. HipHop hat zu den karibischen und westafrikanischen Einflüssen in der Tanzkultur aufgeschlossen.

Die Choreografie „The Hunt“ von Robert Battle ist dagegen eine strenge muskulöse Einheit. Sechs Tänzer in schwarzen Hosenröcken gehen zu dunklen Trommelschlägen aufeinander los. Anfangs treibt sie der gemeinsame Impuls zu jagen an. Eine ursprüngliche Erregung, die von den Tänzern nahezu greifbar verströmt wird. Die Choreografie zeichnet sich dann durch dichte Körperlichkeit aus. Der Tänzer ringt die Arme voreinander, folgt der eigenen Bewegung nach vorn und sinkt dabei nieder, um sich rücklings unter den gespreizten Beinen des folgenden Tänzers durchzuschieben – und zurückzukehren. Eine Endlosfigur, wie der ewige Kampf selbst, den „The Hunt“ mit Impulsen aus dem traditionellen Sport verbindet. Die Verlierer werden an einem Arm davongezogen. Dann stehen sie wieder zusammen im Lichtkreis, ordnen sich wie Gladiatoren, denen nichts anderes bleibt – kämpfen. Schmerzen, Verletzungen und der Tod sind eindrücklich und wuchtig getanzt. Das Publikum bejubelte diese Choreografie.

Den „Revelations“ mit seinen anmutigen und eleganten Tanzbildern geht ein Film zum Werk Alvin Aileys voraus. Es soll gezeigt werden, dass Ailey den Rassismus kennen gelernt hatte und im Tanz die Schönheit und Intelligenz der schwarzen US-Amerikaner feiern wollte. Auch an ihre Frömmigkeit wird in Köln mit Gospelmusik erinnert und mit hinreißenden Sittenbildern vom Taufritual am Bach, von der Härte des Lebens und von Mann und Frau.

Quelle: wa.de

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