Alison Balsom gastiert in der Philharmonie Essen

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Alison Balsom

Von Elisabeth Elling ▪ ESSEN–Das muss man ihr zugute halten: Alison Balsom hat kein Programm gewählt, um messingstrahlend aufzutrumpfen. Die britische Trompeterin spielt in der Essener Philharmonie barocke Werke, die nur selten schmetternde Virtuosität fordern, stattdessen verhaltener, sanglicher von ihr angegangen werden. Das Publikum weiß das zu schätzen und feiert die Musikerin. Zunächst für Tomaso Albinonis B-Dur-Concerto (op. 7 Nr. 3), ursprünglich für Oboe geschrieben: Im Adagio bläst Balsom einen inwändig gewölbten Klang, als wolle sie den Holzton imitieren.

Vivaldis D-Dur-Concerto (RV 230) hat sie selbst für Trompete bearbeitet. Hier gerät die Balance zwischen ihrem dominanten Instrument und den I Musici di Roma mit ihren wunderbaren historischen Streichinstrumenten ins Wackeln: Der Soloviolinist muss den Ton forcieren, und so weichen das filigrane Strahlen und die pludrige Leichtigkeit, die den Klang des Kammerensembles sonst auszeichnen, einem Kräftemessen. Daran ändern auch die Triller und Arabesken wenig, mit denen Balsom ihren Part verschnörkelt.

Das Essener Publikum begeistert sich für Alison Balsom, die auch in der Händel zugeschriebenen D-Dur-Suite für Trompete und Streicher eine adrette und leichtgängige Interpretation abliefert. Ein ebenso graziler wie braver Kontrast zum pausbackigen Maurice André, der gut eine Generation zuvor dieses Repertoire regelrecht pfefferte. Alison Balsom scheint jedoch der Exotinnen-Status, den sie auf dem Musikmarkt mit ihrem Instrument genießt, zu genügen. Der Marketingerfolg gibt ihr Recht: Neben einigen Preisen (darunter ein Echo 2007) verbucht sie Auftritte bei den Last Nights of the Proms der BBC.

Wie ein Barock-Concerto trotz strenger Kompositionsformeln zu erregender Musik aufgeladen werden kann, ist in Essen aber auch noch zu erleben: seufzerische Affekte, virtuose Spiegelfechtereien, manierliche Tutti. Mit dem exaltierten Concerto grosso Nr. 12 von Francesco Saverio Geminiani sorgen I Musici di Roma für einen bravourösen Schlusspunkt.

Quelle: wa.de

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