Alexander Klaws begeistert in Dortmund als „Jesus Christ Superstar“

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Eine poppige Auslegung des Evangeliums: Alexander Klaws spielt im Dortmunder Musical „Jesus Christ Superstar“ die Titelrolle.

Von Ursula Pfennig DORTMUND - Die Menge feiert und verehrt ihn, sie überrollt und verhöhnt ihn, und schließlich fordert sie seine Kreuzigung. „Jesus Christ Superstar“, in Dortmund verkörpert von DSDS-Gewinner Alexander Klaws, durchlebt und durchleidet in seinen letzten Tagen in letzter Konsequenz, was die von ihm selbst mobilisierten Massen bewirken können.

Andrew Lloyd Webber war erst 21 Jahre alt, als er „Jesus Christ Superstar“ 1971 auf den Broadway brachte, Librettist Tim Rice wenig älter. Es ist eine Rock-Oper voller Wut und Kraft, und die reißt im Stadttheater Dortmund auch das Premierenpublikum beim Schlussablauf von den Rängen. Die Inszenierung stammt von Gil Mehmert, der in Hamburg jetzt beim Musical „Das Wunder von Bern“ Regie führte. Die Inszenierung wurde bereits in Bonn aufgeführt, allerdings ohne Alexander Klaws.

Die Band unter der Leitung von Jürgen Grimm ist über der schwarzen Bühne platziert, die von Beatrice von Bomhard als Arena gestaltetet wurde. Gesprochen wird nicht, auch nicht viel getanzt. Balladen, Rock- und Soul-Arien wechseln mit großen Chor- und Ensemblenummern. Es wird Englisch gesungen. Übertitel erleichtern es, der Passionsgeschichte aus der Perspektive von Judas zu folgen.

Laut und rockig peitschen die Rhythmen die Jesus-Anhänger auf. Die bunte Schar ist Hippie- und Gothic-Klamotten gekleidet, aber auch Lederjacken, Ballonseide-Jogginghose und Kopftücher fehlen nicht. Die Situation ist zerfahren und gefährlich. Jesus ist überfordert, Judas warnt ihn, Maria Magdalena verführt ihn.

Mit der Verpflichtung von Alexander Klaws in der Titelrolle gelang Dortmund ein Glücksgriff. Klaws gewann die erste Staffel der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ und danach „Let’s dance“ beim selben Sender. Er überzeugt nicht nur gesanglich. Seine Ballade als zweifelnder Jesus im Garten Gethsemane gehörte zu den Höhepunkten des Abends. Auch als Schauspieler übermittelte er mit großer Präsenz und Ernsthaftigkeit das Leiden Jesus.

Doch Klaws ist nicht der einzige großartige Solist in dieser Aufführung. David Jakobs gibt einen Judas, der rasend vor Zorn und Sorge Jesus an manchen Stellen auch gesanglich fast in den Schatten stellt. Welch eine Wucht, als die beiden beim Abendmahl ungebremst aufeinander losgehen! Patricia Meeden, bekannt aus „Sister Act“, ergänzt die Starriege. Umwerfend schön und sexy bietet sie Jesus als Maria Magdalena eine intime Ruhestatt im Trubel der öffentlichen Unruhen. Auch ihr Stimmvolumen ist betörend. Allerdings leidet die emotionale Ausstrahlung unter dem manchmal etwas affektiert wirkenden Gestus.

Ein würdiger Gegenspieler ist Mark Weigel als Pontius Pilatus. Meisterhaft arbeitet er die Nuancen dieses vielschichtigen Charakters heraus, der mal als Verbündeter der Macht, mal als schleimiger, ironischer Moderator und mal als drogensüchtiger, zerbrechlicher Zweifler auftritt. Der Bass Hans Werner Bramer verleiht der Macht der Hohepriester als Kaiphas seine dunkel bedrohliche Stimme, und Hannes Brock verhöhnt Jesus als Herodes-Clown mit Revuegirls und Cheerleaders.

Während im ersten Teil der zweistündigen Aufführung das Zusammenspiel teilweise noch etwas zerfahren wirkt, nimmt die Premiere im zweiten Teil richtig Fahrt auf. Nicht nur die Konflikte spitzen sich zu, auch die Regieeinfälle arbeiten das Spannungsfeld zwischen dem blutrünstigen Sturm der Öffentlichkeit und den verzweifelten Menschen im Brennpunkt – Jesus, Judas, Maria und auch Pilatus – schmerzhaft deutlich heraus, bis das Ganze in einer Kreuzigung am beleuchteten Kreuz aus Plexiglas kulminiert.

24.10.,, 1., 9., 15., 23., 30.11., 5., 11. 17., 25.12.;

Tel. 0231 / 50 27 222, www.theaterdo.de

Alexander Klaws spielt in 14 von 17 Aufführungen die Titelrolle

Quelle: wa.de

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