Alexander Ekmans Choreografie „Ein Mittsommernachtstraum“ in Dortmund

Wilde Heuernte im „Mittsommernachtstraum“ des Dortmunder Balletts. Foto: ©Leszek Januszewsk

Dortmund – Ihr schwarzes Tutu steht steif ab wie ein Sägeblatt, sie steigt auf die Fußspitzen und lässt sich dann mit großer Geste anheben Eine pathetische Pas-de-deux-Figur, vielleicht ein wenig überspreizt ausgeführt, aber anders kann sie den Hering nicht greifen, der vor ihr auf dem Boden zappelt. Eine klassische Hebefigur als brauchbare Methode zum Fischefangen: Alexander Ekmans „Mittsommernachtstraum“ geht nicht zimperlich mit Traditionen um.

Seine Choreografie, 2014 in Stockholm uraufgeführt, ist jetzt in Deutschland zu sehen: ein ansehnliches und vergnügliches Tanzstück über schwedische Festbräuche in der kürzesten Nacht des Jahres. Und (wenn auch nur oberflächlich) über die irrationalen Untergründe der Enthemmungen in diesen Juni-Stunden. Die Erstaufführung am Samstag im Dortmunder Opernhaus wurde gefeiert, auf der Bühne und im Zuschauerraum.

Der erste Teil des Abends ist folkloristisch dekoriert mit Schwedenfahne samt Gebläse, Schnaps, „Skål!“ und Sackhüpfen. Eine Mittsommerstange wird aufgefahren, um die Rundtänze kreiseln, wo eine Picknickdecke partout nicht glatt liegen will und der Grill qualmt. Ekman beherrscht nicht nur die komischen und grotesken Effekte. In einen Wald mit Birkenstämmen, die von der Decke hängen (Bühne: Ekman), lässt er einen Pas de deux zum Atemanhalten tanzen. In Zeitlupe (und entsprechender Körperspannung) zelebrieren Daria Suzi und Francesco Nigro einen Liebeswunsch, den Sopranistin Hannah Tolf auf innige Sphärenklänge bettet. Die Live-Musik (vier Streiker, Klavier und Percussion im Bühnenhintergrund) komponierte Mikael Karlsson.

Einmal stampfen die Tänzer Strawinskys beißenden „Sacre“-Rhythmus, da geht es um Gruppenprozesse, um Aggression und Ausstoßung. Wie Raupen laufen sie dann in zwei breitbeinigen Reihen aufeinander zu (die Dortmunder Compagnie hat sich aus dem NRW Juniorballett verstärkt), Blubberlaute verwandeln eine andere Szene in einen amphibischen Chorus. Im Stroboskop-Gewitter wird der Träumer (Filip Kvacak) heimgesucht von riesigen Fischen, Koboldschatten und kopflosen Männern, die sich in einer Art Luftkampf eifersüchtig ohrfeigen. Drei Riesen und ein Zwerg kommen direkt vom Feld, wo in der ersten Szene Heu gemacht wird: Büschel fliegen wie Flammen, Tänzerinnen tauchen bäuchlings ein wie in Wasser, die Luft ist staubig – aber garantiert antiallergen.

27., 28. Februar; 8., 20, 28. März; 3., 15. Mai, 5.; 24. Juni Tel. 0231/5027222

www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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