Affenbilder von Friedefrau Deutsch im Museum Abtei Liesborn

Von Marion Gay ▪ LIESBORN–Der Affe hat einen Vogel. Einen kleinen schwarzen, der ihm übermütig auf dem Kopf herum tanzt. Den Affen scheint‘s nicht zu stören. Der großformatige Druckstock gehört zur Ausstellung „Affe – Vogel und ICH“ der Künstlerin Friedefrau Deutsch, zu sehen im Museum Abtei Liesborn. Die rund 50 Arbeiten, darunter Ölgemälde und Holzschnitte, Skulpturen und eine Installation, stammen aus den letzten drei Jahren.

Friedefrau Deutsch ist der Künstlername von Inge König-Gausepohl, die 1957 in Neheim-Hüsten geboren wurde und heute in Detmold lebt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten steht der Affe. Ölgemälde zeigen ihn auf Hirschen reitend („Affe – Hirsch und ich“) oder mit Menschenpüppchen spielend („Ich will nur spielen“). Hier tobt sich die Künstlerin mit den Farben aus, lässt Rot und Blau aufeinander krachen, wenn etwa die Affen in Knallrot leuchten, kräftig blaue Linien die Formen umranden. Schreiend farbintensiv auch die Gipsskulpturen, wie der blau bemalte Kopf „Großes Affen Ich“. Etwas ratlos scheint der Affe die Bilder um sich herum zu betrachten. Paarweise sind Affen und Menschen zu sehen. Gegenübergestellt kann es leicht zu Verwechslungen und Irritationen kommen. Wie bei den beiden Bildern „Mensch – Affe/ Affe - Mensch“ : Der Mann kauert am Ufer und betrachtet sein Spiegelbild, aber aus dem Wasser schaut ihm ein Affe entgegen. Ein Stück weiter das gleiche Spiel, nur umgekehrt: Der Affe erblickt im Wasser einen Menschen. Und die roten Porträts von Affen und Menschen lassen starke Ähnlichkeiten erkennen, die Übergänge vom einen zum anderen scheinen fließend.

Das Medium Holzschnitt erlaubt dagegen keine Übergänge. Ausgestellt sind hier nicht die Drucke, sondern die circa ein mal zwei Meter großen Druckstöcke. Es sind schwarz-weiße Reliefbilder mit klaren, prägnanten Formen, wunderbar kraftvoll. Zu sehen ist zum Beispiel ein Affe, dem lauter kleine Menschen im Kopf herum spuken. Auf der gewölbten Stirn sitzt ein Vogel. Ein anderer Affe hält den Arm lang ausgestreckt, zwischen Hand und Auge klemmt ein Mensch. Was ist hier der Maßstab: der Mensch oder die Armlänge des Affen? Das Bild bringt das Thema von Friedefrau Deutsch auf den Punkt. Nahezu alle Arbeiten stellen die Frage nach der Rolle des Menschen als Maß aller Dinge, der Affe wird zur Metapher für das Gegenüber, für das andere Ich.

Eine starke Energie geht auch von der raumgreifenden Installation „Ichspeicher“ aus. Unzählige Affenbilder hängen als flüchtig zu Papier gebrachte Skizzen an den Wänden, mal grell farbig, mal streng in Schwarz-Weiß. Mit Tischen, einer Leiter und vielen Arbeitsmaterialien hat die Künstlerin eine Situation geschaffen, die den Besucher zur Interaktion einlädt. Er kann Platz nehmen und selbst zum Pinsel greifen, sein eigenes Bild vom Affen in die Ausstellung geben. Friedefrau Deutsch ist jeden Sonntagnachmittag vor Ort, um die Installation mit neuen Arbeiten ergänzen, den Speicher weiter anwachsen zu lassen.

Bis 20.02.; di – fr 9 – 12 und 14 – 17, sa, so 14 – 17 Uhr, Tel. 02523/ 98240; www. museum -abtei-liesborn.de

Quelle: wa.de

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