Äußerst vergnüglich: Die ZDF-Komödie „Trau niemals deiner Frau“

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Pizza stehen lassen, Mund zukleben und in die Handschellen schlüpfen: Carolin Siegl (Lisa Marie Potthoff) wird als vermeintliches Entführungsopfer von der Polizei befreit. ▪

Krimis sind das Fach von Lars Becker: Die großartige „Nachtschicht“-Reihe ist von ihm, auch einige „Tatort“-Folgen. Sein ZDF-Film „Trau niemals deiner Frau“ ist ebenfalls ein Krimi, allerdings einer ohne Blut und dafür mit einem verblüffenden Happy-End, von dem alle etwas haben. Dass die Geschichte aus dem gutbürgerlichen Wiener Milieu mit seiner behaglichen Optik so punktgenau und vergnüglich erzählt wird, liegt an den famosen Darstellern. Von Elisabeth Elling

Niklas (Harald Krassnitzer) und Carolin Siegl (Lisa Marie Potthoff) haben keine Sorgen, sondern kleine, feine Boutiquen; er verkauft Juwelen, sie Klamotten. Eines Tages taucht Timo auf (Fritz Karl). Dass er nicht Carolins Cousin ist, ahnt Niklas zunächst ebenso wenig wie ihre gemeinsame kriminelle Vergangenheit als Panzerknackerpärchen. Ein Privatdetektiv (Simon Schwarz) deckt all das auf. Niklas ist jedoch kaum empört, sondern wird aus Not erfinderisch: Sein Laden ist fast pleite, und so schmiedet er einen Plan. Timo soll Carolin entführen und seinen Laden ausräumen, er kassiert die Versicherungssumme. Damit kommen die Versicherungsagentin (Elena Uhlig) und Kommissar Ettmayr (Alexander Schwarz) ins Spiel.

Ettmayr sieht sich mit vielen Seltsamkeiten konfrontiert. Zum Beispiel, dass die Entführte zwar geknebelt war, aber vor einer halb gegessenen Pizza saß. Der Täter habe sie vorher natürlich noch etwas essen lassen, erklärt Carolin. „Ach ja, natürlich“, nickt der Polizist. Seine Standardreaktion auf dreiste Ausreden.

Ähnlich dreist sind manche Wendungen, mit denen Drehbuchautor Detlef Michel und Regisseur Becker die Geschichte voranbringen. So lässt sich der einstige Einbrecherkönig Timo von einem Polizisten anhalten, der mit Blaulicht in einem verbeulten Renault Clio unterwegs ist. In einer anderen Szene hockt er in der dunklen Küche und pafft eine Zigarre – Carolin allerdings kann ihn offenbar nicht riechen: Als sie im Kühlschrank ein Nasch-Häppchen sucht und er sie anspricht, erschrickt sie fast zu Tode.

Manche Gags sind so sinnfrei, dass sie die legendäre Wiener „Kottan“-Reihe antippen. Beispielsweise steht aus unerfindlichen Gründen stets die gesamte Belegschaft des Asia-Imbiss‘ von gegenüber auf der Straße und ruft „Grüß Gott“, wenn Niklas Siegl morgens den Rollladen seines Juweliergeschäfts hochwuchtet.

Krassnitzer gibt einen Superspießer und Langeweiler, der Gast und Gattin mit seinem Wissen über die Tierwelt der Galapagos-Inseln nicht wirklich gut unterhält. Das morgendliche Abschiedsritual der Eheleute ist an Teilnahmslosigkeit schwer zu überbieten. Siegls Dasein scheint so vorhersehbar wie das Karomuster jenes britische Modelabels, dessen Produkte in diesem Film immer wieder deutlich platziert werden. Doch der Mann ist nicht so harmlos, wie man zu glauben geneigt ist.

ZDF, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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